Mein Liebster zürnt mir und grollt mir. Er sattelt seinen Rappen und zieht in die Ferne, weit, weit fort von mir.
„Wohin ziehst du, mein Geliebter, du mein graues Täubchen, wohin entfliehst du? Wem überlässest du mich schutzloses, junges Wesen?“
„Ich lasse dich in Gottes Obhut, Geliebte! Warte auf mich, bis ich von der weiten Reise zurückkehre.“
Oh, wenn ich wüßte, wenn ich es doch sehen könnte, wohin mein Liebster trabt, so wollte ich ihm auf dem ganzen Wege Brücken aus grünem Schilf bauen und ihn immerfort bei mir erwarten.
Allmächtiger Gott, ebne die Berge und Täler, auf daß die Wege überall glatt seien, und daß er bequem von seinem Ziele bis vors Haus reiten kann.
Ah! die Wiesen singen, die Ufer klingen, das Gras auf den Wegen fängt an zu grünen; da ist er, mein Geliebter kommt geritten!
Ah! die Wiesen singen, die Ufer klingen, der Wacholder erblüht — gewiß plaudert mein Geliebter, mein graues Täubchen irgendwo mit einer andern.
Warum kamst du nicht geflogen, wie ich dich bat! Hattest du kein Roß, kanntest du den Weg nicht mehr, oder hat’s dir deine Mutter verboten?
„Ich habe ein Pferd; auch kenne ich den Weg, und die Mutter hat mir schon gestern abend geboten, mein Roß zu satteln.
Aber kaum sitz’ ich auf dem Pferde, kaum reit’ ich zum Tore hinaus, da läuft schon die andere mir nach und stöhnt und weint so bitterlich, da greift mir ihr Kummer ans Herz.“