„Was seid ihr für Leute? Ich kenne euch nicht! Was seid ihr gekommen, die Ruhe der rechtgläubigen Kirche zu stören?“
„Ich werde dir die Augen mit Pulver auswaschen, alte Hündin! Gib mir die Schlüssel zu den Klosterkellern.“
„Wozu braucht ihr die Schlüssel zu unseren Kellern?“
„Ich werde nicht erst viel mit dir reden, dummer Pope. Aber wenn du willst, Baßamasenjata, sprich mit meinem Gaul.“
„Bring’ diesem Antichristen die Schlüssel, Bruder Kasjan,“ seufzte der Prior und wandte sich an den einen Mönch. „Aber ich habe keinen Wein, so wahr Gott heilig ist, ich habe keinen! nicht ein einziges Faß, auch kein Fäßchen, ich habe nichts, was ihr brauchen könntet.“
„Was geht mich das an! Meine Jungens wollen trinken. Ich sage dir, wenn du dummer Pope keinen Stall, kein Heu und keinen Weizen für meine Pferde hergibst, dann führe ich sie in eure Kirche und versetze dir einen Fußtritt ins Gesicht.“
Der Prior sagte keine Wort, er blickte die Ankömmlinge mit seinen bleiernen Augen an, die, wie es schien, schon längst nicht mehr dieser Welt gehörten, denn sie ließen keine Andeutung von einer Leidenschaft erkennen, und sein Blick traf mit dem des Jesuiten zusammen, der seine Augen haßerfüllt auf ihn gerichtet hatte. Der Prior wandte sich ab, und sein Auge fiel auf den seltsamen Gefangenen mit dem Eisenvisier. Es schien, daß dieser Anblick den Greis, der gegen alles, was nicht die Kirche anging, teilnahmslos war, überraschte.
„Warum habt ihr diesen Menschen gefangen? Gott! strafe sie mit Deiner dreifaltigen Macht! Gewiß wieder ein Märtyrer, der für seinen Glauben an Christus leidet.“
Der Gefangene ließ nur ein schwaches Stöhnen vernehmen.
Die Schlüssel wurden gebracht, und beim Schein eines schläfrig brennenden Lämpchens näherte sich die ganze Bande dem Eingang einer Höhle, die sich hinter der Kirche befand. Kaum waren sie alle in das unterirdische, häßliche Gewölbe hinabgestiegen, als Grabesfeuchtigkeit sie umfing. Stumm schritt der Führer voran, und die flackernde Flamme der Lampe mit ihrem nebligen Strahlenkranz warf ihm einen fahlen, gespenstigen Lichtschimmer ins Gesicht, während der Schatten seines endlosen Schnurrbarts sich emporbäumte und alle mit zwei langen, dunklen Streifen bedeckte. Nur die beiden Enden des Kopfes mit ihrer plumpen Rundung waren hell und scharf beleuchtet und ließen den unsäglich gefühllosen Ausdruck erkennen, der darauf hindeutete, daß jede weichere Regung in dieser Seele längst erstorben und erstarrt, daß Tod und Leben ihm innerlich gleichgültig waren, daß sein größter Genuß in Tabak und Branntwein bestand und daß er sich nur dort ganz selig fühlte, wo alles lärmt und klirrt und trunken zu Boden sinkt. Er war ein Sprosse der Grenzvölker, in dem zahlreiche Nationen sich gemischt hatten. Von Geburt ein Serbe, der alles Menschliche in den wüsten Raubzügen und Trinkgelagen Ungarns in sich ertötet hatte, seiner Kleidung und auch zum Teil seiner Sprache nach ein Pole, seiner Geldgier nach ein Jude, seiner Verschwendungssucht nach ein Kosak und in seinem ehernen Gleichmut ein Teufel. Er schien die ganze Zeit über ganz ruhig zu sein und nur dann und wann murmelte er einen gewöhnlichen Fluch zwischen den Zähnen hindurch, besonders wenn er auf dem unebenen Boden stolperte, der sich immer tiefer und tiefer hinabsenkte.