„Sie sagten doch, daß Sie sofort kommen würden, sobald Sie Ihre Tante gesehen hätten; warum sind Sie denn dann nicht früher gekommen?“ Und bei diesen Worten berührten die Lippen Iwan Fjodorowitschs die ihm wohlbekannten Kissen.

„Ich war meist in der Wirtschaft beschäftigt .... Ich komme auch nur auf einen Augenblick zu Ihnen, eigentlich sogar in Geschäften ....“

„Was, nur für einen Augenblick? Nein, das gibt’s nicht. He, Junge!“ rief der dicke Hausherr, und der Bursche im Kosakenkittel, den Iwan schon kannte, kam aus der Küche gelaufen. „Sage dem Kaßjan, er solle sofort das Tor schließen, — hörst du! — fest zuschließen! Und die Pferde dieses Herrn sollen auf der Stelle ausgespannt werden. Bitte, kommen Sie mit mir ins Haus: hier ist es so heiß, daß mein Hemd schon ganz naß ist.“

Im Zimmer angelangt, beschloß Iwan Fjodorowitsch, keine Zeit zu verlieren, und trotz seiner Schüchternheit, mit aller Entschiedenheit vorzugehen.

„Meine Tante hatte die Ehre .... Meine Tante hat mir gesagt, daß die Schenkungsurkunde des verstorbenen Stepan Kusmitsch ....“

Es ist schwer zu beschreiben, welch unangenehmen Ausdruck das breite Gesicht Grigori Grigorjewitschs bei diesen Worten annahm. „Bei Gott, ich höre rein gar nichts!“ antwortete er. „Ich muß Ihnen sagen, daß eine Schwabe in mein linkes Ohr hineingekrochen ist, (bei diesen verfluchten Russen gibt’s überall Schwaben in den Häusern); keine Feder kann Ihnen beschreiben, was das für eine Qual war — es kitzelte so fürchterlich, sage ich Ihnen, — es kitzelte und krabbelte ....! Aber eine kluge Frau hat mir mit einem ganz einfachen Mittel geholfen ....“

„Ich wollte nur sagen ....“ wagte Iwan Fjodorowitsch ihn zu unterbrechen, als er sah, daß Grigori Grigorjewitsch das Gespräch absichtlich auf ein andres Thema lenken wollte, „daß im Testament des verstorbenen Stepan Kusmitsch die Rede von .... sozusagen die Rede von einer Schenkungsurkunde ist .... nach der ich ....“

„Ich weiß schon, was Ihre Tante Ihnen eingeredet hat. Das ist alles erlogen, bei Gott, es ist erlogen! Mein Onkel hat nicht die geringste Schenkungsurkunde hinterlassen. Im Testament ist allerdings von einer Urkunde die Rede, aber wo ist sie? Niemand hat sie vorlegen können. Ich sage Ihnen das nur deshalb, weil ich Ihnen von Herzen wohl will. Bei Gott, es ist erlogen!“

Iwan Fjodorowitsch verstummte, da ihm der Gedanke kam, es könnte der Tante vielleicht in der Tat nur so vorgekommen sein.

„Ah, da kommen ja auch meine Mutter und meine Schwestern!“ rief Grigori Grigorjewitsch. „Das Mittagessen ist also schon fertig; gehen wir!“