Die Familie Hellmann
Kein Buch führt wohl so in gerader Linie auf den Stammbaum Goethes zurück wie dieser Familienroman Rudolf Huchs. Er ist ein Erlebnis für den Leser, davon er manchen Tag zehren kann und das ihm schwerlich mehr aus dem Gedächtnis schwindet; auf den fünfhundert Seiten wird keine Zeile langweilig sein. Da ist edle Ausgeglichenheit der Sprache, Wohlklang, Feinnervigkeit, männliche Kraft und frauliche Süßigkeit: das Buch hat etwas im tiefsten Grunde Musikalisches ... „Die Familie Hellmann“ bildet einen Höhepunkt in Rudolf Huchs künstlerischem Schaffen und verdient es, den bisher noch viel zu wenig gekannten Dichter endlich ans Licht zu führen.
(Dr. Ludwig Finckh in den ‚Propyläen‘)
Rudolf Huch hat sich schon früher durch einige Werke die Achtung des deutschen Publikums errungen. Mit diesem Roman steht er als ein ganz reifer, eigenartiger und als literarischer Charakter durchgebildeter Künstler vor uns, der auf äußeren und inneren Stil etwas hält, nicht gewisser Szenen wegen sich technisch überhastet, sondern ruhig und sachlich, das heißt episch langsam von Nuance zu Nuance, von Stufe zu Stufe fortschreitend erzählt. Und trotz dieser scheinbar ruhigen und sachlichen Art formt sich seine Geschichte immer mehr, runden sich seine Gestalten und erleben mit objektiver Unerbittlichkeit ihr Schicksal. Neben den tatsächlichen Hauptpersonen gewinnt eine Anzahl Nebenfiguren durch die liebevolle Behandlung von seiten des Autors wirkliches Leben und wirkliche, menschenähnliche Plastik.
(‚Pester Lloyd‘)
Rudolf Huch hat eine streitbare Schrift „Mehr Goethe!“ verfaßt, in der er den Deutschen als unverlierbare Richtschnur den Weg zu Goethe anpreist. Diesen Weg ist er mit seinem schönen Roman selbst geschritten. Er beleuchtete den Grundsatz des großen Meisters: Bilde, Künstler, rede nicht. Seine Figuren haben plastisches Leben. Sie bleiben in unserer Erinnerung, als ob wir sie selbst gesehen hätten. Lyrische Stimmungen, an denen auch dieser Roman nicht arm ist, verdrängen doch nicht die hartgefügten Menschengestalten, die der Dichter geschaffen hat.
(Dr. Max Messer)
Rudolf Huch ist ein Dichter mit starker Eigenart. Er prägt scharf und hart und baut seine Sachen ohne alle umhüllende Weichheit und Zartheit aus. Eine wirkliche Kompositionskunst und eine wundervolle Teleologie ist da, die jedes einmal aufgenommene Moment des Stoffes entwickelt und zur Geltung bringt. Huch schmückt die Form; doch sein Schmuck ist karg und spröd, voll Einfalt und Ungebrochenheit ... Wenige sind so frisch, kernhaft und anspruchslos wie er. Schönheit, tiefe und innere Größe ist auch den Menschen nahe, die durch diese letzte Arbeit Huchs gehen.
(‚Mannheimer General-Anzeiger‘)
Die Rübenstedter