„So?“ meinte der Amtmann mit offenem Munde. „Hört ihr, hört ihr, für alles macht man den Amtmann verantwortlich. Da heißt’s gehorchen, gehorchen ohne Widerrede! Sonst, mit Verlaub zu sagen .... Und du,“ fuhr er, zu Lewko gewandt, fort, „sollst auf Befehl des Kommissärs verheiratet werden — wenn’s mich auch sonderbar dünkt, wie er das wohl erfahren haben mag! Aber vorher sollst du noch die Nagaika zu kosten bekommen! Kennst du die, die bei mir neben dem Heiligenbilde an der Wand hängt? Ich werde sie mal morgen frisch in Gang bringen .... Wo hast du diesen Zettel her?“

Trotz seines Staunens über diese unerwartete Wendung der Sache, war Lewko so vernünftig gewesen, sich im Kopfe eine Antwort zurecht zu legen und die Wahrheit, wie er zu dem Zettel gekommen war, zu verschweigen.

„Ich war gestern abend noch in der Stadt,“ sagte er, „und da begegnete ich dem Kommissär, der gerade aus seinem Wagen stieg. Als er erfuhr, daß ich aus unserem Dorfe stamme, gab er mir diesen Zettel da und hieß mich, dir mündlich ausrichten, er würde auf dem Rückwege bei uns zu Mittag essen, Vater.“

„Hat er das gesagt?“

„Ja, das hat er gesagt!“

„Hört ihr’s,“ sprach der Amtmann, sich mit wichtiger Gebärde an seine Begleiter wendend, „der Kommissär kommt in eigner Person zu unsereinem, das heißt zu mir, zur Tafel. Oh ....“ Dabei hob der Amtmann den einen Finger in die Höhe und gab seinem Kopf eine Haltung, als ob er auf etwas lausche. „Der Kommissär, hört ihr’s, der Kommissär kommt zu mir zu Tisch! Wie denkst du, Herr Schreiber, und du, Gevatter, ist das etwa eine kleine Ehre, wie?“

„Noch nie hat, so viel ich mich besinne,“ fiel hier der Schreiber ein, „je ein Amtmann einem Kommissär mit einer Mahlzeit aufgewartet.“

„Es gibt eben Amtmänner und Amtmänner!“ sprach der Amtmann mit selbstzufriedener Miene. Sein Mund verzog sich, und etwas wie ein dumpfes, heiseres Lachen, das mehr dem Grollen eines fernen Donners glich, kam über seine Lippen.

„Wie denkst du, Herr Schreiber? Müßte man nicht eigentlich zu Ehren des hochgestellten Gastes den Befehl erlassen, daß jedes Haus wenigstens ein Hühnchen, ein bißchen Leinwand oder dergleichen spendet .... was? ....“

„Ja, das müßte man eigentlich, das müßte man, Herr Amtmann!“