„O nein, du bist mit nicht zuwider!“ sagte sie lächelnd, „ich liebe dich doch, du schöner Kosak! Ich liebe dich um deiner klaren Augen willen, und wenn du mit ihnen auf mich blickst, so lächelt alles in meiner Seele, und ihr wird so wohl und so heiter; ich liebe dich, weil du so freundlich mit dem schwarzen Schnurrbart zuckst, weil du auf der Straße singst und spielst, und lieblich ist’s, dir zuzuhören.“

„O meine Halja!“ rief der Bursch, und drückte sie unter Küssen noch fester an seine Brust.

„Halt ein, Lewko! Sag mir zuerst, hast du mit deinem Vater gesprochen?“

„Was?“ rief er, wie aus dem Schlafe auffahrend, „daß wir uns heiraten wollen? Ich habe mit ihm gesprochen.“ Doch das Wort „gesprochen“ klang voller Bitterkeit in seinem Munde.

„Und nun?“

„Was soll man mit ihm machen? Der alte Tropf stellt sich nach seiner Gewohnheit taub, will nichts hören, und schilt noch, daß ich mich, weiß Gott wo, umhertreibe und mich mit den Burschen in den Straßen vergnüge. Doch verzage nicht, meine Halja! Da hast du mein Kosakenwort drauf, daß ich ihn doch beuge!“

„Ja, Lewko, du brauchst nur ein Wörtlein zu sagen, und alles geschieht nach deinem Willen. Weiß ich es doch von mir: Ich möchte mich dir so manches Mal widersetzen, doch du sagst nur ein Wort, und wider die eigene Absicht tu ich, was du willst. Sieh nur, sieh —“ fuhr sie fort, indem sie den Kopf an seine Schultern lehnte und ihre Augen zur Höhe erhob. Dort blaute der warme unermeßliche Himmel der Ukraine, der unten von den krausen Zweigen der Kirschbäume verhängt war. „Sieh dort, — weit, weit, da blinken Sternchen: eins, zwei, drei, vier, fünf .... Nicht wahr, das sind doch Gottes Engel, die die Fensterchen ihrer hellen Himmelsstübchen aufmachen und uns ansehen? Sie blicken doch auf unsere Erde herab? O, wenn die Menschen doch Flügel hätten wie die Vögel, — und so hinauffliegen könnten, hoch, hoch in die Höhe .... O, wie schrecklich! Keine Eiche ragt bei uns in den Himmel. Aber es soll irgendwo in einem fernen Lande solch einen Baum geben, dessen Wipfel in den Himmel hineinrauscht, und Gott soll auf ihm in der Osternacht zur Erde herabsteigen.“

„Nein, Halja, Gott hat eine lange Leiter, die vom Himmel bis zur Erde reicht. Am Ostersonntag wird sie von den heiligen Erzengeln aufgerichtet, und sowie Gott auf die erste Stufe tritt, da schwirren alle unreinen Geister empor und stürzen zu Haufen herab in die Hölle. Und darum ist zum Fest Christi kein böser Geist auf der Erde.“

„Wie sanft wiegt sich das Wasser hin und her, wie ein Kind in der Wiege,“ fuhr Hanna, auf den Teich weisend, fort, der mürrisch von dunklem Ahorngehölz umstanden war und von den Weiden beweint wurde, die ihre trauernden Zweige in ihn versenkt hatten. Wie ein kraftloser Greis hielt er den ferndunklen Himmel in seinen kalten Armen, überschüttete mit frostigen Küssen die brennenden Sterne, die trübe mitten im warmen Meer der nächtlichen Luft glimmten, in ängstlicher Vorahnung, daß bald der König der Nacht in blendendem Glanz aufleuchten würde. Auf dem Berge schlummerte neben dem Walde ein altes hölzernes Haus mit geschlossenen Läden; Moos und Unkraut bedeckten sein Dach; krausgelockte Apfelbäume wucherten vor den Fenstern, der Wald umarmte es mit seinen Schatten und warf eine wilde Düsternis darauf, und vor ihm breitete sich ein Nußbaumhain aus und glitt zum Teiche herab.

„Ich erinnere mich wie im Traume,“ sagte Hanna, ohne die Augen von ihm abzuwenden. „Vor langer, langer Zeit, als ich noch klein war und bei meiner Mutter lebte, da wurde gar Schreckliches von diesem Hause gesprochen. Lewko, du weißt es sicher, erzähle!“