Während des zweiten Antiphons betet der Priester im Altarraum bei sich selbst. Der Diakon tritt wieder in betender Stellung vor das Heiligenbild des Erlösers, indem er die Gebetstola mit drei Fingern der Hand emporhält; nach Beendigung des Gesanges besteigt er abermals die Kanzel, blickt auf die Bilder der Heiligen und ruft die Gemeinde wie vorhin mit den Worten auf: „Laßt uns in Frieden zu dem Herrn beten!“ Die Gemeinde erwidert: „Herr Gott, [erbarme Dich.“ Der Diakon ruft aus]: „O Gott, hilf uns, sei uns gnädig, errette uns, behüte uns durch Deine Gnade!“ Die Gemeinde erwidert: „Herr Gott, erbarme Dich unser!“ Der Diakon blickt auf die Bilder der Heiligen [und ruft aus]: „Laßt uns unserer heiligen, unbefleckten, hochgelobten, herrlichen Gebieterin, der Jungfrau und aller Heiligen gedenken und uns selbst, einander und unser ganzes Leben Christus, unserem Gotte weihen!“ Die Gemeinde antwortet: „Dir, o Herr!“ Das Gebet endet mit einer Lobpreisung der Heiligen Dreieinigkeit. Die ganze Kirche antwortet bestätigend: „Amen,“ und der Diakon steigt von der Kanzel herab. Der Priester betet im Inneren des Altarraumes bei sich selbst, indem er spricht: „Du, Der Du uns dies gemeinsame einträchtige Gebet schenktest, Du, Der Du verhießest, wenn zwei oder drei in Deinem Namen versammelt sind, zu gewähren, worum sie bitten! erfülle die Bitten Deiner Knechte zu ihrem eigenen Besten; schenke uns in diesem Leben die Erkenntnis Deiner Wahrheit und schenke uns im künftigen das ewige Leben.“

Jetzt werden vom Chor so laut, daß alle es hören können, die Seligpreisungen verkündet, die uns in diesem Leben die Erkenntnis der Wahrheit und im künftigen ein ewiges Leben verheißen. Die andächtige Gemeinde spricht die Worte des weiseren Übeltäters, der Christus am Kreuze anflehte: „Herr, gedenke an mich, wenn Du in Dein Reich kommst,“ und wiederholt nach dem Vorleser die Worte des Heilandes: „Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihrer“ — d. h. die, die sich nicht überheben und sich nicht mit ihrem Verstande brüsten.

Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden“ — d. h. die, die da noch mehr über ihre eigenen Unvollkommenheiten und Verfehlungen, als über die Beleidigungen und Kränkungen trauern, die ihnen zugefügt werden.

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen“ — d. h. die, die wider niemand Zorn in ihrem Herzen hegen, allen vergeben und von Liebe erfüllet sind, deren Waffe die alles besiegende Güte ist.

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden“ — d. h. die, die nach der himmlischen Gerechtigkeit dürsten und sich vor allem danach sehnen, sie in sich selbst herzustellen.

Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“ — d. h. die, die jeden ihrer Brüder bemitleiden und in jedem, der ihnen bittend naht, Christus selbst erkennen, der für ihn bittet.

Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen“ — wie sich in dem reinen Spiegel eines ruhigen Gewässers, das weder durch Sand noch Schlamm getrübt wird, das reine Himmelsgewölbe spiegelt, so gibt es auch in dem Spiegel eines reinen Herzens, das von keinen Leidenschaften aufgewühlt wird, kaum noch etwas Menschliches mehr, und nur Gottes Bildnis spiegelt sich in ihm.

Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen“ — gleich dem Sohne Gottes selbst, der auf die Erde herabstieg, um unseren Seelen Frieden zu bringen, so sind auch die, die da Frieden und Versöhnung in unser Heim tragen, wahrhafte Söhne Gottes.

Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihrer“ — d. h. die, die verfolgt werden, weil sie die Gerechtigkeit nicht bloß mit dem Munde, sondern durch die Wohlgefälligkeit ihres ganzen Lebens verkündigen.

Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um Meinetwillen schmähen und verfolgen, und reden allerlei Übels wider euch, so sie daran lügen. Seid fröhlich und getrost, es wird euch im Himmel wohl belohnt werden“; — ihr Verdienst ist ein dreifaches; erstlich sind sie schon an und für sich rein und unschuldig, zweitens werden sie geschmäht, obwohl sie rein sind, und drittens freuen sie sich, daß sie um Christi willen leiden, obwohl sie unschuldig sind.