„Halt!“ rief die eine von ihnen, „der Schmied hat seine Säcke vergessen; o schaut nur, was für gräßliche Säcke das sind! Er hat ganz andre Geschenke für seinen Gesang bekommen als wir; ich glaube, man hat ihm ein ganzes Viertel von einem Hammel geschenkt, und sicherlich Würste und Brote ohne Zahl. Prächtig! Da kann man die ganzen Feiertage davon essen.“
„Sind das die Säcke des Schmiedes?“ rief Oxana. „Schleppen wir sie doch zu mir in die Stube und sehn wir zu, was er alles drin hat.“
Alle billigten lachend diesen Vorschlag.
„Aber wir können sie nicht in die Höhe heben!“ rief auf einmal die ganze Schar, die bemüht war, die Säcke vom Platze zu rücken.
„Halt,“ meinte Oxana, „holen wir einen Schlitten und schleppen wir sie auf dem Schlitten zu mir!“
Und die ganze Schar lief fort, um einen Schlitten zu holen.
Den Gefangenen wurde indessen in den Säcken die Zeit gewaltig lang, wenn auch der Küster sich ein tüchtiges Loch in den Sack gebohrt hatte. Wären keine Leute dagewesen, so hätte er vielleicht auch noch ein Mittel gefunden, herauszukriechen; aber in Gegenwart aller aus dem Sack zu kriechen, sich lächerlich zu machen .... dieser Gedanke hielt ihn zurück, und er beschloß daher, zu warten; und nur hie und da stöhnte er unter Tschubs unhöflichen Stiefeln schmerzlich auf. Tschub selbst aber sehnte sich nicht minder nach Freiheit, denn er fühlte, daß ein gewisses Etwas unter ihm lag, auf dem ganz grauenhaft unbequem zu sitzen war. Sobald er aber vom Entschluß seiner Tochter vernahm, beruhigte er sich und wollte jetzt schon selbst nicht mehr zum Vorschein kommen, denn er dachte daran, daß es bis zu seinem Hause noch mindestens hundert Schritt oder gar noch mehr waren; hätte er aber hinauskriechen wollen, so hätte er seine Kleidung ordnen, den Pelz zuknöpfen, und sich den Gurt umbinden müssen — welche Arbeit! Und dann war auch seine Mütze bei der Solocha geblieben. Da sollten ihn doch lieber die Mädel nach Hause fahren! Es kam jedoch ganz anders, als Tschub erwartet hatte. Während die Mädchen davonliefen, um einen Schlitten zu holen, trat der hagere Gevatter verstört und mißgestimmt aus dem Wirtshaus. Die Schankfrau hatte sich durchaus nicht entschließen können, ihm zu borgen. Er wollte im Wirtshause abwarten, ob nicht irgendein frommer Edelmann kommen und ihm was vorsetzen würde; aber wie zum Trotz waren alle Edelleute zu Hause geblieben und verzehrten als ehrliche Christen ihren Weihnachtskuchen inmitten ihrer Familie. Wie nun der Gevatter so über die allgemeine Sittenverderbnis und das steinerne Herz des Judenweibs, das den Schnaps feilhielt, nachdachte, stieß er plötzlich auf die Säcke und blieb erstaunt stehen. „Schau, schau, hier hat jemand Säcke auf die Straße geworfen!“ sagte er und sah sich um. „Wahrscheinlich ist Schweinefleisch drin. Es gehört doch ein großes Glück dazu, sich so viel zu ersingen! Was für riesige Säcke! Angenommen selbst, sie wären nur mit Buchweizenbroden und Brezeln gefüllt, das wär’ auch gar nicht übel, aber selbst wenn nur einfaches Brot darin wäre, so ließe ich mir auch das gefallen: die verfluchte Jüdin gibt ein Achtel Schnaps für jeden Laib. Ich will sie rasch fortschleppen, so daß niemand es sieht.“
Da wälzte er sich den einen Sack, gerade den mit Tschub und dem Küster, auf die Schulter, fühlte jedoch, daß er zu schwer sei. „Nein, für mich allein ist der zu schwer,“ rief er. „Aber da kommt ja gerad wie gerufen der Weber Schapuwalenko. Grüß Gott, Ostap!“
„Guten Abend!“ erwiderte der Weber und blieb stehen.
„Wohin gehst du?“