„Pfui Teufel, wir hielten ihn doch schon fest, Herr Amtmann!“ antworteten die Büttel. „In dem einen Gäßchen umringten uns die verdammten Kerls, fingen an zu tanzen und uns hin und her zu zerren, steckten die Zunge raus und rissen ihn uns aus den Händen. .... Der Henker soll sie holen! .... Aber wie wir statt seiner zu dieser Krähe hier gekommen sind, das mag Gott wissen!“
„Kraft meiner Vollmacht und im Namen der ganzen Gemeinde ergeht die Verfügung, diesen Räuber unverzüglich gefangen zu nehmen,“ sprach der Amtmann; „desgleichen alle anderen, die ihr auf den Straßen antrefft, und sie mir zur Aburteilung vorzuführen! ....“
„Erbarm dich doch, Herr Amtmann!“ riefen da einige Büttel und verneigten sich tief bis zur Erde vor ihm. „Hättest du nur gesehen, was das für Fratzen sind! Gott straf uns, aber seit unserer Geburt und Taufe haben wir keine so abscheulichen Larven gesehen. Wie leicht verfällt man der Sünde, Herr Amtmann! Die können einen rechtschaffenen Menschen so erschrecken, daß einem nachher kein Weib mehr ein Gebreste besprechen kann!“
„Ich will euch schon zeigen, was ein Gebreste ist! Was? Ungehorsam? Ihr zieht wohl mit ihnen am selben Strang, ihr Rebellen! Was soll denn das? .... Ihr werdet sie noch zum Mord anstiften! .... ihr .... ihr .... Ich werde das dem Kommissär melden! Auf der Stelle, hört ihr, auf der Stelle! Lauft, fliegt schnell wie die Vögel! Ich werde euch schon .... Ihr sollt mir ....!“
Alle stoben auseinander.
V.
Die Ertrunkene
Unbekümmert, und ohne auf die abgesandten Verfolger zu achten, näherte sich der Urheber dieses ganzen Wirrwarrs dem alten Hause am Teich. Ich glaube, man braucht wohl nicht weiter hervorzuheben, daß es Lewko war. Sein schwarzer Pelz war aufgeknöpft, er hielt seine Mütze in der Hand, und der Schweiß rann ihm von der Stirn. — Düster und hehr stand der schwarze Ahornhain da, und nur auf der Seite, die dem Monde zugewandt war, lag ein feiner Silberstaub über ihm ausgestreut. Vom regungslosen Teich wehte eine kühlende Frische dem müden Fußgänger entgegen und lud ihn ein, an seinen Ufern auszuruhen. Alles war still; nur im tiefen Dickicht des Waldes hörte man das Schmettern der Nachtigall. Ein unüberwindlicher Schlaf senkte sich rasch auf Lewkos Lider. Die ermatteten Glieder lösten sich und erschlafften; der Kopf suchte eine Stütze .... „Nein, auf die Art schlafe ich hier noch ein!“ sprach er, stand auf und rieb sich die Augen. Er blickte um sich: die Nacht lag noch leuchtender vor ihm. Eine seltsam berauschende Helle mischte sich in den Glanz des Mondes. Noch nie hatte er etwas Ähnliches gesehen. Silberne Nebel senkten sich aufs Land. Ein Duft von blühenden Apfelbäumen und Nachtblüten war über die ganze Erde ausgegossen. Mit Verwunderung blickte er in die regungslosen Wasser des Teiches; das alte Herrenhaus spiegelte sich in ihm umgestürzt, klar und in lichter Erhabenheit. Statt der düsteren Fensterläden blinkten einem lustige Glasfenster und Türen entgegen und das Gold schimmerte durch die klaren Scheiben. Auch schien es ihm, als habe sich ein Fenster geöffnet. Er hielt den Atem an, regte sich nicht und glaubte sich in die Tiefe des Teiches versetzt. Und siehe: zuerst schob sich ein weißer Ellenbogen aus dem Fenster, dann schaute ein liebliches Köpfchen heraus mit glänzenden Augen, die sanft durch dunkelblonde Haarwogen hindurch leuchteten, und stützte sich auf den Ellenbogen. Lewko sah, wie sie leise den Kopf schüttelte, wie sie winkte und lächelte .... Sein Herz fing plötzlich an heftig zu pochen .... das Wasser erzitterte, und das Fenster schloß sich wieder. Leise ging er vom Teiche fort und sah das Haus unverwandt an: Die düsteren Fensterläden standen weit offen, und die Scheiben funkelten im Monde. „Wie wenig darf man doch auf das Gerede der Menschen geben!“ dachte er bei sich. „Das Haus ist nagelneu, und die Farben sind frisch, als ob sie erst heute aufgetragen wären. Hier muß doch jemand wohnen!“ Und er trat schweigend näher, aber im Hause war alles still. Mächtig und klingend tönten die leuchtenden Lieder der Nachtigall durcheinander, und wenn sie schmachtend wie in Wonne zu ersterben schienen, vernahm man das Rascheln und Zirpen der Heimchen oder das Schnarren eines Sumpfvogels, der mit seinem glatten Schnabel auf den weiten Wasserspiegel aufschlug. Lewko empfand eine süße Stille in seinem Herzen, es schien sich zu weiten und schlug so leicht und frei. Er stimmte seine Harfe und fing an zu spielen und zu singen:
Du mein helles Licht der Nacht,
Du mein Mond, ach bester Mond!
Leucht mir über Haus und Hof,