„Wir stehen nicht auf, Mütterchen! Wir wollen nicht aufstehen! Wir sterben lieber, als daß wir aufstehen!“ schrien die Saporoger.
Potemkin biß sich auf die Lippen; endlich trat er selbst zu ihnen und flüsterte dem einen Saporoger gebieterisch etwas zu. Die Saporoger erhoben sich sofort.
Da wagte es auch der Schmied, den Kopf zu erheben und erblickte eine — etwas beleibte — Frau von mittlerer Größe vor sich; sie war gepudert, hatte blaue Augen und jene erhaben lächelnde Miene, die es so gut verstand, sich alles untertan zu machen, und nur einem königlichen Weibe angehören konnte.
„Durchlaucht haben mir versprochen, mich heute mit meinem Volke bekannt zu machen, das ich bisher noch nicht gesehen habe,“ sprach die Dame mit den blauen Augen, während sie die Saporoger neugierig musterte. „Seid ihr hier gut aufgehoben?“ fuhr sie fort und trat näher.
„Danke, Mütterchen! Die Kost ist gut, obwohl die Hammel hier lange nicht so gut sind — wie bei uns daheim — aber es läßt sich leben! ....“
Potemkin runzelte die Stirn, als er sah, daß die Saporoger keineswegs sagten, was er sie gelehrt hatte ....
Ein Saporoger gab sich nun ein Ansehen und trat vor: „Erbarmen, Mütterchen! Womit hat dein treues Volk dich erzürnt? Haben wir etwa dem heidnischen Tatarenvolke beigestanden, haben wir gemeinsame Sache mit den Türken gemacht, haben wir dir in Wort oder Tat die Treue gebrochen? Womit haben wir deine Ungnade verdient? Erst hörten wir, du ließest überall Festungen gegen uns bauen; nachher vernahmen wir, du wollest Scharfschützen aus uns machen; jetzt hören wir von neuem Unheil. Welche Schuld trifft das Heer der Saporoger? Ist’s etwa die, daß sie deine Armee über den Perekop geführt und deinen Generälen geholfen haben, die Männer der Krim niederzuwerfen? ....“
Potemkin schwieg und putzte mit einem kleinen Bürstchen lässig die Brillanten, mit denen seine Hände besät waren.
„Was wünscht ihr also?“ fragte Katherina freundlich.
Die Saporoger sahen einander vielsagend an.