Solocha schüttete die Kohlen aus noch einem Sack in den Zuber, und der nicht besonders umfangreiche Küster kroch hinein und kauerte sich ganz am Boden des Sacks zusammen, so daß man noch einen halben Sack voll Kohlen über ihn hatte ausschütten können.
„Grüß Gott, Solocha!“ sagte Tschub, der jetzt in die Stube trat. „Du hast mich vielleicht nicht erwartet, was? Nicht wahr, du hast mich nicht erwartet? Vielleicht störe ich?“ .... fuhr Tschub fort und ließ auf seinem Gesichte eine verschmitzte und vielsagende Miene sehen, aus der man von vornherein erkennen konnte, wie sehr sein schwerfälliger Kopf sich abmühte, etwas recht Spitzes und Schelmisches zu sagen. „Vielleicht hast du dir gerade mit jemandem die Zeit vertrieben. Vielleicht hast du doch jemanden versteckt, was?“ Und entzückt über diese Bemerkung brach Tschub in ein Gelächter aus, innerlich darüber triumphierend, daß nur er allein Solochas Gunst genieße. „Nun, Solocha, trinken wir jetzt ein Schnäpschen. Ich glaube, mir ist die Kehle ganz eingefroren von der verfluchten Kälte. Mußte uns Gott gerad zu Weihnachten solch eine Nacht schicken! Was das für ein Schneetreiben war! hörst du, Solocha, was das für ein Schneetreiben war .... Mir sind die Hände ganz steif geworden: ich kann nicht einmal den Pelz aufknöpfen! Wie das Schneegestöber losging ....“
„Mach auf!“ ertönte in diesem Augenblick eine Stimme von der Straße her, die von einem Stoß gegen die Tür begleitet wurde.
„Es klopft jemand,“ sagte Tschub und hielt inne.
„Mach auf!“ schrie es noch lauter.
„Das ist der Schmied!“ rief Tschub und griff rasch nach der Mütze. „Hörst du Solocha, versteck mich, wo es auch sei, um keinen Preis der Welt will ich mich hier vor dieser gottverdammten Mißgeburt sehen lassen. Diesem Satanskind sollen doch gleich unter beiden Augen Blasen anlaufen: so groß wie zwei Heuschober!“
Solocha erschrak gleichfalls und rannte umher, als ob sie nicht ganz gescheit wäre. Ohne sich viel zu besinnen, machte sie Tschub ein Zeichen, er solle in denselben Sack hineinkriechen, in dem bereits der Küster steckte. Der arme Küster konnte nicht einmal durch Husten oder Ächzen seinen Schmerz kundgeben, als sich der schwere Mann ihm beinah auf den Kopf setzte und ihm seine hartgefrorenen Stiefel gegen die Schläfen drückte.
Der Schmied trat ein und ließ sich, ohne ein Wort zu reden, und ohne die Mütze abzunehmen, auf eine Bank sinken. Er war ersichtlich schlechter Laune.
Zur selben Zeit, als Solocha die Tür hinter ihm zumachte, ertönte ein neues Klopfen. Es war der Kosak Swerbygus. Aber den hätte man schon nicht mehr in einem Sack verstecken können, denn ein solcher Sack war nirgends mehr zu finden. Er war noch beleibter als selbst der Amtmann und höher von Wuchs als Tschubs Gevatter. Daher führte ihn Solocha in den Gemüsegarten, um alles von ihm zu hören, was er ihr zu sagen hatte.
Der Schmied blickte zerstreut in alle Winkel seiner Stube und lauschte ab und zu den weit vom Dorfe herüber hallenden Liedern der Sänger; endlich blieben seine Augen an den Säcken haften. „Wozu liegen diese Säcke hier? Man hätte sie schon längst wegräumen sollen. Die dumme Liebe hat mich ganz wirr gemacht. Morgen ist Feiertag, und in der Stube liegt noch immer aller mögliche Plunder herum. Ich trage sie gleich in die Schmiede!“