Wo haben Sie ferner die Meinung hergenommen, daß ich einen Hymnus auf unsere Geistlichkeit gedichtet habe? Ich habe gesagt, die Predigt des Priesters der morgenländischen Kirche solle in seinem Leben und in seinen Taten bestehen. Und woher kommt dieser Geist des Hasses bei Ihnen? Ich habe sehr viel schlimme Pfarrer gekannt und kann Ihnen sehr viele komische Anekdoten über sie erzählen, aber dafür bin ich auch solchen Priestern begegnet, über deren heiligen Lebenswandel und über deren hohe Taten ich staunen mußte, und ich sah, daß sie Produkte unserer morgenländischen und nicht solche der abendländischen Kirche waren. Es ist mir also gar nicht eingefallen, einen Hymnus auf unsere Geistlichkeit zu singen, die unsere Kirche schändet, wohl aber auf die Geistlichen, die dazu beitragen, sie zu erhöhen.
Wie merkwürdig ist doch meine Lage, daß ich mich gegen Angriffe verteidigen muß, die sich alle gar nicht gegen mich und gegen mein Buch richten! Sie sagen, Sie hätten mein Buch angeblich hundertmal gelesen, während Ihre eigenen Worte davon zeugen, daß Sie es nicht ein einziges Mal gelesen haben. Der Zorn hat Ihre Augen umnebelt und trägt die Schuld, daß Sie nichts in seinem wahren Lichte gesehen haben. Hie und da leuchtet ein Funke von Wahrheit inmitten eines ungeheuren Haufens von Sophismen und unüberlegter jugendlicher schwärmerischer Verirrungen auf. Aber welcher Mangel an Bildung! Wie kann man es wagen, bei so einem geringen Fond von Kenntnissen von so großen Erscheinungen zu sprechen? Sie scheiden die Kirche vom Christentum, dieselbe Kirche und dieselben Priester, die durch ihren Märtyrertod die Wahrheit jedes Wortes, das aus Christi Munde kam, besiegelt haben, von denen Tausende durch das Messer und das Schwert des Mörders umkamen, für den sie beteten, bis sie schließlich ihre Henker ermüdeten, so daß die Sieger den Besiegten zu Füßen fielen und die ganze Welt sich zu ihrer Lehre bekannte. Und diese selben Priester, diese Bischöfe und Märtyrer, die das Heiligtum der Kirche auf ihren Schultern durch alle Fährnisse hindurchgetragen und gerettet haben, wollen Sie von Christus scheiden, indem Sie sie falsche Ausleger der Lehre Christi nennen! Wer kann denn dann heute Ihrer Ansicht nach Christus besser und genauer auslegen? Etwa die heutigen Kommunisten und Sozialisten, die da behaupten, Christus habe geboten, den Menschen ihr Eigentum wegzunehmen und die auszuplündern, die sich ein Vermögen erworben haben? Kommen Sie doch zur Besinnung — wohin sind Sie geraten? Sie erklären, daß Voltaire dem Christentum einen Dienst geleistet habe, und sagen, das sei jedem Gymnasiasten bekannt. Als ich noch auf dem Gymnasium war, habe ich selbst damals nicht für Voltaire geschwärmt. Ich war schon damals klug genug, um zu sehen, daß Voltaire ein gewandter Witzling, aber keineswegs ein tiefer Mensch war. Für einen Voltaire konnte weder ein Puschkin, noch ein Ssuworow schwärmen, wie überhaupt kein mehr oder weniger umfassender Geist. Voltaire ist trotz aller seiner glänzenden Aperçus immer nur der Franzose geblieben, der davon überzeugt ist, daß man lachend und scherzend von allen hohen Gegenständen sprechen kann. Von ihm kann man sagen, was Puschkin von den Franzosen im allgemeinen gesagt hat:
Der Franzos ist ein Kind,
Er stürzt geschwind
Einen Thron über Nacht,
Schafft Gesetz und Macht,
Ist schnell — wie der Blitz
Und leer wie der Witz.
Er reizt und macht,
Daß man staunt und lacht