Der Gevatter war starr vor Schrecken.

„Na, da haben wir die Bescherung!“ rief der Weber und ließ die Arme sinken.

Des Gevatters Frau war so ein Juwel, wie es deren durchaus nicht wenige in der Welt gibt. Genau wie ihr Gemahl saß sie fast niemals zu Hause und schmarotzte fast den ganzen Tag lang bei allerhand Basen und wohlhabenden Muhmen umher, schmeichelte sich bei ihnen ein, aß mit vielem Appetit und prügelte sich nur am Morgen mit ihrem Manne herum, denn bloß um diese Tageszeit pflegte sie ihn zuweilen zu sehen. Ihre Hütte war doppelt so alt wie die Pluderhosen des Gemeindeschreibers. Das Dach hatte an manchen Stellen gar kein Stroh mehr, und vom Zaun waren nur noch ein paar klägliche Überreste übrig, denn kein Mensch pflegte beim Ausgehen noch einen Stock zur Abwehr der Hunde mitzunehmen, weil jeder hoffte, am Gemüsegarten des Webers vorüberzugehen und sich da einen Knüppel aus seinem Zaun reißen zu können. Der Ofen wurde oft drei Tage lang nicht geheizt. Alles, was die zärtliche Gattin bei gutherzigen Leuten zu erbetteln pflegte, verbarg sie möglichst vor ihrem Manne, und manchmal nahm sie sogar Sachen als Beute an sich, die ihm gehörten, falls er sie noch nicht in der Schenke versoffen hatte. Der Gevatter wollte ihr trotz seiner ewigen Gleichgültigkeit doch nicht nachgeben, daher verließ er auch das Haus fast immer mit ein paar Beulen unter beiden Augen, und die geschätzte Ehehälfte trollte sich ächzend zu ihren alten Weibern, um ihnen von der Lüderlichkeit ihres Mannes und von den Schlägen vorzuklatschen, die sie zu ertragen hatte.

Man kann sich ausmalen, wie verblüfft der Weber und der Gevatter durch ihr unerwartetes Erscheinen waren. Sie ließen den Sack zu Boden sinken, stellten sich vor ihn hin und bedeckten ihn mit ihren Rockschößen; aber schon war es zu spät; des Gevatters Frau hatte den Sack schon erblickt, obwohl ihre alten Augen nur noch schlecht sahen. „Das ist aber fein!“ sagte sie mit einer Miene, in der die Freude eines Habichts aufzuckte. „Das ist fein, daß ihr euch so viel zusammengesungen habt! Anständige Leute machen es immer so. Aber nein, ich glaube doch, ihr habt es irgendwo stibitzt. Zeigt mir’s sofort, hört ihr, zeigt mir sofort, was ihr in eurem Sacke habt!“

„Vielleicht zeigt dir’s ein kahlköpfiger Teufel, aber nicht wir,“ sagte der Gevatter und stellte sich in Positur.

„Was geht dich das an?“ sagte der Weber, „wir haben das für unseren Gesang bekommen und nicht du!“

„Nein, du sollst es mir zeigen, du nichtsnutziger Trunkenbold!“ rief die Frau, versetzte dem langaufgeschossenen Gevatter einen Schlag unters Kinn und drängte sich an den Sack heran. Jedoch der Weber und der Gevatter verteidigten den Sack tapfer und nötigten sie zum Rückzuge. Kaum aber hatten sie Zeit, sich recht zu besinnen, als die Gattin schon mit einem Feuerhaken in der Hand wieder auf den Flur herausgerannt kam. Sie schlug ihrem Mann flink mit dem Haken auf die Hände und dem Gevatter übern Rücken, und schon stand sie neben den Säcken.

„Warum haben wir sie herangelassen?“ rief der Weber, als er wieder zu sich gekommen war.

„Ja, warum haben wir sie herangelassen! Warum hast du sie herangelassen?“ sagte der Gevatter kaltblütig.

„Ihr habt wohl einen eisernen Ofenhaken!“ sagte der Weber nach kurzem Schweigen, indem er sich den Rücken kratzte. „Meine Frau hat im vorigen Jahr auf dem Jahrmarkt einen Ofenhaken gekauft und ein halb Schock Eier für ihn gegeben: der ist besser ..... er tut nicht so weh ......!“