Lautes Lachen belohnte den Spaßvogel. Die kleinen Fenster wurden zurückgeschoben, und die dürren Arme einer alten Frau, die allein mit den würdigen Vätern des Hauses daheimgeblieben war, streckten sich, mit einer Wurst oder einem Stück Kuchen in der Hand, hervor. Die Burschen und Mädchen hielten um die Wette ihre Säcke unter und fingen die Beute auf. An einer andern Stelle umringte ein Haufen von jungen Burschen mehrere Mädchen. Da gab es Lärm und Geschrei; der eine warf einen Schneeball, und ein anderer raubte einen Sack, der mit allerhand Kram angefüllt war. Wieder an einer anderen Stelle haschten Mädchen nach einem Burschen, sie stellten ihm ein Bein, und er flog mitsamt seinem Packen Hals über Kopf zu Boden. Es schien, als ob sie die ganze Nacht hindurch in toller Lust verbringen wollten. Die Nacht war, wie mit Absicht, so herrlich und milde! Und noch heller und weißer erschien der Mondschein vom Leuchten des Schnees!

Der Schmied machte mit seinen Säcken halt. Er glaubte die Stimme und das feine Lachen Oxanas in der Mädchenschar vernommen zu haben. Er fühlte, wie ihm ein Schauder durch alle Adern rann, warf die Säcke zu Boden, so daß der Küster im Sack aufstöhnte und der Amtmann aus vollem Halse aufschluckte, und schloß sich mit dem kleinen Sack über der Schulter dem Haufen der Burschen an, die hinter der Schar der Mädchen herzogen, in der er die Stimme Oxanas vernommen zu haben glaubte.

„Sie ist es! Steht da wie eine Zarin, und ihre schwarzen Augen leuchten. Ein stattlicher Bursch erzählt ihr etwas; sicher etwas Ergötzliches, denn sie lacht. Aber sie lacht ja immer.“ Und unwillkürlich und ohne zu begreifen, wie es geschah, drängte sich der Schmied durch die Menge hindurch und stellte sich an ihre Seite.

„Ah, Wakula, du bist hier! Grüß Gott!“ rief die Schöne mit jenem Lächeln, das Wakula beinah wahnsinnig machte. „Nun, hast du dir viel ersungen? He, was hast du denn da für einen kleinen Sack bei dir! Und die Stiefelchen der Zarin? hast du mir die schon gekriegt? Schaff mir die Stiefelchen, so heirate ich dich“ .... Und lachend lief sie mit einem Trupp Mädchen davon.

Der Schmied stand wie angewurzelt auf einem Fleck. „Nein, ich kann nicht; ich hab keine Kraft mehr“ .... rief er endlich. „Himmel Herrgott, warum ist sie nur so verteufelt schön? Ihr Blick, ihre Rede, alles brennt in mir, glüht und brennt! Nein, ich kann mich nicht mehr überwinden. Es muß ein Ende gemacht werden. So geh denn zugrunde, meine Seele! Ich will mich in einem Eisloch ertränken, dann ist alles aus!“

Er eilte entschiedenen Schritts voraus, holte die Mädchen ein, erreichte Oxana und rief mit fester Stimme: „Leb wohl, Oxana! Suche dir einen Bräutigam, wie du ihn haben magst, halte zum Narren, wen du willst; mich wirst du nie mehr auf der Welt erblicken.“

Die Schöne schien erstaunt und wollte etwas sagen, aber der Schmied wehrte mit der Hand ab und rannte davon.

„Wohin, Wakula?“ schrien die Burschen, als sie den Schmied davonlaufen sahen.

„Lebt wohl, Brüder!“ rief ihnen der Schmied zu. „Wenn Gott will, sehn wir uns in jener Welt wieder, in dieser werden wir uns nie mehr zusammenfinden. Lebt wohl! Gedenkt meiner nicht in Bösem! Sagt dem Vater Kondrat, er möge eine Totenmesse für meine sündige Seele lesen. Ich weiß es, ich bin schuldig und habe die Kerzen an den Bildern des heiligen Wundertäters und der Mutter Gottes nicht bemalt, ich war zu sehr in irdischen Dingen befangen. Mein ganzes Hab und Gut und alles, was sich in meinem Kasten findet, vermach’ ich der Kirche. Lebt wohl!“

Nach diesen Worten lief der Schmied mit dem Sacke auf dem Rücken weiter!