Indem alle in gleicher Weise aus der Liturgie Belehrung schöpfen und indem sie auf alle Glieder der Gesellschaft vom Zaren herab bis zum letzten Bettler gleichermaßen wirkt, spricht sie zu allen in gleicher Weise, wenngleich nicht in derselben Sprache, und unterweist alle in der Liebe, die da ist das Band der Gesellschaft, die innerste Triebfeder alles dessen, das sich harmonisch bewegt, und die Nahrung und das Leben von allem.
Wenn aber die heilige Liturgie schon, während sie zelebriert wird, so stark auf die Anwesenden wirkt, so ist ihre Wirkung auf den Zelebranten oder den Priester noch weit tiefer. Wenn er sie andächtig und mit Ehrfurcht, Glauben und Liebe zelebriert, so reinigt sich sein ganzes Wesen, gleich einem Gefäß, das später zu nichts mehr ...; und mag er nun den ganzen Tag erregt in der Erfüllung seiner zahlreichen seelsorgerischen Pflichten, inmitten seiner Familie, seiner Hausgenossen oder seiner Pfarrkinder zubringen, der Heiland selbst wird sich in ihm verkörpern. Christus wird in allen seinen Handlungen lebendig sein, und der Heiland wird durch seinen Mund zu uns sprechen. Ob er die Streitenden zu versöhnen oder den Starken oder den Zornigen zu bewegen sucht, Gnade gegenüber dem Schwachen zu üben; ob er den Trauernden tröstet und den Bedrückten zur Geduld ermahnt oder ... seine Worte werden von der heilenden Kraft des Balsams erfüllt sein und überall und allerorten zu Worten des Friedens und der Liebe werden.
Jugendschriften
1834
Großer, feierlicher Augenblick! Gott, wie rauschen, wie drängen sich in ihm die Wogen der mannigfaltigsten Gefühle zusammen! Nein, das ist kein Traum. Das ist die verhängnisvolle unvermeidliche Grenzscheide zwischen Erinnerung und Hoffnung ... Es gibt schon kein Erinnern mehr, schon schwindet es dahin, schon wird es von der Hoffnung zurückgedrängt. Zu meinen Füßen braust meine Vergangenheit; über mir, durch Nebelschleier hindurch, schimmert geheimnisvoll die Zukunft. Ich flehe dich an, Leben meiner Seele (mein Schutzgeist, mein Engel), mein Genius! Verbirg dich nicht vor mir! Wache in diesem Augenblick über mir und weiche dieses ganze Jahr, das für mich so vielversprechend beginnt, nicht von meiner Seite. Wie wirst du aussehen, du, meine Zukunft? Liegst du glanzvoll, groß vor mir, gärt es in dir von gewaltigen Taten, oder ... O mögest du ruhmvoll, tatenreich und ganz der Arbeit und der Ruhe gewidmet sein! Warum stehst du so geheimnisvoll vor mir, du [Jahr] 1834? Sei auch du mein Schutzengel. Sollten sich Trägheit und Gefühllosigkeit auch nur einen Augenblick erdreisten, sich mir zu nahen, — oh, dann wecke mich aus dem Schlummer, gib es nicht zu, daß sie Macht über mich gewinnen! Laß deine so vielsagenden Zahlen wie eine nimmer ruhende Uhr, wie mein Gewissen vor mir stehen: laß jede deiner Ziffern lauter denn eine Sturmglocke an mein Ohr tönen, laß sie gleich einem galvanischen Stab meinen ganzen Körper in Zuckungen versetzen und erschüttern.
Geheimnisvolles, unbegreifliches Jahr 1834! Wo werde ich dich durch große Werke kennzeichnen? Inmitten dieses Haufens aufeinandergetürmter Häuser, dieser lärmenden Straßen, dieser siedenden Geschäftigkeit — dieser Menge, dieses Durcheinanders aller möglichen Moden, Paraden, Beamten, dieser seltsamen nordischen Nächte, dieses Glanzes und dieser gemeinen Farblosigkeit? In meinem herrlichen, alten, gelobten, mit fruchtreichen Gärten geschmückten Kiew, das mein prachtvoller, wundersamer, südlicher Himmel überwölbt und das wonneatmende Nächte einhüllen, wo die Berge mit ihren schönen — man möchte sagen harmonischen — Hängen, und wo mein klarer, wild dahinstürmender Dnjepr, der es umspült, im Schmuck grünen Buschwerks prangt? — Wird es dort sein? ... Oh! Ich weiß nicht, wie ich dich nennen soll, mein Genius! Du, der du schon seit meiner Wiege im Vorüberfliegen mein Ohr mit deinen harmonischen Liedern trafst, der du solch herrliche, mir bis heute noch unbegreifliche Gedanken in mir erwecktest und solch unendliche wonnevolle Träume in mir nährtest! Oh, blicke mich an! Herrlicher, blicke herab auf mich mit deinen himmlischen Augen! Ich knie vor dir. Ich liege zu deinen Füßen! Oh, verlasse mich nicht! Verweile bei mir auf der Erde, wenn auch nur zwei Stunden an jedem Tage, als mein herrlicher Bruder! Ich will es vollbringen. Ja, ich werde es vollbringen. In mir kocht es und siedet’s vor Lebenskraft. Meine Werke werden von Begeisterung erfüllt sein. Die erhabene Gottheit, die über dieser Erde thront, wird über ihnen schweben. Ich werde es vollbringen ... Oh, küsse und segne mich!
Über eine Geschichte der kleinrussischen Kosaken
Es gibt bisher noch keine vollständige und befriedigende Darstellung der Geschichte Kleinrußlands und des kleinrussischen Volkes. Die zahlreichen kompilatorischen Darstellungen, die meist ohne strenge kritische Gesichtspunkte plan- und ziellos aus verschiedenen Chroniken zusammengetragen, dazu noch meist ganz unvollständig sind und durch die bisher diesem Volke sein Platz in der Weltgeschichte noch nicht angewiesen ward, diese Darstellungen nenne ich (trotzdem sie als Material ganz wertvoll sein können) noch keine Geschichte. Ich habe mich entschlossen, diese Arbeit auf mich zu nehmen und möglichst ausführlich darzustellen, wie dieser Teil Rußlands sich loslöste (und selbständig wurde), was für eine politische Verfassung er unter der fremden Herrschaft erhielt, wie sich hier eine kriegerische Bevölkerung heranbildete, die sich durch eine große Originalität des Charakters und durch ihre Taten auszeichnete; wie sich dieses Volk drei Jahrhunderte lang mit der Waffe in der Hand seine Rechte erobern mußte und hartnäckig seine Religion verteidigte, und wie es sich schließlich für immer an Rußland anschloß; wie es seinen kriegerischen Charakter verlor und sich in ein Volk von Ackerbauern verwandelte; wie sich das ganze Land allmählich statt der alten neue Rechte eroberte und endlich mit Rußland völlig zu einem Ganzen verschmolz. Ungefähr fünf Jahre lang habe ich mit großem Eifer Materialien gesammelt, die sich auf die Geschichte dieses Landes beziehen. Die Hälfte meiner Geschichte ist bereits so gut wie fertig, aber ich zögere noch, die ersten Bände herauszugeben, da ich vermute, daß es noch viele Quellen gibt, die mir vielleicht noch nicht bekannt sind, und die sich ohne Zweifel in den Händen von Privatpersonen befinden. Daher wende ich mich an alle die, die irgendwelche Materialien: Chroniken, Memoiren, Lieder, Erzählungen von Bandurenspielern, Aktenstücke (besonders auch solche, die sich auf die ersten Epochen der kleinrussischen Geschichte beziehen), besitzen (es ist unmöglich, daß meine gebildeten und aufgeklärten Landsleute mir diese Bitte abschlagen könnten). Ich bitte sie inniglich, mir diese Materialien zuzuschicken: wenn nicht die Originale, so doch wenigstens Kopien.