„Er ist von Sinnen!“ sprachen die Burschen.
„Eine verlorene Seele!“ murmelte fromm eine vorübergehende Alte. „Ich muß doch gleich herumgehen und allen erzählen, wie sich der Schmied erhängt hat!“
Unterdessen lief Wakula durch die Straßen; endlich blieb er stehen, um Luft zu schöpfen. „Wohin renne ich eigentlich so?“ dachte er. „Als ob wirklich alles verloren wäre. Ich will noch das letzte Mittel versuchen. Ich gehe zum Saporoger, zu Patzjuk Schmerbauch. Der soll doch alle Teufel in der Welt kennen und alles machen können, was er will. Ich geh zu ihm, meine Seele ist ja ohnehin verloren!“
Der Teufel, der lange regungslos dagelegen war, hüpfte im Sack vor Freude; der Schmied aber glaubte, er selbst hätte den Sack irgendwie mit der Hand berührt und diese Bewegung hervorgerufen, schlug mit seiner mächtigen Faust auf den Sack, rüttelte ihn und begab sich zu Patzjuk Schmerbauch.
Dieser Schmerbauch Patzjuk war in der Tat vormals ein Saporoger Kosak gewesen; aber niemand wußte, ob er aus der Gemeinschaft vertrieben oder von selbst davongelaufen war. Er lebte schon seit langem in Dikanka, vielleicht an die zehn oder gar fünfzehn Jahre. Zuerst führte er den Lebenswandel eines echten Saporogers: arbeitete nicht, schlief dreiviertel des Tages, aß wie sechs Drescher und trank einen ganzen Eimer voll auf einen Zug; übrigens hatte der auch bequem Platz, denn obwohl Patzjuk klein von Statur war, war er doch recht stark in die Breite gegangen. Dazu trug er so weite Pluderhosen, daß seine Beine, so lang er auch ausschreiten mochte, kaum zu sehen waren, und daß es den Eindruck machte, als ob sich eine Branntweinkufe die Straße entlang bewege. Daher mochte wohl auch sein Spitzname Schmerbauch stammen. Noch waren keine vierzehn Tage seit seiner Ankunft im Dorfe verstrichen, da wußte schon jedermann, daß er ein Hexenmeister sei. Hatte jemand irgend eine Krankheit, sogleich wurde Patzjuk gerufen, Patzjuk brauchte nur ein paar Worte zu murmeln und das Gebrechen war wie mit der Hand weggewischt. Oder geschah es, daß einem unmäßigen Edelmann eine Fischgräte in der Kehle stecken geblieben war, so verstand es Patzjuk, den Rücken des Herrn so geschickt mit der Faust zu beklopfen, daß die Gräte den rechten Weg einschlug, ohne der adligen Kehle auch nur den leisesten Schaden zuzufügen. In der letzten Zeit hatte man ihn wenig gesehen. Der Grund davon lag vielleicht in seiner Faulheit, vielleicht aber auch in dem Umstande, daß es ihm mit jedem Jahre schwerer wurde, durch die Tür zu kommen. Und so mußten denn die Leute zu ihm in sein Haus kommen, wenn sie seiner bedurften.
Nicht ohne Furcht öffnete der Schmied die Tür und erblickte Patzjuk, der wie ein Türke auf dem Boden und vor einem kleinen Fasse saß, auf dem eine Schüssel mit Klößen stand. Diese Schüssel stand wie mit Absicht gerade vor seiner Nase. Ohne auch nur einen Finger zu rühren, neigte er bloß den Kopf leise über die Schüssel und schlürfte die Brühe ein, ab und zu schnappte er auch mit den Zähnen nach einem Kloß.
„Nein,“ dachte Wakula bei sich, „der da ist noch fauler als Tschub: jener ißt doch wenigstens noch mit einem Löffel, dieser aber mag nicht einmal die Hand aufheben!“
Patzjuk war sicherlich mächtig mit seinen Klößen beschäftigt, denn er schien das Kommen des Schmiedes gar nicht bemerkt zu haben; kaum aber war dieser über die Schwelle getreten, so machte er eine tiefe Verbeugung.
„Ich komme zu Euer Gnaden, Patzjuk!“ sagte Wakula und verbeugte sich von neuem.