Der Diakon beugt sein Haupt vor dem Priester und spricht: „Gedenke an mich, o heiliger Herr!“ und der Priester antwortet: „Gott gedenke deiner in Seinem Reiche immerdar, jetzo, hinfort und in alle Ewigkeit!“ Und nun gedenkt der Priester aller vor dem Angesichte Gottes, indem er die ganze Kirche, die triumphierende wie die kämpfende, mit in sein Gebet einschließt und zwar in derselben Weise und Reihenfolge, wie ihrer aller während des Offertoriums gedacht wurde, wobei er mit der heiligen, reinen, göttlichen Jungfrau und Mutter Gottes beginnt. Ihr zu Ehren, als der Fürsprecherin der ganzen Menschheit und als der einzigen, die für ihre hohe Demut und Bescheidenheit würdig erachtet wurde, Gott in ihrem Schoße zu tragen, stimmt die ganze Kirche zusamt dem Chor einen Lobgesang an, damit ein jeder in diesem Augenblick vernehme, daß die Demut die höchste Tugend und daß in dem Herzen des Demütigen Gott lebendig sei.

Nach der Mutter Gottes wird der Propheten, der Apostel und der Kirchenväter gedacht und zwar in derselben Reihenfolge, in der während des Offertoriums die Brotstücke für sie herausgeschnitten wurden; sodann wird aller Entschlafenen gedacht, deren Namen der Diakon verliest, sodann der Lebenden, wobei mit denen begonnen wird, denen die wichtigsten und höchsten Pflichten anvertraut sind, — d. h. mit denen, die das Wort der Wahrheit gerecht verwalten, der geistlichen und weltlichen Obrigkeit und dem Kaiser; [„Gott helfe ihm und unterstütze ihn in seinem schweren Amt bei jedem Werke, das das allgemeine Wohl betrifft; möge ihm in seinem edlen Streben das ganze Staatsschiff einträchtiglich folgen, zusamt der Regierung und der Militärkammer, auf daß sie getreulich ihre Pflicht erfüllen, und auch uns lasset im Frieden, der von ihnen ausgeht, ein ruhiges Leben führen in aller Frömmigkeit und Reinheit!“ Bei dieser Gelegenheit betet der Priester auch für alle anwesenden Christen bis auf den letzten, daß der allgütige Gott Seine Gnade über sie alle ergießen, ihre Schatzkammern mit Gütern füllen, die Eintracht und den Frieden in ihren Ehen walten, ihre Kinder groß werden lassen, die Jugend belehren, das Alter stützen und kräftigen, die Kleinmütigen trösten, die Zerstreuten sammeln, die Verführten zurechtweisen und in Seine heilige allgemeine apostolische Kirche aufnehmen möge. Für alle Christen bis auf den allerletzten, wo sich ein solcher Christ auch immer aufhalten möge, betet bei dieser Gelegenheit der demütige Priester;] ob der Christ unterwegs, auf der Wanderschaft, auf der See oder auf Reisen ist, ob er an einer Krankheit daniederliegt oder in der Verbannung, in Bergwerken oder unterirdischen Schächten schmachtet. Für alle — bis auf den allerletzten — betet bei dieser Gelegenheit die Kirche, und jeder Anwesende beteiligt sich nicht allein an diesem gemeinsamen Gebete für alle Menschen, sondern er betet auch für alle die Seinen, die seinem Herzen nahestehen, indem er sie insgesamt im Angesichte des Leibes und Blutes Christi beim Namen nennt. Dann ruft der Priester laut aus dem Altarraum: „Und laß uns preisen und lobsingen wie aus einem Munde und aus einem Herzen Deinen heiligen und herrlichen Namen, den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, jetzo, hinfort und in alle Ewigkeit!“ Die ganze Kirche antwortet mit einem bestätigenden „Amen!“ Der Priester ruft: „Die Gnade des großen Gottes und unseres Heilandes Jesu Christi sei mit euch allen!“, und die Gemeinde erwidert: „Und mit deinem Geiste!“ Hiermit haben die Gebete für alle, die der Kirche Christi angehören, ihr Ende erreicht, wie sie im Angesicht des Leibes und des Blutes Christi zu Gott emporgerichtet werden.

Nun besteigt der Diakon die Kanzel, um zum Gebet für die Gaben selbst aufzufordern, die Gott dargebracht werden und die bereits verwandelt sind, auf daß sie uns nicht zum Gericht und nicht zu einer Strafe für uns werden. Er erhebt die Stola mit drei Fingern seiner rechten Hand und ermuntert alle zum Gebet, indem er spricht: „Laßt uns aller Heiligen gedenken und immer wieder und wieder in Frieden zu Gott beten!“ Der Chor singt: „Herr, erbarme Dich!“ „Laßt uns beten für die dargebrachten und geweihten heiligen Gaben!“ Der Chor singt: „Herr, erbarme Dich!“ „Laßt uns beten, daß unser Gott, Der die Menschen liebet, sie aufnehmen möge auf Seinem heiligen, über dem Himmel thronenden geistigen Altar, duftend von geistigen Wohlgerüchen, und daß Er uns herabsenden möge Seine göttliche Gnade und die Gabe des Heiligen Geistes!“ Der Chor singt: „Herr, erbarme Dich!“ „Laßt uns zu Gott beten, daß Er uns bewahren möge vor Kummer, Zorn und Not!“ Der Chor singt: „Herr, erbarme Dich!“ „Hilf, rette, erbarme Dich und erhalte uns durch Deine Gnade, o Gott!“ Der Chor singt: „Herr, erbarme Dich!“ „Wir bitten Gott um einen vollkommen ungetrübten, vollkommen heiligen, friedlichen und sündlosen Tag!“ Der Chor singt: „Gewähre ihn uns, o Gott!“ „Wir bitten Gott um einen Friedensengel, einen treuen Lehrmeister und Beschützer unserer Seelen und Leiber!“ Der Chor singt: „Gewähre es uns, o Herr!“ „Wir bitten Gott um Vergebung und Erlassung unserer Sünden und Verfehlungen!“ Der Chor singt: „Gewähre sie uns, o Gott!“ „Wir bitten den Herrn um alles Gute, was unserer Seele heilsam ist, und um Frieden auf Erden!“ Der Chor singt: „Gewähre es uns, o Herr!“ „Wir bitten Gott um ein Leben in Frieden und um ein reumütiges Ende!“ Der Chor singt: „Gewähre es uns, o Herr!“ „Wir bitten Gott um ein christliches, schmerzloses, ehrbares und friedliches Ende und darum, daß es uns beschieden sein möge, in Ehren Rechenschaft abzulegen am Jüngsten Tage Christi!“ Der Chor singt: „Gewähre es uns, o Herr!“ Und nun ruft der Diakon nicht mehr die Heiligen um Hilfe an, sondern er wendet sich direkt an Gott: „Wir bitten Dich um Einheit des Glaubens und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes und weihen uns, einander und unser ganzes Leben Jesus Christus, unserem Gotte!“ Und alle singen mit völliger und inniger Hingebung: „Dir, o Herr!“

Nun stimmt der Priester statt eines Trichagions folgenden Gesang an: „Würdige uns, o Herr, daß wir Dich, Gott, unseren himmlischen Vater, zuversichtlich und als Gerechtfertigte anrufen und lobsingen.“ Und alle Gläubigen beten nicht mehr wie mit Furcht erfüllte Sklaven, sondern wie reine unschuldige Kinder, die sich durch das Gebet, den ganzen Gottesdienst und die stetige Ausführung der heiligen Bräuche in jenen engelhaften Gemütszustand himmlischer Rührung versetzt fühlen, in dem der Mensch unmittelbar mit Gott sprechen kann wie mit seinem Vater, das Gebet des Herrn: „Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden. Unser täglich Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.“

Dieses Gebet umfaßt alles und schließt alles in sich ein, was wir brauchen. Die Bitte: „Geheiligt werde Dein Name!“ enthält das Erste, worum wir zuerst und vor allem bitten müssen: wo Gottes Name geheiligt wird, da ist allen wohl, da sind folglich alle in Liebe miteinander verbunden, denn nur durch die Liebe wird Gottes Name geheiligt. Mit den Worten: „Dein Reich komme!“ flehen wir das Reich der Wahrheit und Gerechtigkeit auf die Erde herab; ohne Gottes Herabkunft wird es nie eine Gerechtigkeit geben: denn Gott ist die Gerechtigkeit. Bei den Worten: „Dein Wille geschehe!“ wird der Mensch durch den Glauben wie durch die Vernunft geführt: denn wessen Wille kann wohl herrlicher sein, als der Wille Gottes? Wer weiß denn besser als der Schöpfer, was Seinen Geschöpfen not tut. Wem soll man also vertrauen, wenn nicht Ihm, Der durch und durch nichts als die ewiglich nur Gutes zeugende Güte und Vollkommenheit ist! Mit dem Worte: „Unser täglich Brot gib uns heute!“ bitten wir um alles, dessen wir zu unserem täglichen Lebensunterhalt bedürfen. Unser Brot aber ist die höchste göttliche Weisheit und Christus selbst. Er selbst hat gesagt: „Ich bin das Brot und wer von Mir isset, wird nicht sterben.“ Mit den Worten: „Vergib uns unsere Schuld!“ bitten wir, daß alle unsere schweren Sünden, die auf uns lasten, von uns genommen werden mögen — wir bitten, daß uns alles erlassen werden möge, dessen wir uns gegenüber dem Schöpfer selbst schuldig gemacht haben, indem wir uns an unseren Brüdern vergingen; streckt Er uns doch jeden Tag und jede Minute in ihrer Gestalt Seine Hand entgegen, indem Er uns mit herzzerreißendem Klagelaut um Mitleid und Erbarmen anfleht. Mit den Worten: „Und führe uns nicht in Versuchung!“ bitten wir Gott, uns vor allem zu behüten, was unser Gemüt verwirrt, uns irre leitet und uns unsere Seelenruhe raubt. Mit den Worten: „Sondern erlöse uns von dem Übel!“ bitten wir um die himmlische Seligkeit; denn sowie der Böse von uns weicht, bemächtigt sich sogleich eine hohe Freudigkeit unserer Seele, und wir fühlen uns schon auf Erden wie im Himmel.

So umfaßt und schließt dieses Gebet alles in sich ein, was uns die höchste göttliche Weisheit selbst beten gelehrt hat. Und zu wem beten wir? Zum Vater der Weisheit, Der Seine ewige Weisheit vor Beginn aller Zeiten zeugte. Da alle Anwesenden dieses Gebet bei sich wiederholen müssen, nicht mit dem Munde, sondern in der reinsten Unschuld eines kindlichen Herzens, so muß auch der Abgesang des Gebets auf den Chören einen kindlichen Charakter tragen: nicht in rauhen männlichen Tönen, sondern mit kindlicher Stimme, die die Seele selbst zu liebkosen scheint, muß dieses Gebet gesungen werden, auf daß man in ihr den Frühlingshauch des Himmels zu verspüren meine und daß in ihm etwas erklinge, was uns wie die Liebkosungen der Engel selbst berührt, denn in diesem Gebet reden wir ja Den, Der uns erschaffen hat, nicht mehr mit Gott an, sondern ganz schlicht mit den Worten: „Vater unser!“

Der Priester begrüßt die Gemeinde aus dem Inneren des Altarraumes mit dem Gruße des Heilands: „Friede sei mit euch allen!“ Die Gemeinde erwidert: „Und mit deinem Geiste!“ Jetzt fordert der Diakon alle zu einer inneren Herzensbeichte auf, die jeder nunmehr vor sich selbst ablegen muß, indem er ruft: „Beugt eure Häupter vor dem Herrn!“ Und indem nun alle Anwesenden bis auf den letzten ihr Haupt beugen, sprechen sie bei sich selbst etwa folgendes Gebet: „Ich beuge mein Haupt vor Dir, mein Herr und Gott, ich bekenne meine Sünden aufrichtig und schreie zu Dir: ich bin sündig, o Herr, und unwert, Dich um Vergebung zu bitten, aber Du bist menschenfreundlich, so erbarme Dich denn meiner, obwohl ich es nicht verdient habe, wie der verlorene Sohn, rechtfertige mich wie den Zöllner und mache mich würdig, gleich dem Übeltäter in Dein himmlisches Reich einzugehen.“ Und während so alle gebeugten Hauptes in innerer Herzenszerknirschung verharren, betet der Priester am Altare für alle mit folgenden Worten bei sich selbst: „Wir danken Dir, unsichtbarer König, Der Du in Deiner unermeßlichen Kraft alles erschaffen und durch Deine große Gnade alles aus dem Nichtsein ins Dasein gerufen hast; blicke selbst vom Himmel auf die herab, o Herr, die ihr Haupt vor Dir beugen, denn sie beugen es nicht vor dem Fleische und dem Blute, sondern vor Dir, furchtbarer Gott. Wende alles, was uns bevorsteht, zu unserem Besten, o Herr, so wie es jedem not tut: Laß den Seefahrer den Hafen und den Reisenden sein Ziel erreichen, heile den Kranken, o Arzt der Seele und des Leibes!“ Dann stimmt der Priester den herrlichen Lobgesang auf die Dreieinigkeit an, der sich an die himmlische Güte Gottes wendet: „Gesegnet seist Du durch die Gnade, die Milde und die Menschenliebe Deines eingeborenen Sohnes samt Ihm, Deinem Sohne und Deinem Allerheiligsten, gütigen, lebenspendenden Geiste, jetzo, hinfort und in alle Ewigkeit!“ Der Chor ruft: „Amen!“ Nunmehr rüstet sich der Priester, selbst, und in Gemeinschaft mit allen, den Leib und das Blut Christi in sich aufzunehmen, indem er leise bei sich folgendes Gebet spricht: „Blicke herab, Herr Jesus Christus, unser Gott, aus Deiner heiligen Wohnung und vom ruhmvollen Thron Deines Reiches. Komm und heilige uns, Der Du hoch oben neben dem Vater sitzest und unsichtbar bei uns weilst, und mache uns [Priester] würdig, aus Deiner allmächtigen Hand Deinen reinen Leib und Dein gerechtes Blut zu empfangen und es allen den Deinen darzureichen.“

Während der Priester dies Gebet spricht, rüstet sich der Diakon zum heiligen Abendmahl: er tritt vor die Königspforte, umgürtet sich mit der Stola und kreuzt sie auf seiner Brust, gleich den Engeln, die ihre Flügel kreuzweise zusammenlegen und ihr Antlitz mit ihnen verdecken vor dem unnahbaren Lichte der Gottheit. Wie der Priester, verbeugt er sich dreimal und spricht bei sich selbst: „O Gott, reinige mich Sünder und erbarme Dich meiner!“ Wenn dann der Priester seine Hand nach der heiligen Patene ausstreckt, fordert er alle, die im Tempel anwesend sind, durch das anfeuernde Wort: „Laßt uns aufmerken!“ auf, alle ihre Gedanken auf das, was nun geschieht, hinzulenken. Der Altar entzieht sich dem Anblick des Volkes, der Vorhang wird zugezogen, damit zuerst der Priester das Abendmahl empfange. Nur die Stimme des Priesters, der die Patene in die Höhe hebt und ruft: „Das Heilige den Heiligen!“ dringt aus dem Altar hervor. Tief erschüttert von dieser Verkündigung, die da besagt, daß man selbst heilig sein muß, um das Heilige in sich aufzunehmen, erwidert die ganz im Gebet versunkene Gemeinde: „Einer ist heilig, der eine Gott, Jesus Christus, zur Ehre Gottes des Vaters!“ worauf eine Lobhymne auf den Heiligen, dem dieser Tag geweiht ist, gesungen wird, um hierdurch anzudeuten, daß auch der Mensch heilig sein kann, so wie auch der Heilige, zu dessen Preis die Hymne gesungen wird, ein Heiliger werden konnte; auch er ward freilich heilig nicht durch seine eigene Heiligkeit, sondern durch die Heiligkeit Christi selbst. Durch sein Leben in Christo wird der Mensch geheiligt und in solchen Augenblicken der Ruhe in Christo ist er heilig wie Christus selbst, gleichwie das Eisen, wenn es im Feuer steckt, selbst zu Feuer wird und sofort erlöscht, sowie man es aus dem Feuer herausnimmt, und wieder gewöhnliches dunkles Eisen wird.

Nun bricht der Priester das heilige Brot; zuerst bricht er es gemäß dem Zeichen, das während des Offertoriums auf ihm gemacht wurde, in vier Teile, indem er spricht: „Das Lamm Gottes wird zerlegt und zerteilt, das zerlegt und doch unteilbar ist, das stets gegessen und nie aufgezehrt wird, und das da heiligt, die davon essen.“ Er legt eins von den Stücken des heiligen Leibes noch unvermischt mit dem Blute für sich und den Diakon zurück und zerlegt dann das Brot in so viele Teile, als die Zahl der Kommunikanten beträgt; aber durch diese Teilung wird doch der Leib Christi selbst nicht zerteilt, der Leib, dem kein Bein zerbrochen ward, und in dem kleinsten Teil erhält sich der Christus ganz und unversehrt, wie in jedem Gliede unseres Körpers dieselbe ganze und unteilbare Seele zugegen ist, und wie sich in einem Spiegel, auch wenn er in hundert Stücke zerspringt, selbst noch im kleinsten Splitter das Abbild derselben Dinge erhält. Wie in einem Ton, der an unser Ohr dringt, dieselbe Einheit erhalten bleibt oder wie derselbe ganze Ton sich unversehrt erhält, auch wenn tausend Ohren ihn vernehmen. Die Stücke, die während des Offertoriums zu Ehren der Heiligen und der Entschlafenen und im Namen einzelner von den Lebenden herausgeschnitten wurden, werden nicht alle in den Kelch getaucht. Sie bleiben einstweilen noch auf der Patene; nur die Teile, die den Leib und das Blut des Herrn darstellen, werden der Gemeinde während des heiligen Abendmahls dargereicht. In den ersten Zeiten der Kirche wurden sie in getrennter Gestalt dargereicht, wie sie auch heute noch von den Priestern genossen werden; ein jeglicher nahm den Leib des Herrn in die Hand und trank dann selbst aus dem Kelch. Aber da die heiligen Gaben infolge der Zuchtlosigkeit der neubekehrten und noch unwissenden Christen, die bloß dem Namen nach Christen geworden waren, oftmals von ihnen fortgetragen und mit nach Hause genommen wurden, wo man sie zu abergläubischen Zwecken und Zauberkünsten verwendete, oder da man in der Kirche in unwürdiger Weise mit ihnen umging, sich hierbei stieß, Lärm machte und die heiligen Gaben sogar verschüttete, als die Väter vieler Kirchen sich genötigt sahen, dem Volke den Kelch völlig vorzuenthalten und ihn durch die Darreichung der Oblate, als Symbol des Brotes, zu ersetzen, ein Brauch, den die abendländische römisch-katholische Kirche bei sich eingeführt hat, da ordnete der heilige Johannes Chrysostomus an, damit in der morgenländischen Kirche nicht das gleiche geschähe: daß Leib und Blut dem Volke nicht in getrennter und gesonderter, sondern in vereinigter Gestalt dargereicht werden und daß ihm beides nicht in die Hand gegeben, sondern in einem heiligen Löffel gereicht werden solle, der die Form jener Zange haben müsse, mit der der feurige Seraphim die Lippen des Propheten Jesaias berührte. Hierdurch sollen alle daran gemahnt werden, was das für eine Berührung ist, deren ihr Mund gewürdigt wird, und ein jeglicher deutlich erkennen, daß der Priester in diesem heiligen Löffel jene glühende Kohle hält, die der Seraphim mit der geheimnisvollen Zange vom Altar Gottes nahm, also daß bei der bloßen Berührung der Lippen des Propheten alle seine Missetat von ihm genommen wurde. Derselbe Johannes Chrysostomus ordnete ferner, um jeden Gedanken daran fernzuhalten, daß eine solche Vereinigung von Leib und Blut ein Willkürakt des Priesters sein könne, an, daß im Augenblick ihrer Vereinigung warmes Wasser in das Gefäß gegossen werde, was die erwärmende Gnade des Heiligen Geistes symbolisieren soll, der da ausgegossen wird, um diese Vereinigung zu heiligen, woher auch der Diakon dabei die Worte spricht: „Die Wärme des Glaubens, erfüllet vom Heiligen Geiste!“ Beim Einschütten des warmen Wassers wird die Gnade des Heiligen Geistes herabgefleht, damit nichts ohne den Segen des Herrn dabei geschehe und auf daß die Wärme zugleich zum Sinnbild der Blutwärme diene und, indem sie sich jedem fühlbar macht, ihm zum Bewußtsein bringe, daß sie nicht aus einem toten Leib, dem ja kein warmes Blut entfließt, sondern aus dem lebendigen, lebenspendenden und lebenzeugenden Leibe des Herrn in ihn einströmt; denn er soll auch hierbei daran erinnert werden, daß auch der tote Leib des Herrn nicht von Seiner göttlichen Seele verlassen, daß er voll der Wirkung des Heiligen Geistes ist, und daß die Gottheit Sich nicht von ihm getrennt hat.

Nachdem der Priester zuerst selbst das Abendmahl genommen und es dann dem Diakon gereicht hat, steht der Diener Christi als ein neuer, durch das Sakrament der Kommunion von allen seinen Sünden gereinigter Mensch da; in diesem Augenblick ist er im wahren Sinn des Wortes ein Heiliger und würdig, anderen das Abendmahl zu reichen.