Deutsch von Alexandra Ramm

Der Vestibül des Theaters. Auf der einen Seite sieht man die Treppen, die zu den Logen und Gallerien emporführen; in der Mitte das Entree zu den Fauteuils und den Balkons, auf der anderen Seite den Ausgang. Man hört entferntes Applaudieren.

Der Autor des Stücks[3] (tritt hinaus). Ich habe mich herausgewunden wie aus einem Sumpf. Nun ist er endlich da, der Lärm und der Beifall! Das ganze Theater dröhnt! Das ist der Ruhm. Gott, wie hätte mein Herz vor sieben, acht Jahren geklopft! Wie hätte es mich emporgehoben! Aber das liegt weit hinter mir. Damals war ich jung, kühn — wie ein Jüngling. Gepriesen sei das Schicksal, das mich vor frühem Ruhm und Bewunderung bewahrt hat. Aber jetzt ... Die besonnene Kühle des Alters macht jeden weise. Endlich wird einem klar, daß der Beifall noch nicht viel bedeutet und daß er alle zu belohnen bereit ist: ob es ein Schauspieler ist, der die Geheimnisse der Seele und des menschlichen Herzens kennt, ein Tänzer, dem es gelungen ist, mit den Füßen künstliche Verschlingungen zu bilden, ein Gaukler — alle umtost der Beifall. Ob es der grübelnde Verstand, das empfindende Herz, die tönende Tiefe der Seele, die kunstvoll bewegten Füße oder die gewandt mit Gläsern spielenden Hände sind — auf sie alle plätschert der Beifall herab. Nein, nicht Beifall wünsche ich mir jetzt: ich wünschte in allen Logen zu sein, auf den Balkons, im Parkett, auf den Gallerien — überall möchte ich sein und aller Meinungen und Eindrücke hören, solange sie noch keusch und frisch sind und sich noch nicht der Kritik der Kenner und Journalisten untergeordnet haben, solange jeder noch unter der Wirkung seines eigenen Urteils steht. Ich muß es wissen: denn ich bin ein Komödienschreiber. Alle anderen Werke und Kunstformen stehen unter dem Urteil Weniger, und nur der Komödienschreiber unterliegt dem Gericht Aller; jeder Zuschauer hat ein Anrecht auf ihn, und jeder Stand ist über ihn Richter. Oh! Wie ich wünschte, daß mir jeder Einzelne alle Unzulänglichkeiten und Fehler sagte! Mag er über mich lachen, mag Mißgunst seine Worte leiten, Parteilichkeit, Empörung, Haß, alles — wenn nur die wahre Meinung gesagt wird. Es ist nicht möglich, daß ein Wort ohne Grund gesprochen wird, und aus allem kann ein Funke der Wahrheit aufblitzen. Wer es wagt, andern die lächerlichen Seiten der Welt zu zeigen, muß verständnisvoll die Hinweise auf seine eigenen Schwächen und Lächerlichkeiten hinnehmen. Ich will es versuchen, ich bleibe hier im Vorraum, während das Publikum das Theater verläßt. Es ist unmöglich, daß man nicht über das neue Stück spricht: die Menschen sind lebhafter unter der Wirkung des ersten Eindrucks und wollen ihre Meinungen austauschen. (Tritt zur Seite.)

Es erscheinen einige gutgekleidete Herrn (der eine spricht zum andern). Gehen wir lieber gleich, es wird nur noch ein unbedeutendes Vaudeville gespielt. (Beide entfernen sich.)

(Zwei Elegants von stattlichem Äußeren kommen die Treppe herab.)

Der erste Elegant. Es wäre gut, wenn die Polizei meinen Wagen nicht zu weit zurückgetrieben hätte. — Weißt du nicht, wie diese junge Schauspielerin heißt?

Der andere Elegant. Nein. Aber sie ist nicht übel.

Der erste Elegant. Sicher, nicht übel. Aber es fehlt ihr etwas ... Ich empfehle dir übrigens ein neues Restaurant, gestern hat man uns frische grüne Erbsen serviert. (Küßt sich die Fingerspitzen.) Entzückend! (Beide entfernen sich.)

Ein Offizier (läuft herein, ein anderer hält ihn am Arm fest).

Der andere Offizier. Bleiben wir doch.