Während so Rußland durch die Tataren zur Untätigkeit und Erstarrung verurteilt war, führte der große Heide Gedimin ein neues Volk auf den Schauplatz der Geschichte herauf — ein armes Volk, arm an Kultur und arm an Lebensmitteln —, es bewohnte die wilden Fichtenwälder im heutigen Weißrußland, hüllte sich in Tierfelle statt in Kleider, betete den Gott Perun an und beugte sein Knie in noch nie von der Axt berührten Hainen vor dem altehrwürdigen Feuer; dies Volk, das unter dem Namen der Litauer bekannt war, hatte ehemals den russischen Fürsten Tribut gezahlt. Nun aber wurde es unter seinem Fürsten Gedimin zu der bedeutendsten Macht in dem gewaltigen Nordosten Europas! Damals glichen die Städte, die Fürstentümer und die Völker des westlichen Rußland noch Stücken und Fetzen, die jenseits der Grenze des Tatarenjoches lagen. Sie bildeten kein Ganzes, und daher konnte auch der litauische Eroberer fast durch einen einzigen Angriff seines von ihm selbst geschaffenen heidnischen Heeres den ganzen Flächenraum zwischen Polen und dem tatarischen Rußland seiner Macht unterwerfen. Dann führte er sein Heer nach Süden in das Gebiet der wolhynischen Fürsten. Es ist nur natürlich, daß der Erfolg ihn überall begleitete. In Luzk stellte sich ihm der Fürst Leo entgegen und leistete ihm harten Widerstand, war aber doch nicht imstande, ihn zurückzuschlagen und sein Land zu behaupten. Gedimin setzte Gouverneure und Gemeindeälteste ein und zog weiter nach Süden, mitten ins Herz des südlichen Rußlands, nach Kiew. Dem Fürsten Leo von Luzk gelang es auf der Flucht, den Fürsten von Kiew, Stanislaus, zu überreden, dem furchtbaren Eroberer mit seiner wenig zahlreichen Streitmacht entgegenzutreten. Seine Truppen wurden noch durch verbündete Tataren verstärkt; aber alle ergriffen die Flucht vor dem mächtigen Litauer. Nachdem Gedimin den Feinden am Flusse Irpenj eine furchtbare Niederlage bereitet, zog er im Triumph in Kiew ein, das noch unter dem frischen Eindruck eines Einfalls der Tataren stand, und setzte dort den Fürsten Mindow Oljschansky, der eben den griechischen Glauben angenommen hatte, als Regenten ein. So entriß der litauische Eroberer den Tataren ein Stück Land, das fast vor ihren Augen gelegen war. Man sollte glauben, dies hätte einen Kampf zwischen den beiden Völkern zur Folge haben müssen, aber Gedimin war ein klarer und politischer Kopf, trotz seiner scheinbaren Wildheit und trotz des barbarischen Zeitalters. Er verstand es, sich die Freundschaft der Tataren zu erhalten, obwohl er über Länder herrschte, die er ihnen entrissen hatte, ohne ihnen Tribut zu zahlen. Dieser urwüchsige Politiker, der weder schreiben noch lesen konnte und einen heidnischen Gott anbetete, rührte nicht an die Sitten und die alten Regierungsformen der unterworfenen Völker, alles blieb beim alten, er bestätigte alle Privilegien und befahl seinen Gemeindevorstehern, die Landesgebräuche streng zu achten, und hinterließ bei seinem Zuge durchs Land nirgends Spuren der Verwüstung. Die absolute Bedeutungslosigkeit der herumliegenden Völker und seiner Zeitgenossen lassen seine Gestalt zu ungeheuren Dimensionen emporwachsen. Er starb im Jahre 1340, seine Leiche wurde auf ein Pferd gesetzt, und er wurde nach der heidnischen Sitte der Litauer mitsamt seinem Waffenträger, seinen Jagdhunden und Falken verbrannt. Ihm folgten Oljgerd und Jagello auf dem Thron, zwei ebenso starke Charaktere, die noch weiter zum Aufschwung Litauens beitrugen, indem sie den angegliederten Ländern gegenüber dieselbe Politik verfolgten wie er.

VI

So trennte sich das südliche Rußland unter dem mächtigen Schutz der litauischen Fürsten ganz von dem Norden. Jede Verbindung zwischen ihnen hörte auf; es bildeten sich zwei Reiche, die einen und denselben Namen Rußland führten, das eine unter dem Joch der Tataren — das andere unter demselben Zepter wie Litauen. Aber alle näheren Beziehungen zwischen ihnen hörten auf; andere Gesetze, andere Sitten, andere Ziele, andere Verhältnisse und andere Taten schufen mit der Zeit ganz verschiedene Charaktere. Zu ergründen, in welcher Weise dies geschah, bildet den Zweck unserer Geschichte. Aber vor allem müssen wir einen Blick auf die geographische Lage dieses Landes werfen, damit müssen wir durchaus beginnen, denn von der Beschaffenheit des Bodens hängt die Lebensweise, ja sogar der Charakter eines Volkes ab. Gar vieles in der Geschichte läßt sich durch die Geographie erklären.

Dieses Land, das später den Namen der „Ukraine“ erhielt, erstreckt sich im Norden bis zum fünfzigsten Grad nördlicher Breite und ist eher flach als gebirgig. Hier begegnen wir häufig kleinen Hügeln, aber keiner zusammenhängenden Gebirgskette. In dem nördlichen Teil gibt es zahlreiche Wälder, die ehemals ganze Herden von Bären und Wildschweinen beherbergten. Der südliche Teil liegt ganz offen da und stellt ein weites Steppenland von üppiger Fruchtbarkeit dar, das aber nur hie und da mit Getreide bestellt ist. Dieser herrliche, jungfräuliche Boden bringt aus sich selbst eine verschwenderische Fülle der mannigfaltigsten, verschiedenartigsten Gräser hervor. Hier trieben sich ganze Scharen von Steppenantilopen, Hirschen und wilden Pferden herum. Vom Norden nach Süden zieht sich der mächtige Dnjepr durch das Land, umsponnen von einem ganzen Netze kleinerer Nebenflüsse, die in ihn münden. Sein rechtes Ufer ist gebirgig und bietet anmutige und zugleich wilde Landschaftsbilder dar; das linke besteht ganz aus Wiesen, die mit kleinen Wäldern bedeckt sind und meist unter Wasser stehen. Unweit der Mündung des Dnjepr ins Meer bilden schroff aus dem Flußbett aufsteigende Felsen zwölf Stromschnellen, sie unterbrechen die Strömung und machen die Schiffahrt sehr gefährlich. In ihrer Nähe gab es viele sogenannte Sugaken, wilde Ziegen mit weißlich-glänzenden Hörnern und atlasweichem Fell. Früher war der Wasserstand des Dnjepr höher, sein Flußbett breiter, und er überschwemmte die Wiesen an seinem Ufer auf größere Strecken hin. Wenn das Wasser sinkt, ist das Bild überraschend schön: alle Bodenerhöhungen treten hervor und bilden unzählige, grüne Inseln inmitten der unabsehbaren Gewässer des Ozeans. Nur ein einziger schiffbarer Fluß, die Desna, mündet in den Dnjepr, sie fließt durch die nördliche Ukraine, mit ihren bewaldeten Ufern, die fast immer überschwemmt sind; aber auch dieser Fluß ist nur stellenweise befahrbar. Außerdem gibt’s im Norden noch den Oster und einen Teil des Sseim, im Süden die Ssula, den Psjoll mit einer Reihe schöner Landschaftsbilder, den Chorol und andere; aber keiner von all diesen Flüssen ist schiffbar. Verkehrswege gibt es nicht; die Produkte konnten nicht ausgetauscht werden, und daher konnte sich hier auch kein handeltreibendes Volk ansiedeln. Alle Flüsse verzweigen sich in der Mitte; keiner von ihnen bildete durch seinen Lauf eine natürliche Grenze zwischen den benachbarten Völkern. Im Norden lag Rußland, im Osten hausten die Kiptschatskischen, im Süden die Krimschen Tataren, im Westen lag Polen und überall offenes Land — die Grenzen wurden durch Steppen und weite Ebenen gebildet. Hätte es auch nur von einer Seite eine natürliche Grenze in Form eines Gebirges oder eines Meeres gegeben, so hätte das hier wohnhafte Volk sich sicherlich sein politisches Wesen bewahrt und ein selbständiges Reich gebildet. Aber das offene, unbeschützte Land wurde die beständige Beute von Überfällen und Verwüstungen, — es wurde ein Platz, auf dem drei feindliche Nationen aufeinanderstießen, den Boden mit Knochen düngten und mit Blut tränkten. Ein Überfall der Tataren zerstörte die ganze Arbeit des Landmanns; die Wiesen und Felder wurden von den Hufen der Rosse zerstampft oder niedergebrannt, die leichtgebauten Hütten bis auf den Grund niedergerissen und die Einwohner vertrieben oder mitsamt ihrem Vieh in die Gefangenschaft geführt. Das war ein Land des Schreckens; und daher konnte hier nur ein kriegerisches, durch Zusammenschluß starkes Volk erstehen — ein tollkühnes Volk, dessen ganzes Leben von Kriegen erfüllt, und das in Krieg und Schlachten gesäugt und aufgezogen war. Freiwillige und unfreiwillige Auswanderer, heimatlose Wanderer, die nichts zu verlieren hatten, Menschen, deren Leben keinen Heller wert war, deren zügelloser Wille sich keiner Macht und keinem Gesetz fügen wollte, und denen überall der Galgen drohte, zogen in dies Land und wählten diesen äußerst gefährlichen Ort, in unmittelbarer Nähe der asiatischen Eroberer der Tataren und Türken, zu ihrem Aufenthalt. Diese zusammengewürfelte Menschenmenge wuchs immer mehr an, vermehrte sich und bildete schließlich ein ganzes Volk, das seinen Charakter, ja, ich möchte sagen, sein Kolorit der ganzen Ukraine mitteilte — es vollzog sich ein Wunder — die friedlichen slawischen Stämme verwandelten sich unter seinem Einfluß in ein kriegerisches Volk, das unter dem Namen Kosaken bekannt ist und eine der merkwürdigsten Erscheinungen in der Geschichte Europas bildet; vielleicht war nur dies Volk imstande, die verheerende Überschwemmung durch die beiden mohammedanischen Stämme, die Europa zu verschlingen drohte, zurückzudämmen.

VII

Das erste Auftauchen der Kosaken fällt, wenn nicht ins Ende des XIII., so doch in den Anfang des XIV. Jahrhunderts, in das Jahrhundert, wo der starke Glaubenseifer in Europa noch nicht erloschen war, und wo sich plötzlich fast an allen Orten Brüderschaften und Ritterorden bildeten, ganz im Widerspruch zu der damaligen allgemeinen Zersplitterung; diese Genossenschaften legten sich mit bewunderungswürdiger Selbstverleugnung alle möglichen Opfer auf, entsagten den gewöhnlichen Lebensgewohnheiten der Ehe und wurden zu unbeugsamen Hütern der geistigen Güter der Welt, und zu ehernen Beschützern des christlichen Glaubens. Je schwächer der Zusammenhang der damaligen Staaten untereinander war, desto mächtiger wuchs die furchtbare Macht dieser Verbindungen an. Die Verbreitung des Islam und das Erstarken der jungen, mächtigen mohammedanischen Völker, die schon in Europa eingedrungen waren, trugen auch zu ihrem Wachstum bei. Der Geist dieser Brüderschaften drang überallhin — er faßte nicht nur unter den Rittern Fuß — aber allerdings waren ihre Ziele und Zwecke nicht immer dieselben. Um diese Zeit entstand in der Nähe der Stromschnellen ein Städtchen, oder eine Ansiedlung mit Namen Tscherkassy, die von kühnen Einwanderern gegründet war; ihr Name erinnert an Bewohner des Kaukasus, denen auch von vielen die Gründung des Städtchens zugeschrieben wird, denn dies war der Hauptsammelplatz und Aufenthaltsort der Kosaken. Anfänglich zwangen die häufigen Einfälle der Tataren in den nördlichen Teil der Ukraine die Bewohner, sich durch die Flucht zu retten, sich den Kosaken anzuschließen und ihre Zahl zu vergrößern. Das war ein bunter Haufen der allerverwegensten Vertreter der angrenzenden Nationen. Wilde Bergbewohner, verarmte Russen, polnische Leibeigene, die sich dem Despotismus ihrer Herren entzogen hatten, ja sogar abtrünnige Mohammedaner oder Tataren haben vielleicht den ersten Grund zu dieser merkwürdigen Gesellschaft am anderen Ufer des Dnjepr gelegt, die sich später, gleich den Ordensrittern, den beständigen Kampf mit den Ungläubigen zum Ziel setzte. Dieser Menschenhaufen besaß keine Befestigungen und keine einzige Burg. Erdhütten, Höhlen und allerhand Schlupfwinkel zwischen den Felswänden des Dnjepr, die häufig unter dem Wasser, oder auf den Inseln, oder im dichten Steppengras gelegen waren, dienten ihnen zum Versteck für sich selbst und die zusammengeraubten Schätze. Die Nester dieser Räuber waren unsichtbar; sie kamen plötzlich herangeflogen, bemächtigten sich ihrer Beute und verschwanden dann wieder. Sie bekämpften die Tataren mit deren eigenen Waffen, das heißt, sie wandten dabei die Kriegsführung der Asiaten an und führten Überfälle auf sie aus. Da ihr Leben unter dem beständigen Druck der Angst stand, wollten auch sie ihrerseits ein Schreckbild für ihre Nachbarn sein. Die Tataren und Türken mußten jeden Augenblick eines Überfalls seitens dieser unerbittlichen Bewohner der Stromschnellen gewärtig sein. Die mohammedanischen Nachbarn wußten nicht, welchen Namen sie diesem verhaßten Volk geben sollten. Wenn einer dem anderen seine tiefste Verachtung ausdrücken wollte, so nannte er ihn einen Kosaken.

VIII

Ein großer Teil dieser Gesellschaft bestand aus den ursprünglichen autochthonen Bewohnern des südlichen Rußland. Ein Beweis dafür ist ihre Sprache, die, obwohl sie viele tatarische und polnische Worte in sich aufgenommen, immer ihren reinen südslawischen Charakter bewahrt hat, der dem damaligen russischen sehr ähnlich war, und ein fernerer Beweis ist ihr Glaube, der immer der griechisch-katholische blieb. Jeder hatte freien Zutritt zu dieser Gemeinschaft, nur mußte er unbedingt den griechischen Glauben annehmen. Diese Gesellschaft trug alle Merkmale, die einer Räuberbande eigen sind, an sich; aber wenn wir näher zusehen, so finden wir hier Keime eines politischen Organismus und eines charaktervollen Volkes, das sich gleich zu Anfang seiner Existenz ein wichtiges Ziel gesetzt hatte, — den Kampf mit den Ungläubigen und die Reinerhaltung der eigenen Religion. Das waren jedoch keine strengen katholischen Ritter, sie erlegten sich weder Gelübde noch Fasten auf; sie kasteiten sich nicht durch Enthaltsamkeit und Abtötung des Fleisches; sie waren unbändig wie die Stromschnellen ihres Dnjepr und vergaßen die ganze Welt bei ihren wilden Gelagen und wüsten Festen. Die enge Verbrüderung, die unter den Mitgliedern einer Räuberbande herrscht, verband auch sie miteinander. Alles war Gemeingut — der Wein, das Geld und ihre Wohnstätten. Die ewige Angst, die ewige Gefahr flößte ihnen eine eigentümliche Lebensverachtung ein. Der Kosak kümmerte sich mehr um sein volles Maß Wein, als um sein Schicksal. Aber bei ihren Überfällen bewiesen sie Gewandtheit, Schärfe des Geistes und eine große Geschicklichkeit, aus jedem Umstande Nutzen zu ziehen. Man mußte diesen Bewohner der Stromschnellen in seiner halb tatarischen und halb polnischen Tracht, die so recht den Grenzbewohner verrieten, sehen, wenn er mit asiatischer Gewandtheit auf seinem Roß dahinsprengte, im dichten Steppengras verschwand, dann wieder mit der Schnelligkeit eines Tigers aus seinem unsichtbaren Schlupfwinkel hervorstürzte oder ganz in Schlingpflanzen und Schlamm gehüllt als Schreckgespenst aus dem Sumpf oder Fluß vor dem fliehenden Tataren auftauchte. Nach solch einem Überfall bummelte und zechte derselbe Kosak mit seinen Kameraden herum, vergeudete und verschleuderte die erbeuteten Schätze, war sinnlos betrunken und lebte sorglos dahin, bis zu einem neuen Kriegszug, wenn nicht die Tataren ihn überrumpelten, die Sorglosen im betrunkenen Zustand auseinandertrieben und ihre Ansiedlung bis auf den Grund zerstörten. Doch bald entstand, wie durch ein Wunder, die Ansiedlung aufs neue, und ein verheerender, furchtbarer Ausfall gegen die Tataren rächte die erlittene Schmach. Und wieder begann das alte sorglose und zügellose Leben.

IX

Es schien fast, als sollte die Existenz dieses Volkes ewig sein. Es verminderte sich nie, die Ausscheidenden, die Erschlagenen und Ertrunkenen wurden immer wieder ersetzt. Dieses fröhliche Leben übte seine Anziehungskraft auf jedermann aus. Das war ja noch jene poetische Zeit, wo man mit dem Säbel in der Hand alles erreichen konnte, und wo jeder einzelne nicht Zuschauer, sondern handelnde Person sein wollte. Die Kolonie nahm allmählich einen ganz eigenartigen, allgemeinen Charakter an, aus ihr bildete sich eine eigene Nationalität heraus, und je näher das XV. Jahrhundert herankam, desto mehr vergrößerte sie sich durch neuen Zuzug. Allmählich entstanden ganze Flecken und Dörfer mit Häusern, die von Familien bewohnt wurden, und sich in der Nähe dieses trotzigen Bollwerks ansiedelten, um unter der Bedingung gewisser Verpflichtungen ihren Schutz zu genießen. So geschah es, daß das Land um Kiew herum verödete, und sich dagegen am jenseitigen Ufer des Dnjepr immer mehr und mehr bevölkerte. Durch die Berührung und den Verkehr mit den Kosaken wurden auch die verheirateten Männer, die Familienväter, allmählich immer kriegerischer gesinnt. Der Säbel und der Pflug schlossen Freundschaft untereinander und fanden sich bei jedem Landmann zusammen. Verwegene Hagestolze fingen an, nicht nur Gold, Geld und Rosse, sondern auch Tatarenfrauen und -töchter zu rauben, die sie nachher heirateten. Durch diese Vermischung erhielten die Gesichter, die ehemals einen recht verschiedenartigen Völkertypus aufwiesen, eine mehr gleichartige asiatische Physiognomie. Und so entstand ein Volk, das seinem Glauben und seinem Wohnort nach zu Europa gehörte, aber nach seinen Sitten, nach seiner Tracht und Lebensweise vollkommen asiatisch war, ein Volk, in dem zwei verschiedene Weltteile zusammentrafen, und zwei völlig anders geartete Elemente sich untereinander mischten: europäische Vorsicht und asiatische Sorglosigkeit, Treuherzigkeit und Verschlagenheit, kräftige Aktivität und grenzenlose Trägheit und Verzärtelung, das Streben nach Fortschritt und Vervollkommnung — und zugleich der Wunsch sich den Anschein zu geben, als verachte man jeglichen Fortschritt und jede Vervollkommnung.