Nirgends, nicht einmal in den Journalen läßt uns das arme Italien seine des Diadems beraubte Stirn sehen; mit seiner politischen Bedeutung hat es jeden Einfluß auf die Welt verloren.

„Wie aber,“ dachte er, „wird denn sein Ruhm nie wieder auferstehen? Gibt es denn gar kein Mittel, ihm seinen entschwundenen Glanz wiederzugeben?“ Und er gedachte der Zeit, als er noch als Student der Universität, als er in Lucca von der Zurückführung der ruhmreichen Vergangenheit geträumt hatte; er erinnerte sich, wie dies der liebste Gedanke der italienischen Jugend gewesen war und wie sie gutmütig und treuherzig beim vollen Becher davon geschwärmt hatten. Und nun mußte er erkennen, wie kurzsichtig diese jungen Leute gewesen waren und wie kurzsichtig die Politiker sind, die dem Volke Trägheit und Sorglosigkeit vorwerfen. Und eine dunkle Ahnung des mächtigen Fingers, vor dem der Mensch verstummt und sich demütig beugt, des mächtigen Fingers, der den Weltereignissen ihr Ziel und ihren Gang vorschreibt, bemächtigte sich seiner und erfüllte sein Gemüt mit Staunen und Ehrfurcht. Aus dem Schoße Italiens hatte Er den armen von seinem eigenen Heimatlande verfolgten Genueser emporsteigen lassen, der allein sein ganzes Vaterland zugrunde richten sollte, indem er ein neues unbekanntes Land und neue weite Seewege entdeckte. Der Horizont der Welt erweiterte sich; das Leben Europas erhielt einen mächtigen Schwung und ward erfüllt von lebhafter Bewegung. Schiffe begannen die Welt zu umsegeln und machten die mächtigen Kräfte des Nordens frei. Das Mittelmeer verödete, und wie das versandende Bett eines Flusses, versandete Italien, das in dem Wettstreit zurückgeblieben war. Noch steht Venedig, noch spiegeln sich seine erloschenen Paläste in den Wellen des Adriatischen Meeres, und ein herzzerreißender Schmerz erfüllt die Seele des Fremden, wenn ihn der Gondelführer gebeugten Hauptes an den kahlen Mauern und zerstörten Brüstungen stummer marmorner Balkone vorüberrudert. Stumm liegt Ferrara da und schreckt uns mit dem drohend finstern Anblick seines herzoglichen Schlosses. Traurig und öde stehen in ganz Italien die gebeugten Türme und die architektonischen Wunder inmitten einer Generation, die gleichgültig zu ihnen emporsieht. Laut schallt das Echo durch die einst so lebhaften Straßen, und der ärmliche Vetturino hält vor einer schmutzigen Osteria, die sich in einem prunkvollen Schloß angesiedelt hat. Im härenen Bußkleid des Bettlers wandelt das heutige Italien einher, und wie staubige Lumpen hängen an ihm die Fetzen seines verblichenen Königsmantels.

In einer Aufwallung tiefen Seelenschmerzes hätte er mitunter sogar Tränen vergießen können. Aber dann bemächtigte sich seiner von selbst ein großer trostreicher Gedanke, und ein höheres Ahnungsvermögen gab ihm die Gewißheit, daß Italien noch nicht gestorben sei, daß die Spuren seiner ewigen unerschütterlichen Macht über die ganze Welt sich noch fühlbar machten, daß sein gewaltiger Genius ewig über dem Lande schwebt, er, der von Anbeginn das Schicksal Europas in seinen Busen gelegt hatte, der das Kreuz in die finsteren europäischen Wälder trug, der mit dem Schifferhaken der bürgerlichen Ordnung den an ihren fernen Grenzen hausenden halbwilden Menschen an sich zog, der die Glut des Verkehrs und des Welthandels entfachte, die Listen der Politik und das verwickelte Federwerk der bürgerlichen Verhältnisse spielen ließ, all seine geistigen Kräfte glanzvoll entfaltete, seine Stirn mit dem heiligen Kranze der Poesie umwand, und als der politische Einfluß Italiens bereits zu schwinden begann, die Welt mit herrlichen Wundern erfüllte: mit Kunstwerken, die den Menschen mit nie geahnten Genüssen und göttlichen Gefühlen beschenkten, wie sie bisher noch nie den Schächten seiner Seele entstiegen waren. Und als nun auch das Jahrhundert der Kunst zur Neige ging und die ganz von ihren Rechnungen und Geschäften in Anspruch genommenen Menschen für sie erkalteten, da schwebt er über der Welt und wird er getragen von den klagenden Seufzern der Musik, und an den Ufern der Seine, an der Newa, an der Themse, an der Moskwa, am Mittelmeer und am Schwarzen Meer, an den Küsten Algeriens und auf fernen, vor kurzem noch halbbarbarischen Inseln ertönt begeisterter Beifall zum Preise der unser Ohr mit Wohllaut erfüllenden Sänger. Und endlich beherrscht er selbst durch sein ehrwürdiges Alter und als Bild des Verfalls und der Verwesung drohend die Welt: diese erhabenen architektonischen Wunder blieben uns erhalten wie ein mahnender Schatten, als ein ewiger Vorwurf, um Europa seinen kleinlichen chinesischen Luxus und seine kindliche, spielerische, geistige Zersplitterung entgegenzuhalten. Dieser ganze Haufen untergegangener Welten und diese wunderbare Mischung mit der ewig blühenden Natur — das alles existiert nur zu dem Zweck, um die Welt aufzurütteln, um den Bewohner des Nordens zuweilen wie im Traum diesen Süden sehen zu lassen, es existiert nur, damit der Gedanke an ihn, ihn aus dem kalten Leben und all der Geschäftigkeit, die die Seele verhärtet und erstarren läßt, herausreiße und über sich emporhebe, indem sich plötzlich ein leuchtender, den Menschen weit mit sich forttragender Ausblick vor ihm auftut, ihm eine coliseische mondbeglänzte Nacht, das in Schönheit sterbende Venedig, ein unsichtbares Leuchten des Himmels und das warme Gekose der herrlichen Luft vorzaubert — auf daß er wenigstens einmal in seinem Leben ein schöner Mensch sei.

In einem solchen feierlichen Augenblick söhnte er sich mit dem Niedergang und Verfall seines Vaterlandes aus, und nun glaubte er, überall Keime des ewigen Lebens und einer besseren Zukunft zu erblicken, die uns der ewige Schöpfer der Welt unablässig bereitet. In solchen Augenblicken dachte er auch häufig über die Bedeutung des römischen Volkes für die Gegenwart nach; und es schien ihm, als ob hier noch ein ganz unverbrauchtes Material vorliege. In den Epochen des Glanzes hatte es auch nicht ein einziges Mal eine bedeutende Rolle gespielt; nur die Päpste und die adligen Familien hatten ihre Namen ins Buch der Geschichte eingezeichnet, das Volk aber war unbeachtet geblieben. Das Spiel der Interessen in ihm und um es herum hatte nicht in seinen Kreis eingegriffen und es nicht mit sich fortgerissen; noch war es unberührt von jeglicher Bildung geblieben, die wie ein Sturmwind die in ihm schlummernden Kräfte aufgerüttelt hätte. Etwas von kindlicher Güte und Vornehmheit lag in seiner Natur. Dieser Stolz auf den römischen Namen, der Grund weshalb ein großer Teil der Bürger, die sich für Nachkommen der alten Quiriten hielten, nie eine ehrliche Verbindung mit andern Bevölkerungsklassen einging; dieser aus Gutmütigkeit und Leidenschaft gemischte Charakter, ein Beweis für seine Schönheit und Reinheit (der Römer vergißt nie das Gute oder Böse, das ihm angetan wird; er ist entweder gut oder böse, verschwenderisch oder geizig, seine Laster und Tugenden ruhen noch in ihren ursprünglichen Schächten und haben sich noch nicht zu einem unbestimmten Ganzen vermischt wie beim Menschen unserer Zivilisation, der alle möglichen Leidenschaften, jedoch nur in ganz geringen Dosen besitzt und bei dem sie alle unter der Oberherrschaft des Egoismus stehen); diese Unmäßigkeit und diese Neigung, aus dem Vollen zu genießen — ein allgemein verbreiteter Zug bei allen starken Völkern — das alles wurde für ihn von großer Bedeutung. Und dann diese strahlende ungekünstelte Heiterkeit, wie wir sie heute kaum bei einem andern Volke finden, überall, wo der Fürst hingekommen war, hatte er den Eindruck gewonnen, als mache man mühsame Anstrengungen, das Volk zu zerstreuen und zu unterhalten; hier dagegen unterhielt es sich selbst, hier wollte es selbst mit teilnehmen; während des Karnevals war es kaum zu zügeln; alles, was es im Laufe eines Jahres zurückgelegt hatte, war es bereit, in diesen einundeinhalb Wochen wieder durchzubringen; für ein Kostüm konnte es sein ganzes Geld ausgeben; der einfache Mann verkleidet sich als Bajazzo, als Weib, als Poet, als Doktor oder Graf, schwatzt euch allerhand törichtes Zeug vor oder hält euch wohl gar eine Vorlesung, ob ihr nun zuhört oder nicht — und diese Fröhlichkeit ergreift alle miteinander wie ein Wirbel, vom vierzigjährigen Mann bis zum jüngsten Burschen, der letzte Bettler, der nichts hat, was er anziehen könnte, wendet seinen Kittel um, schwärzt sich sein Gesicht mit Kohle, schließt sich dem bunten Haufen an und läuft mit. Und diese Heiterkeit entspringt ganz einfach seiner Natur, sie ist kein Produkt des Rausches, denn dasselbe Volk pfeift einen Betrunkenen aus, wenn es ihm auf der Straße begegnet. Und dann — diese Züge eines angeborenen künstlerischen Instinkts und Gefühls! hatte doch einmal in Gegenwart des Fürsten eine einfache Frau einen Künstler auf einen Fehler in seinem Gemälde aufmerksam gemacht; er sah, wie dieses Gefühl sich in der malerischen Kleidung und in dem Schmuck der Kirchen ausprägte, sah wie das Volk in Gensano die Straßen mit Blumenteppichen bedeckte, wie die vielfarbigen Blumenblätter sich zu bunten Flecken und Schatten verwandelten und auf dem Pflaster zu allerhand Figuren gruppierten — zu dem Wappen eines Kardinals, zum Bilde des Papstes, zu einem Namenszug, zu Vögeln, Tieren und verschieden gestalteten Arabesken; er sah, wie die Eßwarenhändler, die Pizzicaruoli am Abend vor Ostersonntag ihre Läden ausschmückten: die Schinken, die Würste, die weißen Schweinsblasen, die Zitronen und allerhand Blätter ordneten sich zu einem bunten Mosaik zusammen, das einen Plafond darstellte. Die zylindrischen Parmesankäse und andere Käsesorten bildeten ganze Säulenreihen, indem sie sich übereinander türmten; Talgkerzen gruppierten sich zu dem mosaikartigen Gewebe eines Vorhanges, der die inneren Wände schmückte; da sah man ganze Statuen und historische Gruppen, die einen christlichen oder biblischen Stoff darstellten, aus schneeweißem Talg gegossen, den der erstaunte Beschauer für Alabaster halten mußte — der ganze Boden verwandelte sich in einen heiteren Tempel, in dem vergoldete Sterne erstrahlten, der von kunstvoll aufgehängten Ampeln erleuchtet wurde und in dessen Spiegelscheiben sich zahllose Haufen von Ostereiern spiegelten. Zu alledem ist ein gewisser Geschmack erforderlich, und der Pizzicaruolo machte das nicht, weil es ihm etwas einbrachte, sondern nur um andere und sich selbst an diesem Anblick zu erfreuen. Und endlich war dies ein Volk, das sich seiner eigenen Würde bewußt war: hier bildete es das Volk: il popolo, und nicht den gemeinen Pöbel; es war sich bewußt, die wahren Urelemente des ersten Quiritenzeitalters in sich zu tragen; nicht einmal die fremden Reisenden, diese Verführer, die die Korruption in die müßig dahinlebenden Völker tragen, — brachten es fertig, dies Volk zu verderben, obwohl sich freilich infolge der Überflutung mit fremden Gästen die Gasthäuser und die Landstraßen mit einer Klasse von verächtlichen Leuten bevölkern, nach denen sich der Reisende häufig ein Urteil über das ganze Volk bildet. Sogar die Torheit der Regierungsmaßnahmen, dieser zusammenhanglose Haufen aller möglichen Gesetze, die zu den verschiedensten Zeiten und unter ganz verschiedenartigen Verhältnissen entstanden waren, und noch bis heute nicht wieder aufgehoben sind, unter denen es sogar Edikte gibt, die aus der alten römischen Republik stammen, selbst sie haben es nicht vermocht, in diesem Volke das hohe Rechtsbewußtsein zu entwurzeln. Er verfolgt den unehrlichen Gläubiger mit seinem Tadel, begleitet den Leichenzug der Verstorbenen mit Pfeifen und spannt sich großmütig vor den Leichenwagen, der den Leib eines vom Volke geliebten Mannes mit sich führt. Selbst das Betragen der Geistlichkeit, das häufig Ärgernis erregen könnte und in andern Ländern Sittenlosigkeit und Korruption zur Folge haben würde, scheint keinen Eindruck auf das Volk zu machen: denn es versteht die Religion von ihren heuchlerischen Dienern zu unterscheiden und ist noch nicht angekränkelt von dem kalten Geist des Unglaubens. Und schließlich haben es selbst die Not und die Armut, diese unvermeidlichen Begleiterscheinungen eines stagnierenden Staates, nie zu finsteren Übeltaten verleitet: dieses Volk bleibt immer heiter, erträgt alles mit Ruhe, und nur in Romanen und Erzählungen lesen wir von Mordtaten und Messerstechereien auf den Straßen. Aus diesen Zügen ersah der Fürst, daß er es hier mit einem starken, noch unberührten Volke zu tun hatte, dem sich offenbar in der Zukunft noch ein großes Feld der Betätigung eröffnen mußte. Die europäische Bildung hatte es, wie es schien, mit Absicht übergangen und keine ihrer Vollkommenheiten in seinem Busen Wurzeln schlagen lassen. Selbst die geistliche Herrschaft, dieses seltene Schattengebilde, das sich aus einer vergangenen Zeit herübergerettet hatte, hatte sich gleichsam nur zu dem Zwecke erhalten, um die Nation vor fremden Einflüssen zu behüten, damit keiner der ehrgeizigen Nachbarn sich an ihm vergreife, und damit sein stolzes Volkstum in stiller Einsamkeit warte, bis seine Stunde kommen werde. Und dennoch hatte man hier in Rom nicht den Eindruck der Totenstarre; selbst diese Ruinen und die prunkvolle Armut strömten nichts von jener peinigenden, wühlenden Stimmung aus, die uns bei der Betrachtung der Überreste einer bei lebendigem Leibe verwesenden Nation befällt. Hier war man von dem entgegengesetzten Gefühl beherrscht: von einer heiteren, feierlichen Ruhe. Und jedesmal, wenn der Fürst an dies alles dachte, versank er unwillkürlich in Sinnen, und es schien ihm, als läge eine seltsame geheimnisvolle Bedeutung in dem Worte: „das ewige Rom“.

Die Folge davon war, daß er sich mit immer größerem Eifer dem Studium seines Volkes hingab. Er beobachtete es auf den Straßen und in den Cafés, von denen jedes sein eigenes Publikum hatte; in dem einen verkehrten die Antiquare, in einem andern die Jäger und die Schützen, in einem dritten die Bedienten der Kardinäle, in einem vierten die Künstler, in einem fünften die ganze römische Jugend und die römischen Dandys. Er beobachtete es in den Osterien, in den echten römischen Osterien, in die sich nie ein Fremder verirrt, wo sich ein römischer Nobile zuweilen neben einem Minente niederläßt, und wo an heißen Tagen alle Anwesenden ihre Röcke und Krawatten ablegen; oder er besuchte eine jener kleineren ärmlichen aber malerischen Vorstadtschenken mit ihren luftigen Fenstern ohne Glasscheiben, wo die Römer mit ihren Familien oder in zahlreicher Gesellschaft einkehrten, um dort zu Mittag zu essen, oder, wie sie sich ausdrückten, per far allegria. Er ließ sich neben ihnen am Tische nieder, speiste mit ihnen zu Mittag und beteiligte sich an ihren Unterhaltungen, immer wieder erstaunt über ihren schlichten, gesunden Menschenverstand und über die Lebhaftigkeit und Originalität, mit der diese ungebildeten Leute zu erzählen verstanden. Die beste Gelegenheit jedoch, sie kennen zu lernen, bot sich ihm während der Zeremonien und Festlichkeiten, wenn die ganze Bevölkerung Roms plötzlich an der Oberfläche erscheint und eine schier unendliche Menge holder Schönheiten vor einem auftauchen, von deren Existenz man bisher keine Ahnung hatte, und wie man ihnen nur noch auf den Basreliefs und in den Anthologien der Alten begegnet. Diese großen, tiefen Augen, diese Alabasterschultern, diese pechschwarzen Haare, die sich in tausendfältigen Formen ums Haupt schlingen oder auf die Schultern herabfallen, malerisch durchbohrt von einem goldenen Pfeil, diese Hände, dieser stolze Gang — dies alles erinnerte ihn an die ernste, klassische Schönheit, und hatte nichts gemein mit dem leichtsinnigen Reiz graziöser Frauen. Hier glichen die Frauen mehr den Bauten Italiens: sie glichen entweder Palästen oder ärmlichen Hütten, sie waren entweder vollendete Schönheiten oder ganz häßlich; die Mittelmäßigkeit war hier überhaupt nicht vertreten, hübsche Frauen gab es hier nicht. Und er genoß ihren Anblick, wie er die Verse einer herrlichen Dichtung genoß, deren Schönheit sich noch weit über die der andern erhebt, und die in der Seele einen kühlen, erfrischenden Schauer hervorrufen.

Allein, bald gesellte sich zu all diesen Genüssen ein Gefühl, das all den andern den Krieg erklärte — ein Gefühl, das die mächtigsten Leidenschaften aus ihrem geistigen Schlummer erweckte, Leidenschaften, die sich in demokratischer Rebellion gegen die hohe Seeleneinheit auflehnten: er erblickte Anunziata. Und so sind wir denn endlich bei dem hehren Bildnis angelangt, das sein helles Licht über den Anfang unserer Erzählung verbreitete.

Es war zur Zeit des Karnevals. „Heute gehe ich nicht zum Corso,“ sagte der Principe zu seinem Maestro di casa, während er aus dem Hause trat, „der Karneval fängt an, mich zu langweilen; ich finde die Gartenfeste und die Aufzüge, wie sie im Sommer stattfinden, viel schöner.“

„Ja ist denn das ein Karneval?“ versetzte der Alte. „Das ist ein Karneval für Kinder. Ich erinnere mich eines Karnevals! Da sah man auf dem ganzen Corso auch nicht einen Wagen, und auf den Straßen gab’s die ganze Nacht Musik; die Maler, die Architekten und Bildhauer stellten ganze Gruppen und veranstalteten große Aufführungen, und das Volk — der Herr Fürst verstehen doch — das ganze Volk, alle — alle Vergolder, Rahmenbauer, Mosaikleger, sämtliche schönen Frauen, die ganze Signoria und alle Nobili — sie alle, alle ... machten mit ... o quanta allegria! Das war ein richtiger Karneval. Aber heutzutage, was ist denn das für ein Karneval! Ach! ...“ sagte der Alte, zuckte die Achseln, und dann sagte er noch einmal „Ach“, zuckte nochmals die Achseln und fügte schließlich hinzu: „E una porcheria!“ — Der Maestro di casa unterstützte seinen Ausruf in einer lebhaften Aufwallung seines Temperaments mit einer äußerst kräftigen Geste, beruhigte sich aber sogleich wieder, als er bemerkte, daß der Fürst schon längst nicht mehr vor ihm stand, sondern sich schon lange auf der Straße befand. Da er keine Lust hatte, sich am Karneval zu beteiligen, hatte er weder eine Maske mitgenommen noch auch ein Drahtnetz vors Gesicht gelegt. Er hüllte sich tief in seinen Mantel und wollte sich über den Corso nach dem andern Stadtteil begeben. Aber das Menschengewühl war zu groß. Er drängte sich zwischen zwei Menschen hindurch, wobei ihm eine Ladung Mehl auf den Kopf geschüttet wurde; ein bunter Harlekin schlug ihm während er mit seiner Kolombine an ihm vorbeistürmte mit seiner Knarre auf die Schulter, von allen Seiten flogen ihm „confetti“ und Blumensträuße ins Gesicht, von beiden Seiten flüsterte ihm jemand ins Ohr, von rechts ein Graf und von links ein Arzt, der ihm eine lange Vorlesung über den Inhalt seines Blinddarmes hielt. Es war völlig unmöglich zwischen all den Menschen hindurchzukommen, denn die Volksmenge wuchs immer mehr an, und die lange Kette der Wagen machte halt, da sie nicht mehr vorwärts kommen konnte. Jetzt richtete sich die Aufmerksamkeit der Menge auf einen mutigen Burschen, der auf Stelzen die Häuserreihen entlang schritt, obwohl ihm jeden Augenblick die Stelzen unter den Beinen weggeschlagen werden konnten und er Gefahr lief, sich auf dem Pflaster zu Tode zu fallen. Aber deswegen schien er sich keine Sorge zu machen. Er trug einen ausgestopften Riesen auf seiner Schulter, den er mit einer Hand festhielt, und in der andern Hand ein Stück Papier mit einem Sonett und einem darangehefteten Schwanz, wie man sie bei Papierdrachen findet, und schrie dazu aus voller Kehle: „Ecco il gran poeta morto! Ecco il suo sonetto colla coda.“ (Da ist der verstorbene große Dichter! Das ist sein Sonett mit dem Schwanz [coda][17].) Der verwegene Bursche hatte eine so dichte Menschenmenge um sich geschart, daß der Fürst in dem Gedränge kaum noch zu atmen vermochte. Endlich setzte sich die ganze Menge hinter dem toten Poeten in Bewegung, auch die lange Wagenreihe, worüber der Fürst sehr erfreut war, obgleich ihm in dem Gedränge der Hut vom Kopfe geschlagen worden war, nach dem er jetzt eilig griff. Als er noch damit beschäftigt war, den Hut aufzuheben, schlug er die Augen auf und blieb wie angewurzelt stehen: vor ihm stand ein Mädchen von einer unbeschreiblichen Schönheit, sie hatte ein leuchtendes albanisches Kostüm an und kam in Gesellschaft von zwei andern gleichfalls schönen Frauen daher, die aber neben ihr verblaßten, wie die Nacht vor dem Tage. Das war ein herrliches Wunderbildnis. Alles mußte vor ihrem Glanze dahinschwinden. Wenn man sie ansah, wurde es einem klar, warum die italienischen Dichter schöne Frauen mit der Sonne verglichen. Ja, das war eine Sonne, das war die vollkommenste Schönheit! Aller Glanz, der uns zersplittert und auf die einzelnen Schönen dieser Welt verteilt entgegenstrahlt, war hier in einer einzigen vereinigt. Wenn man ihren Busen und ihre Büste ansah, erkannte man sogleich die Mängel des Busens und der Büste anderer schöner Frauen. Im Vergleich mit ihrem dichten glänzenden Haar mußte jedes andere Haar dünn und farblos erscheinen. Ihre Hände mußten jeden Menschen zum Künstler machen! denn wie ein Künstler hätte er sie ewig anschauen mögen und es nie gewagt, sie anzuhauchen. Im Vergleich mit ihren Füßen mußten die Füße aller Engländerinnen, aller Deutschen, aller Französinnen und der Frauen aller andern Nationen wie Holzspäne erscheinen, nur die antiken Bildhauer haben die hehre Idee ihrer Schönheit in ihren Statuen festgehalten. Ihre Schönheit war vollkommen und wie dazu geschaffen, jedermann in gleicher Weise zu blenden. Hierzu bedurfte es nicht eines besonderen Geschmacks; angesichts solcher Vollendung mußten alle Geschmacksrichtungen zusammentreffen; vor ihr mußten alle andächtig auf die Knie sinken, der Gläubige wie der Ungläubige wären vor ihr niedergefallen, wie vor einer plötzlichen Erscheinung der Gottheit. Der Fürst sah, wie die ganze Menge und alle Anwesenden, soviel ihrer da waren, sie anstarrten, wie sich ein unwillkürliches mit Entzücken gemischtes Staunen in den Zügen der Frauen malte, wie sie immer wieder ausriefen: „O bella!“ wie alle ohne Ausnahme sich in Künstler verwandelt zu haben schienen und ganz im Anschauen des schönen Wesens verloren waren. Aber im Gesicht des Mädchens war nichts zu lesen, außer einem lebhaften Interesse für den Karneval: sie sah nur die Menge und die Masken, merkte nichts von den auf sie gerichteten Augen und hörte kaum auf die hinter ihr stehenden Herren in Sammetjacken, anscheinend ihre Verwandten, die sie wahrscheinlich hieher begleitet hatten. Der Fürst suchte von den Leuten, die neben ihm standen, zu erfahren, wer und woher wohl dies wunderschöne Mädchen sei, aber man antwortete ihm überall bloß mit einem Achselzucken und einer unbestimmten Geste und fügte vielleicht noch hinzu: „Ich weiß nicht, wahrscheinlich ist’s eine Fremde[18].“ Unbeweglich und mit angehaltenem Atem schien er sie mit seinen Blicken verschlingen zu wollen. Endlich richtete auch das schöne Mädchen ihre tiefen Augen auf ihn, um sie jedoch sogleich verlegen von ihm abzuwenden. Ein Schrei weckte ihn aus seinen Träumereien: vor ihm stand ein mächtiger Wagen. Eine Anzahl Masken in roten Blusen rief ihn beim Namen, bestreute ihn mit Mehl und begleitete ihre Späße mit dem langgezogenen Rufe „hu ... hu ... hu!“ In einem Nu war er unter dem lauten Gelächter der Umstehenden von Kopf bis zu den Füßen mit Mehl überschüttet. Ganz weiß wie Schnee, ja selbst mit weißen Augenwimpern, eilte der Fürst nach Hause, um sich umzuziehen.

Als er zu Hause angekommen war und sich umgekleidet hatte, war soviel Zeit verstrichen, daß nur noch einundeinhalb Stunden bis zum Ave-Maria übrigblieben. Die Wagen kehrten bereits leer vom Corso zurück: die Insassen hatten sich auf die Balkons zurückgezogen, um sich das Volk anzusehen, das sich in Erwartung der Pferderennen noch immer durch die Straßen drängte. Als er in den Corso einbog, stieß er auf einen Wagen, der mit Männern und Frauen angefüllt war. Die Männer trugen Jacken, die Frauen hatten Blumenkränze auf dem Haupt und Zimbeln und Kastagnetten in den Händen. Die Insassen des Wagens schienen in heiterer Stimmung nach Hause zurückzukehren, er war an der Seite mit Girlanden geschmückt, und die Speichen und Reifen der Räder waren mit grünen Zweigen umwunden. Aber das Herz des Fürsten wurde kalt, als er sah, daß im Wagen, inmitten der Frauen, das schöne Mädchen saß, das einen so tiefen Eindruck auf ihn gemacht hatte. Ein strahlendes Lächeln erleuchtete ihr Antlitz, und unter Schreien und Singen rollte der Wagen schnell an ihm vorbei. Sofort machte der Fürst sich auf und eilte ihm nach, aber ein langer Zug von Musikanten kam ihm in den Weg: eine Geige von schreckenerregender Größe kam auf einem sechsrädrigen Wagen dahergefahren. Ein Mann saß rittlings auf dem Gestell, und ein anderer, der ihr zur Seite ging, strich mit einem gewaltigen Fiedelbogen über vier dicke Stricke, die die Saiten darstellen sollten. Die Herstellung dieser Geige hatte wahrscheinlich viel Mühe und große Unkosten an Zeit und Geld verursacht. Voran schritt ein Mann mit einer ungeheueren Trommel. Eine große Menge Volks, junge Burschen und Knaben folgten in hellen Scharen dem Musikantenaufzug, und die ganze Prozession wurde beschlossen durch einen in Rom wegen seiner Leibesfülle bekannten Pizzicaruolo, der eine Klistierspritze von der Größe eines Kirchturms in der Hand trug. Als der Zug die Straße verlassen hatte, sah der Fürst, daß es schon zu spät war und daher keinen Sinn mehr hatte, hinter dem Wagen herzulaufen; zudem wußte er ja auch nicht, welchen Weg er eingeschlagen hatte. Dennoch aber konnte er den Gedanken nicht aufgeben, das schöne Mädchen wieder aufzufinden. Seine Einbildungskraft zauberte ihm immer wieder dieses strahlende Lachen und den offenen Mund mit der langen Reihe wundervoller Zähne vor. „Das ist ein Blitzstrahl und kein Weib!“ sagte er immer wieder zu sich selbst und fügte stolz hinzu: „Sie ist eine Römerin: ein solches Weib konnte nur in Rom geboren werden. Ich muß sie unbedingt wiedersehn; ich trage Verlangen nach ihrem Anblick, nicht um sie zu lieben — nein, ich möchte sie nur ansehen, ihre ganze Gestalt betrachten: ihre Augen, ihre Hände, ihre Finger, ihre glänzenden Haare. Ich will sie nicht küssen, ich möchte sie nur ansehen. Wie nur? So muß es doch auch sein, das liegt im Wesen der Natur; sie hat kein Recht, ihre Schönheit zu verbergen und mit sich fortzutragen. Die vollendete Schönheit ward der Welt ja darum geschenkt, damit jeder sie anschaue, und auf daß er ihr Bild ewig in seinem Herzen trage. Wenn sie nur schön, nur eine gewöhnliche Schönheit und kein Wesen von dieser höchsten Vollkommenheit wäre, dann hätte sie wohl das Recht, einem Einzelnen anzugehören, er könnte sie in eine Wüste forttragen und der Welt ihren Anblick vorenthalten. Aber die vollkommene Schönheit muß jedem sichtbar sein. Läßt denn ein Architekt einen prachtvollen Tempel in einer engen Gasse errichten? Nein, er stellt ihn auf einen offenen Platz hin, damit der Mensch ihn von allen Seiten betrachten und sich an ihm erfreuen könne. ‚Ward etwa deshalb das Licht angezündet,‘ sagt der göttliche Meister, ‚auf daß man es verberge und unter den Scheffel stelle. Nein das Licht ward angezündet, auf daß es auf dem Tische stehe, allen Helligkeit spende und auf daß sich alle im Lichte bewegen.‘ Nein, ich muß sie unbedingt sehen!“ So sprach der Fürst zu sich selbst, dachte dann lange nach und ging alle Mittel durch, die ihn zu seinem Ziele führen könnten; endlich schien er eins gefunden zu haben: sofort und ohne einen Augenblick zu zögern begab er sich in eine der entlegenen Gassen, deren es in Rom sehr viele gibt, wo es nicht einmal einen Kardinalspalast mit einem gemalten Wappen auf dem ovalen Holzschilde gibt, wo sich über jedem Fenster und jeder Tür der engen Häuschen eine Nummer befindet, wo sich das Pflaster bucklig emportürmt und wieder senkt, und wohin sich von Fremden höchstens ein geriebener deutscher Künstler mit seinem Feldstecher und seinem Farbenkasten verirrt, oder etwa noch ein Ziegenbock, der hinter der vorübergehenden Herde zurückgeblieben ist und stehenbleibt, um sich diese merkwürdige Straße anzuschauen, die er noch nie gesehen hat. Hier hört man die sonoren Stimmen der Römerinnen; in allen Fenstern ertönt Geplauder und lebhafte Wechselrede. Hier herrscht volle Aufrichtigkeit, und der Passant kann hier alle häuslichen Geheimnisse erfahren; selbst Mutter und Tochter sprechen hier nicht anders miteinander, als indem beide ihre Köpfe zum Fenster hinausstecken. Männer sieht man hier überhaupt nicht. Kaum erglänzt der erste Strahl der Morgensonne, und schon öffnet sich das Fenster, und siora Susanna blickt auf die Straße hinaus. In einem anderen Fenster erscheint siora Grazia, noch damit beschäftigt, sich den Rock anzuziehen, sodann öffnet siora Nanna das Fenster, auf sie folgt siora Lucia, die sich das Haar kämmt, und endlich streckt siora Cecilia ihre Hand aus dem Fenster, um sich die Wäsche zu holen, die auf einer Schnur vor dem Hause hängt und nun ihre Strafe dafür erhält, daß sie so widerspenstig war und sich so schwer erreichen ließ: denn Donna Cecilia drückt sie zornig zusammen und wirft sie mit den Worten: che bestia! auf den Boden. Hier lebt alles, hier ist alles in Bewegung, hier fliegt plötzlich ein Schuh aus dem Fenster, um einen unartigen Jungen oder einen Ziegenbock zu treffen, der mit einem einjährigen Kind an einem Korb steht, es beschnuppert und seinen Kopf vorbeugt, um ihm zu zeigen, was zwei Hörner sind. Hier blieb nichts unbekannt, hier wußte man alles. Die Signoras waren über alles unterrichtet, was auf der Welt passierte, sie wußten, was siora Giudita sich für ein Tuch gekauft hatte, bei wem es heut Fisch zum Mittagessen gab, wer Barbaruccias Geliebter und welcher Kapuziner der beste Beichtvater war. Nur selten flocht auch der Gatte ein Wort ein, der meist auf der Straße an die Mauer gelehnt dastand, eine kurze Pfeife in den Zähnen hielt, und es für seine Pflicht hielt, wenn er von einem Kapuziner reden hörte, ein paar Worte wie: „Das sind alles Gauner!“ hinzuzufügen, worauf er wieder fortfuhr, seine Nase in Rauchwolken einzuhüllen. Hier kam nie ein Wagen vorbeigefahren, außer etwa ein zweirädriger Rumpelkasten, der von einem Maultier gezogen wurde und Mehl für den Bäcker mitführte, gewöhnlich wurde er auch von einem schläfrigen Esel begleitet, der kaum dazu zu bewegen war, seinen Korb mit den Broccoli bis an seinen Bestimmungsort zu schleppen, trotz aller Hühs der Straßenjungen, die seine unempfindlichen Lenden mit Steinwürfen regalierten. Hier gibt es keine Magazine außer ein paar kleinen Läden, wo Brot, Bindfaden und Glasflaschen feilgeboten werden, und einem dunklen, engen Café, das sich in einer Straßenecke befindet, da konnte man stets den Anblick eines beständig auf die Straße herauslaufenden Bottegas genießen, der den Signoris in kleinen Blechkannen Kaffee oder eine in Ziegenmilch gekochte Schokolade, die unter dem Namen „Aurora“ bekannt ist, servierte. Alle Häuser gehörten hier zwei, drei, mitunter aber auch vier Hausbesitzern, von denen der eine nur den lebenslänglichen Nießbrauch, ein zweiter nur eine Etage besaß, deren Mietzins er jedoch nur zwei Jahre lang erheben durfte, wonach der Stock auf Grund eines Testaments auf zehn Jahre an den padre Vincenzo fiel, dessen rechtlicher Anspruch jedoch von einem Verwandten des ursprünglichen Besitzers, der in Frascati wohnte, und der schon rechtzeitig für die Einleitung eines Prozesses gesorgt hatte, angefochten wurde. Es gab auch solche Hausbesitzer, die nur ein einziges Fenster in einem bestimmten Hause und zwei andere in einem andern Hause besaßen, und die Einkünfte von dem Fenster, für das der unordentliche Mieter übrigens den Mietzins meist schuldig blieb, mit einem Bruder teilten, — mit einem Wort, hier gab es in Hülle und Fülle Material für unaufhörliche Prozesse und reichen Broterwerb für die Advokaten und Kuriale, die Rom überschwemmten. Alle Damen, von denen soeben gesprochen wurde, sowohl die vornehmsten, die stets mit ihrem vollen Namen genannt wurden, wie die geringeren Ranges, die nur mit Diminutiven beehrt wurden: alle Tettas, Tuttas, Nannas usw. hatten meistens gar nichts zu tun; das waren Gattinnen von Rechtsanwälten, kleinen Beamten, kleinen Kaufleuten, Trägern, Facchinos, gewöhnlich aber Frauen unbeschäftigter Bürger, deren ganzes Talent darin bestand, sich geschickt mit ihren nicht mehr ganz intakten Mänteln zu drapieren. Viele von den Signoras standen den Malern Modell. Hier gab es Modelle aller Arten. Wenn sie Geld hatten, verbrachten sie ihre Zeit mit ihren Männern oder in großer Gesellschaft in den Osterien, hatten sie kein Geld — so waren sie deshalb auch nicht betrübt, sondern saßen am Fenster und blickten auf die Straße hinaus. Heute war die Straße stiller als sonst, weil ein Teil der Bewohner mit der Volksmenge nach dem Corso gezogen waren. Der Fürst ging auf die alte verfallene Tür eines Häuschens zu, die zahlreiche Löcher aufwies, so daß selbst der Hauswirt lange mit dem Schlüssel nach dem Schlüsselloch suchen mußte. Er war eben im Begriff, nach dem Ring zu greifen, als er plötzlich die Worte vernahm: „Signor Principe will Peppe sehen?“ Er hob das Haupt und erblickte siora Tutta, die ihren Kopf aus dem dritten Stock hervorstreckte.

„So ein vorlautes Frauenzimmer!“ rief siora Susanna aus dem gegenüberliegenden Fenster. „Der Principe ist vielleicht gar nicht deswegen gekommen, um Peppe zu sehen!“