Eine solche Einteilung scheint mir weit natürlicher. Vor allem muß der Schüler sich einen allgemeinen und charakteristischen Begriff von jedem einzelnen Erdteil machen. Zuerst von Asien, wo alles groß und weit ist, wo die Menschen äußerlich so würdevoll und kalt sind und doch plötzlich von unbezwinglicher Leidenschaft ergriffen, aufwallen können; in ihrem kindlichen Begriffsvermögen kommen sie sich klüger vor als alle anderen; hier gibt es nur Überhebung und sklavische Unterwerfung; alles ist frei und leicht gekleidet, leicht bewaffnet, und jedermann ist ein guter Reiter; hier kann der Türke sein ganzes Leben lang mit untergeschlagenen Beinen dasitzen und seinen Nargileh rauchen, hier rast der Beduine wie ein Sturmwind durch die Wüste, hier wird der Glaube zum Fanatismus, dies ganze Land ist das Land der Glaubensbekenntnisse, die sich von hier aus über die ganze Welt verbreiten. Dann gehe man zu Afrika über, wo die Sonne so heiß brennt und Ozeane von Sandwüsten sich über unermeßliche Flächen dehnen; dies ist das Land der Löwen, Tiger, der Palmen und der Kokospalmen und der Menschen, die sich in ihrem Äußeren und ihren sinnlichen Neigungen nur wenig von Affen unterscheiden, deren zahlreiche Scharen das Land durchziehen usw.
Nachdem der Schüler das Bild eines Erdteils aufgezeichnet hat, verzeichne er alle Höhen und Tiefen auf ihm und stellte dar, wie die Berge sich verzweigen und in langen, formlosen Ketten durch das Land ziehen. Bei dieser Gelegenheit kann man sich der Reliefdarstellung Europas von Ritter bedienen, obwohl sie sich wegen ihrer unklaren Grenzen zwischen Licht und Schatten nicht ganz für Kinder eignet. Daher wäre es am besten, man stellte zu diesem Zwecke ein richtiges Basrelief aus festem Ton oder Metall her. Dann brauchte der Schüler es sich nur aufmerksam anzusehen, und die Höhen und Tiefen würden sich seinem Gedächtnis für immer einprägen.
Da die Berge der Erde ihre Form gegeben haben, so muß ihre Kenntnis sozusagen den Anfang des ganzen Geographieunterrichts bilden. Nachdem wir ihre Verzweigungen auf der Oberfläche der Erde aufgewiesen haben, müssen wir auf ihr Äußeres, auf ihre Form, auf ihre Zusammensetzung, auf ihre Entstehung und endlich auf ihren Charakter und ihre Eigenart hinweisen, durch die sie sich von anderen Bergketten unterscheiden — doch dies darf nicht in trockner Weise mit einer gelehrten Ausführlichkeit geschehen, sondern so, daß der Schüler erkennt, daß diese oder jene Gebirgskette aus dunklem oder hartem Granit bestehe, daß das Innere einer anderen weiß, kalkartig oder lehmig, locker, gelb, dunkel, rot oder endlich aus Erden und Gesteinen von leuchtenden Farben zusammengesetzt sei. Man kann sogar erzählen, daß die Gebirge häufig von Metallagern und Erzadern durchzogen sind, kann ihre Lage darstellen und zwar kann man dies interessant und unterhaltend tun. Was aber ihre Oberfläche anbetrifft, so versteht es sich von selbst, daß man alle höchsten Punkte angeben muß: alle bemerkenswerten Erscheinungen auf ihnen sowie die Höhen, bis zu denen die Menschen emporgestiegen sind.
Es könnte nicht schaden, auch die unterirdische Geographie kurz zu berühren. Mir scheint, es gibt keinen poetischeren Gegenstand als diese, obwohl sie nur für die höheren Altersstufen ganz verständlich sein kann. Hier haben alle Tatsachen und Erscheinungen etwas Gigantisches und Kolossales an sich. Hier begegnen wir ganzen ungeheuren Massen. Hier trägt alles den Stempel der gewaltigen Erdumwälzungen, hier wird die Seele mächtiger als sonst von den großen Werken des Schöpfers erschüttert. Hier liegen ganze Lager von unterirdischen Wäldern begraben. Hier ruht in tiefster Einsamkeit die Muschel eingebettet, schon im Begriff, sich in Marmor zu verwandeln. Hier lodern ewige Feuer, deren Ausbrüche die Oberfläche der Erde umgestalten. Ein großer Teil dieser Erscheinungen kann selbst bei einer oberflächlichen Darstellung den Eindruck auf die Einbildungskraft des jungen Zöglings nicht verfehlen.
Der Prozeß und die Ausbreitung der Vegetation auf der Erde muß auf der Karte an der Hand einer Stufenfolge der Wärmegrade aufgezeigt werden: wo eine südliche Pflanze heimisch ist, wohin sie als Gast verschlagen ward, unter welchem Grade sie zugrunde geht, wo die nördliche Vegetation beginnt, wo sich auch diese endlich verliert, wo alles Wachstum aufhört, wo die Natur in den Umarmungen des kalten Ozeans abstirbt und wo der wunderbare Pol sich in undurchdringliche und für den Menschen unzugängliche Eismassen einhüllt. Und in der gleichen Weise müßte auch die Ausbreitung der Tierwelt dargestellt werden. Doch der Boden verlangt eine andere Einteilung der Erde nach Zonen, von denen jede einzelne eine besondere Art umschließt.