„Schau einer an, wie tapfer der tut!“ sprach Tschub, als er nun allein auf der Straße stand. „Versuch’s nur und komm bloß heran! He, wer bist du denn? Etwa ein großes Tier, was? Du glaubst wohl, ich kann dir nichts anhaben? Nein, mein Täubchen, ich gehe geraden Wegs zum Kommissär, da sollst du was von mir erleben! Ich werde keine Rücksicht darauf nehmen, daß du ein Schmied bist und noch ein Maler dazu. Hm, wenn ich mir meinen Rücken und meine Schultern ansehe, so werde ich wohl sicher blaue Flecken finden. Er hat mir tüchtig zugesetzt, der hundsgemeine Lümmel. Schade nur, daß es so kalt ist, ich möchte nämlich nicht gern den Pelz ausziehen. Warte nur, du Teufelsschmied! Der Satan soll dich und deine Schmiede in Stücke schlagen. Du sollst noch ein Tänzchen bei mir erleben! Verfluchter Hallunke! — Also ist er jetzt nicht zu Hause? Solocha ist wohl allein! Hm .... Es ist ja nicht weit. — Ob ich am Ende hingehe! Um diese Zeit wird uns niemand überraschen. Vielleicht hab’ ich auch Glück und .... Seine Hiebe tun aber weh .... O, dieser gottsverdammte Schmied!“

Und Tschub kratzte sich den Rücken und schlug die entgegengesetzte Richtung ein. Die Genüsse, die seiner bei der Solocha harrten, verringerten einigermaßen den Schmerz, und machten Tschub sogar weniger empfindlich gegen den Frost, der auf den Straßen knirschte, und der nicht einmal vom Sausen des Windes übertönt wurde. Eine sauersüße Miene erschien manchmal auf seinem Gesicht, dessen Kinn und Schnurrbart das Unwetter schneller mit Schnee eingeseift hatte, als irgendein Barbier, der sein Opfer tyrannisch an der Nase packt. Wäre jedoch der Schnee einem nicht kreuz und quer vor den Augen herumgewirbelt, so hätte man noch lange sehen können, wie Tschub immer wieder stehen blieb, sich den Rücken kratzte, ausrief: „Die Hiebe von diesem verfluchten Schmied tun aber mächtig weh!“ und dann weiter zog.


Während der flinke Stutzer mit Schwanz und Bocksbart aus dem Schornstein und wieder in den Schornstein zurückflog, blieb ihm zufällig seine Tasche, die ihm an der Seite hing und in die er den gestohlenen Mond hineingesteckt hatte, im Ofen hängen und ging auf. Der Mond benutzte diese Gelegenheit, flog aus dem Schornstein des Hauses der Solocha in die Freiheit hinaus und stieg flugs zum Himmel empor. Alles wurde hell! das Schneegestöber war wie weggeblasen, der Schnee dehnte sich weit in die Ferne wie ein großes silbernes Gefild, über das kristallene Sterne ausgestreut waren. Selbst der Frost schien etwas nachgelassen zu haben. Burschen und Mädchen kamen in Scharen mit ihren Säcken herbei. Die Lieder schwirrten durcheinander, und beinahe vor keinem Fenster fehlten Sänger, die den heiligen Christ besangen.

Der Mond leuchtet wundersam vom Himmel herab! Es ist schwer zu beschreiben, wie schön es ist, sich in solcher Nacht unter die Scharen laut lachender Mädchen und Burschen zu mischen, die zu allen Späßen und losen Streichen aufgelegt sind, wie sie nur eine lustig verbrachte Nacht eingeben kann. Unter dem dicken Pelze ist’s warm; die Backen glühen nur noch lebhafter vor Kälte, und der Teufel scheint einen hinterrücks nur so zu mutwilligen Stückchen zu treiben.

Scharen von Mädchen brachen mit Säcken in Tschubs Haus ein und umringten Oxana. Das Geschrei, das Gelächter und die Erzählungen betäubten den Schmied. Alle beeilten sich, der Schönen etwas Neues zu erzählen, sie luden ihre Säcke aus und prahlten mit dem Kuchen, den vielen Würsten und Krapfen, die ihnen ihr Straßengesang bereits eingebracht hatte. Oxana schien sehr vergnügt und fröhlich zu sein, schwatzte bald mit der einen, bald mit der anderen und lachte ohne Ende.

Der Schmied sah dieses fröhliche Treiben voller Neid und Ärger an, und verfluchte diesmal das ganze Christsingen, obwohl er sonst wie besessen darauf war.

„Du, Odarka!“ rief die Schöne lustig, zu einem der Mädchen gewandt, „du hast ja neue Schuhe an. Ach, wie reizend! Mit Goldstickerei! Du hast es gut, Odarka, du hast jemand, der dir alles kauft, mir kauft niemand so entzückende Schuhe.“

„Gräm dich nicht, meine herzallerliebste Oxana!“ unterbrach sie der Schmied. „Ich will dir solche Schuhe schenken, wie sie selbst ein Edelfräulein selten trägt!“

„Du?“ rief Oxana sofort und blickte ihn stolz an. „Ich möchte doch sehen, wo du solche Schuhe herkriegen willst, die an meine Füße passen. Ja, wenn du mir die Schuhe brächtest, die die Zarin trägt ....!“