O Gott, o Gott! Doch still, still! Kein Wort mehr!

„Papa liebkost mich auch häufig. Ich trinke Tee und Kaffee mit Sahne. Ach, ma chère, ich muß Dir sagen, daß ich gar keine Freude an großen abgenagten Knochen habe, wie sie unser Polkan in der Küche zu fressen kriegt. Nur Wildpretknochen schmecken gut, und auch die nur, wenn das Mark noch darin ist. Es schmeckt auch sehr gut, wenn man mehrere verschiedene Saucen durcheinandermischt, nur dürfen keine Kapern und keine Gemüse darin sein; aber ich kenne nichts Schlimmeres, als die Gewohnheit, Hunden Brotkügelchen vorzusetzen. Da fängt irgendein Herr, der bei Tisch sitzt, und der schon allerhand Schund in seinen Händen gehalten hat, plötzlich an, mit diesen selben Händen Brot zu kneten, ruft Dich herbei und steckt Dir so eine Brotkugel zwischen die Zähne. Refüsieren darf man nicht — so frißt man es denn, obwohl es einen ekelt, aber man frißt es doch!“

Weiß der Teufel, was das ist! So ein Blödsinn! Als ob es kein besseres Thema gäbe, über das man schreiben könnte. Wir wollen mal sehn, ob wir auf der anderen Seite nichts Vernünftigeres finden.

„.... Ich bin gern bereit, Dich von allen Ereignissen zu unterrichten, die sich bei uns abspielen. Ich habe Dir schon einiges von der Hauptperson erzählt, die Sophie Papa nennt. Das ist ein sehr merkwürdiger Mensch ...“

Endlich! Ich wußte es ja, sie haben einen politischen Blick für alle Dinge. Laß uns ’n mal sehn — was der Papa tut:

„... merkwürdiger Mensch. Er schweigt fast immer und spricht nur selten; aber vor einer Woche sprach er in einem fort vor sich hin: ‚Werde ich ihn bekommen oder werde ich ihn nicht bekommen?‘ Einmal wandte er sich sogar mit der Frage an mich: ‚Wie denkst du, Maggie, werde ich ihn bekommen, oder werde ich ihn nicht bekommen?‘ Ich konnte rein gar nichts verstehen, beschnüffelte seine Stiefel und schlich mich fort. Dann aber — es ist jetzt eine Woche — erschien Papa plötzlich hocherfreut, ma chère. Den ganzen Morgen lang gingen bei ihm uniformierte Herren ein und aus, die ihm alle zu etwas gratulierten. Bei Tisch war er so vergnügt, wie ich ihn nie zuvor gesehn, und er erzählte in einem fort Anekdoten.

Nach dem Essen hob er mich zu sich empor, deutete auf seinen Hals und sagte: ‚Sieh mal, Maggie, was ist das?‘ Ich sah ein kleines Bändchen auf seiner Brust, roch daran, fand aber gar nicht, daß es gut duftete, schließlich leckte ich noch einmal daran: es schmeckte etwas salzig.“

Hm, dieses Hündchen erlaubt sich, wie mir scheint, ein bißchen viel. Es soll sich in acht nehmen, daß es keine Prügel kriegt! ... So, er ist also ehrgeizig, das muß man sich merken!

„Leb’ wohl, ma chère. Ich eile usw., usw. Morgen will ich meinen Brief beenden.“ —

„Guten Tag, jetzt bin ich wieder bei Dir. Heute war mein Fräulein Sophie ...“