Eines Tages machte er einen Spaziergang auf der Meschtschanskaja und blickte immer auf das Haus, an dem das Schild Schillers mit den Kaffeekannen und Teemaschinen prangte; zu seiner großen Freude entdeckte er plötzlich das Köpfchen der Blondine, die sich aus dem Fenster beugte und die Vorübergehenden betrachtete. Er blieb stehn, warf ihr einen Handkuß zu und rief: „Guten Morgen!“ Die Blondine erwiderte seinen Gruß wie den eines alten Bekannten.

„Ist Ihr Mann zu Hause?“

„Ja,“ sagte die Blonde.

„Und wann ist er nicht zu Hause?“

„Sonntags ist er gewöhnlich nicht zu Hause!“ sagte die dumme Gans.

„Das ist nicht übel,“ dachte Piragow bei sich, „das könnte man ausnutzen.“ — Und schon am nächsten Sonntag schneite er der Blondine ins Haus hinein. Schiller war wirklich nicht anwesend. Die hübsche Hausfrau war aufs höchste erschrocken; aber diesmal war Piragow vorsichtig, betrug sich sehr ehrerbietig, verbeugte sich in verbindlicher Form und ließ dabei die ganze Schönheit seiner biegsamen, straffen Gestalt zur Geltung kommen. Er scherzte sehr nett und höflich, aber das deutsche Schäfchen gab auf alles nur ganz einsilbige Antworten. Endlich, nachdem er schon über alles mögliche geredet hatte und nun bemerkte, daß sie nichts interessierte, schlug er ihr vor, etwas zu tanzen. Die Deutsche ging darauf ein, denn die deutschen Frauen pflegen bekanntlich sehr gern zu tanzen. Dieses gab Piragow Anlaß zu den kühnsten Hoffnungen: erstens machte ihr dieses Spaß, zweitens konnte er hierbei seine Gewandtheit und seine elegante Taille sehen lassen, drittens kann man sich einer Dame beim Tanzen noch mehr nähern als sonst, er konnte die hübsche Deutsche umarmen und damit den Grund zu allem weiteren legen, kurz, er hoffte auf einen vollständigen Triumph. Er begann eine Gavotte vor sich hin zu summen, weil er wußte, daß die Deutschen einer allmählichen Steigerung bedürfen. Die niedliche Blondine trat in die Mitte des Zimmers und hob ihren reizenden Fuß empor. Diese Stellung versetzte Piragow derart in Begeisterung, daß er ihr einen Kuß auf den Fuß drücken wollte. Die Deutsche fing an zu schreien, wodurch sie ihren Reiz in den Augen Piragows noch mehr erhöhte. Er überschüttete sie mit Küssen. Da ging plötzlich die Tür auf, und Schiller, Hoffmann und der Tischler Kunz traten ein. Alle drei ehrenwerten Handwerker waren betrunken wie die Schlosser.

Ich überlasse es dem Leser, sich den Ärger und den Zorn Schillers vorzustellen.

„Frechling!“ schrie er in höchster Wut, „wie wagst du es, meine Frau zu küssen! Du bist ein Lump und kein russischer Offizier! Hol dich der Teufel, nicht wahr, Freund Hoffmann, ich bin ein Deutscher und kein russisches Schwein! (Hoffmann bejahte dies.) Zum Donnerwetter, ich will doch keine Hörner tragen! Pack’ ihn am Kragen, Freund Hoffmann! ich will nicht —“ fuhr er fort und fuchtelte gewaltig mit den Händen in der Luft herum, wobei sein Gesicht so rot wurde wie seine Weste. — „Ich lebe schon acht Jahre in Petersburg, ich habe eine Mutter in Schwaben und einen Onkel in Nürnberg, ich bin ein Deutscher und kein Hornvieh! — Reiß ihm die Kleider vom Leibe, Freund Hoffmann! halt ihn an den Händen und Füßen fest, Kamerad Kunz!“

Und die Deutschen packten Piragow an Händen und Füßen.

Vergeblich versuchte er, sich freizumachen; diese drei Handwerker waren die kräftigsten unter allen Petersburger Deutschen und verfuhren so grob und unhöflich mit ihm, daß ich, wie ich gestehen muß, keine Worte finde, diese traurige Szene zu schildern.