„’s ist wahr, ’s ist wahr!“ riefen alle Burschen wie aus einer Kehle.

„Aber, Kinder, was sind wir denn für Kerle? Sind wir nicht Männer von altem Stamm wie er? Wir sind doch gottlob freie Kosaken! Jungens, zeigen wir ihm, daß wir freie Kosaken sind!“

„Ja, ja, wir wollen’s ihm zeigen!“ riefen die Burschen. „Und kommt erst der Amtmann an die Reihe, so wollen wir auch den Schreiber nicht vergessen!“

„Freilich, wir wollen auch den Schreiber nicht vergessen. Gerade eben ist mir so ein hübsches Liedchen auf den Amtmann eingefallen. Kommt, ich will es euch lehren,“ fuhr Lewko fort und schlug mit der Hand die Saiten der Harfe an. „Aber hört: jeder muß sich verkleiden wie sich’s gerad trifft!“

„Los, Kosaken!“ rief der wilde, stämmige Mensch, schlug die Beine zusammen und klatschte in die Hände. „Ist das eine Freude! Das nenn’ ich Freiheit! Wenn das Toben beginnt, so möcht’ ich fast glauben, die alten Tage erständen aufs neue. So herrlich und frei wird einem ums Herz und die Seele fühlt sich wie im Paradies. He, Jungens! Auf, drauf los!“ ....

Und die Menge zog lärmend durch die Straßen. Die frommen alten Frauen, die vom Geschrei geweckt wurden, schoben die Fenster in die Höhe, bekreuzigten sich mit ihren schläfrigen Händen und sprachen: „Ja, ja, jetzt gehen die Burschen bummeln!“

IV.
Die Burschen bummeln

Nur in einem Hause, am Ende der Straße brannte noch Licht. Das war das Haus des Amtmanns. Der Amtmann hatte schon längst sein Nachtmahl beendet und wäre zweifellos schon lange schlafen gegangen, aber er hatte noch einen Gast, den Branntweinbrenner, der von einem Gutsbesitzer, welcher mitten im Kosakenlande ein kleines Gut besaß, hierher geschickt worden war, um eine Schnapsbrennerei zu errichten. Obenan auf dem Ehrenplatze unterm Heiligenbilde, saß der Gast — ein kurzes, dickes Männchen mit ewig lachenden Äuglein, die das ganze Behagen wiederzuspiegeln schienen, mit dem er seine Pfeife rauchte; er spuckte jeden Augenblick zur Seite und preßte den aus der Pfeife kriechenden Tabak, der sich schon zu Asche verwandelt hatte, mit dem Daumen wieder hinein. Dichte Rauchwolken türmten sich schnell über ihm auf und hüllten ihn in ein Kleid von blauem Nebel. Es schien, als ob der breite Schlot einer Schnapsfabrik herunterspaziert wäre, weil er es überdrüssig geworden war, ewig auf seinem Dache zu hocken, und nun artig in der Stube des Amtmanns bei Tisch säße. Dicht unter seiner Nase befand sich ein kurzer dichter Schnurrbart; aber dieser Schnurrbart guckte so undeutlich aus der Tabaksluft hervor, als wäre er eine Maus, die der Branntweinbrenner gefangen hätte und nun im Munde hielte; wie wenn jener die Absicht hätte, das Monopol des Katers auf dem Speicher zu untergraben. Der Amtmann saß als Hausherr in bloßem Hemd und in einer Leinwandhose da; sein Adlerauge begann allmählich zu blinzeln und zu erlöschen wie die Abendsonne. Am Ende des Tisches rauchte einer der Dorfbüttel, die das Kommando des Amtmanns bildeten ein Pfeifchen; er saß aus Respekt vor dem Hausherrn im Kittel da.

„Gedenkt ihr,“ sprach der Amtmann zum Brennmeister gewandt, indem er ein Kreuz über seinen gähnenden Mund machte, „gedenkt ihr die Brennerei bald zu eröffnen?“

„Mit Gottes Hilfe werden wir vielleicht schon in diesem Herbst zu brennen anfangen. Ich wette, zu Mariä Geburt werden der Herr Amtmann schon auf der Straße mit den Beinen die Linien von deutschen Bretzeln beschreiben!“