Als er sie erblickt, ist er befriedigt, und stirbt. Ob nun das Kosakenheer still und gehorsam in den Krieg zieht, ob Pulverdampf und Kugelregen sich aus den Gewehren entlädt, ob der Metkrug oder der Weinbecher kreist, ob von der furchtbaren Hinrichtung des Hetmans berichtet wird, daß einem die Haare dabei zu Berge stehn, von der Rache des Kosaken oder von einem erschlagenen Helden, der mit weit ausgestreckten Armen und wirrem Schopf auf dem Rasen liegt, oder vom Geschrei der in den Wolken schwebenden Adler, die um das Recht streiten, dem Kosaken die Augen auszuhacken — alles dies lebt in den Liedern und ist in ihnen mit kühnen Farben geschildert.
Ein anderer Teil der Lieder stellt die andere Seite des Volkslebens dar: hier finden wir zahllose Züge aus dem Familienleben des Kosaken, und hier herrscht der absolute Gegensatz. Dort hören wir nur von Kosaken, vom Kriege und vom wilden Lagerleben; hier dagegen ersteht vor uns die Frauenwelt, diese wehmütige, zärtliche Liebe atmende Welt; die zwei Geschlechter verkehren nur kurze Zeit miteinander und trennen sich dann für ganze Jahre. Diese Jahre schwinden für die Frau in banger Erwartung und Sehnsucht nach ihren Männern und ihren Liebsten dahin, die einst wie ein Traum, ein Phantasiegebilde in ihrem herrlichen Kriegsschmuck an ihnen vorüberzogen. Daher ist auch ihre Liebe von einer unendlichen Poesie durchwebt. Das frische, unschuldige, einem Täubchen vergleichbare junge Weib hat plötzlich die höchste Seligkeit, das Paradies des Weibes, das nur für die Liebe geschaffen ist, kennen gelernt. Ihr erster Lebensfrühling, den sie mit dem starken, freien Sohn des Krieges verlebt hat, hat ihr ganzes Lebensglück in einen flüchtigen Augenblick zusammengedrängt; mit ihm verglichen hat das ganze Leben keinen Wert; sie lebt nur in der Erinnerung an diesen Moment. Sehnsüchtig erwartet sie vom Morgen bis zum Abend die Rückkehr ihres Gatten mit den schwarzen Brauen.
O ihr schwarzen Augenbrauen,
Wie schwer macht ihr mir das Leben,
Keine Nacht wollt ihr
Alleine schlafen.
Sie lebt ausschließlich von Erinnerungen. Alles, was sie zusammen gesehen, wo sie miteinander geweilt, was sie miteinander geredet, alles ruft sie sich in die Erinnerung zurück, ohne auch das Geringste außer acht zu lassen. Sie wendet sich an alles, was sie in der Natur entdeckt, an alles, was Leben ausströmt, selbst an die leblosen Gegenstände, klagt ihnen ihr Leid und spricht mit ihnen. Und wie einfach, wie poetisch schlicht sind ihre seelenvollen Worte. Alles bringt sie in Beziehung zu ihrem Gefühl und wird nicht müde zu reden, denn der Mensch hat immer viele Worte, wenn der Schmerz eine geheime Süße in sich birgt. Endlich spricht sie in stiller, hoffnungsloser Verzweiflung:
Ach, jetzt kann ich nicht mehr wandeln,
Wo ich mit dem Liebsten ging.
Ach, jetzt kann ich nicht mehr lieben,