Hierbei hielt er sich die Hand vors Gesicht und blies drauf.

Der Leutnant Piragow sah ein, daß ihm nichts andres übrigblieb, als sich zu entfernen; aber diese unziemliche Behandlung seines Standes war ihm doch sehr unangenehm. Ein paarmal blieb er auf der Treppe stehn, wie wenn er Mut fassen wollte und darüber nachdächte, wie er Schiller seine Frechheit büßen lassen könnte. Endlich kam er zu dem Schluß, daß Schiller zu entschuldigen sei, da sein Hirn mit Bier und Wein angefüllt wäre, auch fiel ihm die reizende Blondine wieder ein, und so entschloß er sich, das alles zu vergessen. Am folgenden Tage betrat der Leutnant Piragow frühmorgens die Werkstatt des Schmiedes. Im ersten Zimmer kam ihm die hübsche Blondine entgegen und fragte ihn mit recht unfreundlicher Stimme, die ihr sehr gut zu Gesicht stand: „Was wünschen Sie?“

„Ah, guten Tag, meine Schöne! Sie erkennen mich wohl nicht? Sie kleiner Schelm! was für schöne Augen Sie haben!“

Hierbei wollte ihr der Leutnant Piragow in liebenswürdiger Weise einen Finger unters Kinn legen und es emporheben, aber die Blondine stieß einen erschrockenen Laut aus und fragte ihn ebenso unfreundlich: „Was wünschen Sie?“

„Nur Sie zu sehen, sonst wünsche ich nichts!“ erwiderte der Leutnant Piragow freundlich lächelnd und trat näher, aber als er merkte, daß die ängstliche Blondine nach der Tür strebte, setzte er hinzu: „Ich möchte ein Paar Sporen bestellen, meine Liebe, können Sie mir ein Paar Sporen machen? Um Sie liebzuhaben, brauche ich allerdings keine Sporen, im Gegenteil, eher noch Zügel! Was für reizende Händchen!“

Der Leutnant Piragow war bei solcher Art Liebeserklärungen immer sehr höflich.

„Ich werde gleich meinen Mann rufen!“ rief ihm die Deutsche laut zu, ging hinaus und einige Minuten darauf erblickte Piragow Schiller, der noch ganz verschlafen und kaum von seinem gestrigen Rausch ernüchtert ins Zimmer trat. Als er den Offizier erkannte, stieg die gestrige Szene wie ein Traum vor ihm auf. Eine klare Erinnerung hatte er in diesem Zustande nicht, aber er fühlte, daß er irgendeine Dummheit begangen hatte, und empfing daher den Offizier mit recht verdrießlicher Miene.

„Weniger als 15 Rubel kann ich für die Sporen nicht nehmen!“ sagte er, um Piragow so schnell wie möglich loszuwerden, denn es war ihm, dem ehrlichen Deutschen, sehr peinlich, dem Manne gegenüberzustehn, der ihn in solch einer peinlichen Situation gesehen hatte. Schiller liebte es, nur mit zwei, drei guten Freunden und ohne Zeugen zu zechen, daher schloß er sich für diese Zeit ein und verbarg sich selbst vor seinen Arbeitern.

„Warum sind Sie denn so teuer?“ sagte Piragow freundlich.

„Es ist doch deutsche Arbeit!“ erwiderte Schiller kaltblütig und strich sich das Kinn. — „Ein Russe wird sie Ihnen für 2 Rubel anfertigen.“