Das Diner war zu Ende. Grigori Grigorjewitsch zog sich nach seiner Gewohnheit zurück, um ein Nickerchen zu machen; und die Gäste folgten der alten Hausfrau und den jungen Mädchen ins Gastzimmer, wo derselbe Tisch, auf dem sie den Schnaps stehen gelassen hatten, als sie sich zum Mittagsmahl begaben, sich wie auf einen Wink verwandelt und mit Schälchen voll verschiedener Konfitüren und Schüsseln mit Melonen, Kirschen und Zuckerkürbissen bedeckt hatte.
Grigori Grigorjewitschs Abwesenheit machte sich an allem bemerkbar: die Hausfrau wurde gesprächig und teilte ganz von selbst, ohne dazu aufgefordert worden zu sein, mancherlei Geheimnisse über die Zubereitung von Marmelade und das Trocknen von Birnen mit. Selbst die jungen Mädchen begannen zu sprechen, doch blieb die Blonde, die sechs Jahre jünger aussah als ihre Schwester und von Ansehen etwa fünfundzwanzig Jahre alt sein mochte, etwas schweigsam.
Am meisten aber redete und betätigte sich Iwan Iwanowitsch. Da er sicher war, daß ihn nun niemand mehr unterbrechen und in Verlegenheit bringen würde, redete er von allem möglichen: von Gurken und Kartoffelsaat, davon, wie gescheit die Leute früher waren — was wären die Heutigen dagegen? — und davon, wie jetzt alle immer klüger würden, je weiter man komme, wie man noch die allergescheitesten Dinge ersinnen würde; kurz er war einer von den Menschen, die sich mit dem größten Vergnügen erbaulichen Gesprächen hingeben und über alles reden, worüber man nur reden kann. Wenn das Gespräch wichtige und heilige Gegenstände berührte, seufzte Iwan Iwanowitsch nach jedem Worte auf und nickte leise mit dem Kopfe; wenn es sich um Wirtschaftsangelegenheiten handelte, so steckte er den Kopf aus seinem Wagen hervor und schnitt seltsame Gesichter, aus denen man ganz deutlich entnehmen konnte, wie man den Birnenmost zubereiten müsse, wie groß die Melonen seien, von denen er sprach, und wie fett die Gänse wären, die bei ihm im Hofe herumliefen.
Endlich gelang es Iwan Fjodorowitsch mit vieler Mühe und erst gegen Abend, sich zu verabschieden; aber obwohl er leicht zu überreden war und man ihn geradezu zwingen wollte, über Nacht dazubleiben, bestand er doch auf seiner Absicht, nach Hause zu fahren — und fuhr richtig davon.
V.
Der neue Plan der Tante
„Nun? Hast du die Urkunde von dem alten Schelm herausgelockt?“ Dies war die erste Frage, mit der Iwan Fjodorowitsch von seiner Tante empfangen wurde, die ihn bereits seit einigen Stunden voller Ungeduld an der Freitreppe erwartete, und sich schließlich kaum hatte überwinden können, nicht bis vors Tor zu laufen.
„Nein, liebe Tante!“ sagte Iwan Fjodorowitsch indem er ausstieg. „Grigori Grigorjewitsch hat gar keine Urkunde.“
„Und du hast ihm geglaubt? Er lügt, der verdammte Kerl! O, ich bekomme ihn noch eines Tages zu sehen, wahrhaftig, und dann prügle ich ihn mit meinen eigenen Händen durch. Oh, ich werde ihm schon etwas von seinem Fett abzapfen! Übrigens wollen wir zuerst mit unsrem Gerichtsschreiber reden, ob man vielleicht auf gerichtlichem Wege .... Aber es handelt sich jetzt ja nicht darum. Nun, war das Diner gut?“
„Sehr gut! .... sehr gut, liebe Tante!“
„Nun, und was gab’s dort zu essen? Erzähle! ich weiß schon, die Alte versteht sich gut auf die Küche.“