„Jetzt ist’s Zeit! Die Zarin fragt, was wir wünschen,“ sagte der Schmied zu sich selbst, und auf einmal stürzte er zu ihren Füßen nieder.

„Eure kaiserliche Hoheit, straft mich nicht, sondern schenkt mir Eure Gnade! Mögen meine Worte Eure kaiserliche Hoheit nicht erzürnen: woraus sind die Schuhe gemacht, in denen Eure Füßchen stecken? Ich glaube, kein Schuster in der Welt vermag je wieder solche Schuhe zu machen. O Gott! Wenn mein Frauchen nur solche tragen könnte!“

Die Kaiserin brach in Lachen aus. Die Höflinge lachten ebenfalls. Potemkin ärgerte sich, aber er lächelte gleichfalls. Die Saporoger glaubten, der Schmied sei verrückt geworden und begannen ihm Rippenstöße zu geben.

„Steh auf!“ sagte die Kaiserin freundlich. „Du willst durchaus solche Schuhe haben? Nun wohl, das hat keine Schwierigkeiten. Bringt ihm sofort die kostbarsten, mit Gold bestickten Schuhe. Wahrlich, diese Einfalt gefällt mir sehr! Da habt Ihr,“ fuhr die Kaiserin fort, indem sie ihre Augen auf einen abseits stehenden Herrn mit einem vollen aber ein wenig bleichen Gesicht richtete, dessen bescheidener Kaftan mit den großen Perlmuttknöpfen erkennen ließ, daß er nicht zu den Höflingen gehörte, „da habt Ihr ein Sujet, das Eurer geistvollen Feder würdig ist!“

„Majestät sind allzu gnädig. Dazu bedürfte es mindestens eines Lafontaine!“ erwiderte der Mann mit den Perlmutterknöpfen, der Dichter Von Wisin, indem er sich verneigte.

„Auf Ehre und Gewissen: ich muß sagen: ich bin jetzt noch von Eurem „Brigadier“ in hellem Entzücken. Ihr lest aber auch ganz wunderbar vor.“ Dann wandte sich die Kaiserin wieder dem Saporoger zu. „Ihr habe übrigens gehört, bei Euch in der Ssjetsch soll kein Kosak heiraten dürfen!“

„Was sagst du, Mütterchen! Du weißt doch selbst: kein Mensch kann ohne ein Frauchen leben,“ antwortete der Saporoger, mit dem der Schmied gesprochen hatte, und der Schmied mußte staunen, als er hörte, daß dieser Saporoger, der die Schriftsprache so gut beherrschte, gerade, wie absichtlich, mit der Zarin in der gröbsten Mundart redete, jener Mundart, die man gewöhnlich die Bauernsprache nennt. „Schlaue Leutchen!“ dachte er bei sich, „sicher tut er es nicht ohne Absicht.“

„Wir sind doch keine Mönche,“ fuhr der Saporoger fort, „wir sind ja nur sündige Menschen. Wir sind, wie die ganze ehrliche Christenheit, der Fleischeslust verfallen. Es gibt nicht wenige unter uns, die Frauen haben, nur wohnen die Frauen nicht in der Ssjetsch. Es gibt auch solche, die ihre Frauen im Polenlande und in der Ukraine haben; es gibt aber auch solche, deren Frauen in der Türkei leben.“

Unterdessen hatte man dem Schmied die Schuhe gebracht.

„O Gott, was für eine Zier!“ rief er freudig und ergriff die Schuhe. „Kaiserliche Hoheit! Wenn Ihr solche Schühchen anhabt und darin einhergeht, Euer Gnaden, oder gar noch übers Eis mit ihnen gleiten könnt — wie müssen da die Füßchen selbst sein? Ich glaub’, wahr und wahrhaftig, sie sind von reinstem Zucker.“