Die Ankunft einer neuen Person in dem gesegneten Lande Goltwjan machte mehr Aufsehen als das Gerücht, das vor zwei Jahren durch das Land ging, die Zahl der Rekruten solle vermehrt werden, oder als die plötzliche Erhöhung der Preise auf das Salz, das von den Steppenbewohnern der Ukraine aus der Krim eingeführt wurde. In den Schenken, auf den Straßen, in der Mühle, in der Branntweinbrennerei sprach man von nichts anderem als von dem neu hierher versetzten Lehrer. Die schlauen Politiker in ihren großen Kitteln und Kapuzen suchten, während sie mit höchst phlegmatischen Mienen dichte Rauchwolken unter ihrer Nase emporsteigen ließen, den Einfluß der Persönlichkeit festzustellen, der das Schicksal scheinbar schon bei der Geburt einen so hohen Platz über den Köpfen aller Bewohner der Welt angewiesen hatte, einer Person, die in den herrschaftlichen Gemächern wohnte und an einem Tisch mit der Besitzerin eines Gutes von fünfzig Seelen speiste. Man sprach davon, daß das Lehramt nicht seine ganze Befugnis ausmache, und daß sich sein Einfluß ohne allen Zweifel auch auf die wirtschaftliche Ordnung erstrecken werde; jedenfalls werde die Bemessung der Vorspanndienste, die Verteilung von Mehl, Speck usw. von keinem anderen abhängen als von ihm. Einzelne ließen mit bedeutsamer Miene durchblicken, daß nunmehr womöglich selbst der Verwalter zu einer bloßen Null herabsinken werde. Nur der Miroschnik, d. h. der Müller Ssolopi Tschubko, wagte die Behauptung aufzustellen, daß die Dorfältesten nichts von ihm zu befürchten hätten, er sei bereit, eine Wette einzugehen, und setze eine neue Mütze aus grauem reschetilowschem Lammfell zum Pfande —, daß der Lehrer keine Ahnung davon habe, wie man ein Fünfgespann zum Stehen und das stockende Mühlrad wieder in Schwung bringen müsse. Aber seine wichtige Haltung, sein glänzender Triumph über den Kirchensänger und die donnerähnliche Baßstimme, die alle Pfarrkinder in Rührung versetzt hatte, waren noch im Gedächtnis aller lebendig, und so blieb denn die vorteilhafte Meinung, die man von dem neuen Lehrer hatte, bestehen. Und wenn auch zu Ehren des Gastes kein einziges Turnier zwischen den angesehensten Bewohnern des Dorfes stattfand, so ließen sich dafür ihre liebenswürdigen Gattinnen nicht lumpen: begabt mit jener kräftigen Zunge, die so laute und durchdringende Töne hervorzubringen vermag und die sich bei den Weibern nach dem unerforschlichen Ratschluß der Vorsehung beinahe viermal so schnell bewegt wie bei den Männern, ließen sie ihr bei der Widerlegung der Angriffe und bei der Verteidigung der Vorzüge des Lehrers gewandt und behende freien Lauf.
Lautes Geschrei und Geplapper, unterbrochen von plötzlichen Aufschreien und Gezänk, erfüllte die friedlichen Winkelgassen des Dorfes Mandrykow. Und da seine ehrenhaften Bewohnerinnen die löbliche Gewohnheit hatten, ihrer Zunge auch noch mit den Händen nachzuhelfen, konnte man in den Straßen fortwährend ein Paar kräftig ineinander verkrallter Gevatterinnen antreffen, die so eng aneinanderhingen, wie ein Schmeichler an einem Günstling des Glücks hängt oder wie ein Geizhals seine Tasche festhält, wenn die Straßen öde werden und eine einsame Laterne ihr erlöschendes Licht auf die gelben Mauern der schlafenden Stadt wirft. Am meisten hatten jedoch die Männer zu leiden, die es versuchten, sie zu trennen: Schnitzel und Scherben hagelten ihnen auf den Kopf herab, und häufig verprügelte eine erregte Gevatterin in der Hitze ihres Zornes statt eines fremden ihren eigenen Gatten.
Inzwischen hatte sich unser Pädagoge völlig im Hause Anna Iwanownas eingelebt. Er gehörte zu der Zahl jener Seminaristen, die einen Schreck vor der abgründigen Weisheit bekommen hatten, mit der das ***sche Seminar die nicht allzu wohlhabenden Herren von Kleinrußland gegen etwa hundert Rubel jährlich für ihren Beruf als Hauslehrer ausstattet. — Übrigens war Iwan Ossipowitsch sogar bis zur Theologie vorgedrungen, und er wäre wohl gar weiß Gott wie weit, ja wahrscheinlich sogar noch weiter gekommen, wenn seine lockeren Kameraden nicht gewesen wären, die sich beständig über seinen Schnurrbart und seinen stacheligen Backenbart lustig machten. Als von Jahr zu Jahr ein Teil die Schule verließ und immer jüngere und jüngere an ihre Stelle traten, ließen sie ihm überhaupt keine Ruhe mehr: bald warfen sie ihm klebrige Disteln in seinen Bart und Schnurrbart, bald hängten sie ihm hinten am Rock Schellen an, bald puderten sie ihm das Haar mit Sand oder schütteten ihm Nieswurz in die Tabaksdose, bis Iwan Ossipowitsch es überdrüssig wurde, der stumme Zeuge dieses ewigen Wechsels leichtsinniger Generationen und ihr Kinderspielzeug zu sein, bis er sich genötigt sah, dem Seminar Lebewohl zu sagen und sich in die „Vakanz“ schicken zu lassen, d. h. nach dem Sprachgebrauch der kleinrussischen Seminare: Hauslehrer zu werden.
Diese Veränderung bildete eine wichtige Epoche und einen Wendepunkt in seinem Leben. An die Stelle der ewigen Spöttereien und Streiche seiner mutwilligen Kameraden trat nun endlich etwas wie Achtung, Anhänglichkeit und Sympathie. Mußte man denn auch nicht unwillkürlich Achtung vor ihm empfinden, wenn er an Festtagen in seinem hellblauen Rock dahergeschritten kam — wohlgemerkt im hellblauen Rock — denn das ist von nicht geringer Bedeutung. Ich sehe es als meine Pflicht an, den Leser darüber aufzuklären, daß ein Rock im allgemeinen (gar nicht erst zu reden von einem blauen), wenn er bloß nicht aus grauem Stoff gefertigt ist, in den Dörfern an den gesegneten Ufern der Goltwa einen ganz wundersamen Eindruck macht: wo er sich auch zeigt, da fliegen selbst von den trägsten und unbeweglichsten Köpfen die Mützen herab und begeben sich in die Hände ihrer Besitzer; selbst die würdigen mit schwarzen und grauen Schnurrbärten gezierten, sonnengebräunten Häupter beugen sich tief bis zum Gürtel. Die Zahl aller Röcke im Dorfe betrug — wenn man auch den Mantel des Kirchensängers mitrechnet — drei; aber so wie ein majestätischer Kürbis sich stolz aufbläht und alle übrigen Bewohner eines reichbepflanzten Melonenfeldes in den Schatten stellt, also verdunkelte der Rock unseres Freundes seine sämtlichen Mitbrüder. Was ihm den größten Reiz verlieh, das waren die Knochenknöpfe, die von den in Haufen auf der Straße stehenden Straßenjungen mächtig angestaunt wurden. Nicht ohne Vergnügen hörte unser stutzerhafter Erzieher der Jugend, wie die Mütter ihre Säuglinge auf die Knöpfe aufmerksam machten, und wie die Kleinen ihre Händchen ausstreckten und Zga zga Zga zga (d. h. gut, gut) lallten. Beim Mittagessen war es ein Genuß, zuzusehen, wie würdig und mit welcher Rührung unser ehrenwerter Lehrer mit vorgebundener Serviette die allgemeine Verrichtung irdischer Sättigung besorgte. Da gab es kein überflüssiges Wort, keine unnötige Bewegung; er schien sich völlig in seinen Teller zu verfügen und ganz in ihm aufzugehen. Wenn er ihn so gründlich geleert hatte, daß kein gastronomisches Gerät, als da sind Gabel und Messer, noch etwas vorfand, dessen es sich bemächtigen konnte, schnitt er sich ein Stück Brot ab, spießte es auf die Gabel auf und fuhr mit diesem Gerät noch einmal über den Teller, wonach dieser so blank und rein war, als käme er eben aus der Fabrik. Aber dies alles, kann man wohl sagen, waren nur äußere Vorzüge, die seine Kenntnis der Sitten und Formen der feinen Welt bezeugten, und der Leser würde sehr fehlgehen, wenn er hieraus schließen wollte, daß damit alle seine Gaben und Fähigkeiten erschöpft gewesen wären. Der würdige Pädagoge besaß für einen einfachen Mann geradezu unermeßliche Kenntnisse, von denen er einige für sich behielt, wie z. B. die Zubereitung einer Arznei gegen den Biß von tollen Hunden und die Kunst, bloß aus Eichenrinde und Salpetersäure die schönste rote Farbe herzustellen. Außerdem konnte er eigenhändig die herrlichste Stiefelwichse und Tinte herstellen und für den kleinen Enkel Anna Iwanownas Figuren aus Papier ausschneiden; und an Winterabenden wickelte er Garn auf und spann er sogar.
Ist es da wohl verwunderlich, wenn er sich bei solchen Gaben im Hause bald unentbehrlich machte, und wenn alle Knechte und Mägde völlig in ihn vernarrt waren, trotzdem sein Gesicht sowohl nach seiner Form wie nach seiner Farbe völlig einer Flasche glich, obwohl sein gewaltiger Mund, dessen dreisten Ansprüchen die abstehenden Ohren nur mit Mühe eine Schranke zu setzen vermochten, sich fortwährend verzog und verzerrte, indem er sich zu einem Lächeln zu zwingen suchte, und obwohl seine Augen eine hellgrüne Farbe hatten — zwei Augen, wie sie, soviel mir bekannt ist, in den Annalen der Romane noch nie ein Held besessen hat. Aber vielleicht sehen die Frauen mehr als wir? Wer will sie enträtseln? Wie dem auch sein mag, genug, auch die alte Dame, die Frau des Hauses, war sehr befriedigt von den Kenntnissen des Lehrers in den Geheimnissen der Haushaltung und von seiner Kunst, aus Safran und Herba rhabarbarum Schnaps herzustellen, sowie von seiner Geschicklichkeit im Entwirren von Garn und seiner großen Lebenserfahrung. Der Haushälterin gefiel am meisten sein stutzerhafter Rock und seine Kunst, sich zu kleiden; übrigens hatte auch sie bemerkt, daß der Lehrer eine wundersame gerührte Miene machte, wenn er zu schweigen oder zu essen geruhte. Dem kleinen Enkel machten die papierenen Hähne und Männchen außerordentlich viel Spaß. Selbst der zottige Browko pflegte ihm, sobald er ihn auf die Treppe hinaustreten sah, sofort zärtlich mit dem Schweife wedelnd, entgegenzulaufen und ihn ohne alle Förmlichkeit auf die Lippen zu küssen, wenn der Lehrer, die Würde, die seinem Amte gebührte, vergessend, sich unter dem majestätischen Giebel niederzusetzen beliebte. Nur die beiden älteren Enkelkinder und die Jungen, die zum Hause gehörten, mit denen er das A — Affe, Apfel, Be — Besen, Bild, Bär durchnahm, fürchteten sich vor der beredten, höchst ausdrucksvollen Rute des strengen Pädagogen.
Während seines kurzen Aufenthaltes am neuen Orte hatte Iwan Ossipowitsch schon selbst Zeit gefunden, seine Beobachtungen zu machen und sich in seinem Kopfe wie in einem Hohlspiegel ein kleines Abbild der ihn umgebenden Welt zu formen. Die erste Person, an der seine Beobachtungsgabe mit dem gebührenden Respekt haften blieb, war, wie der Leser sich wohl selbst denken wird, die Gutsherrin. In ihrem Gesicht, das der scharfe Pinsel, der das menschliche Geschlecht seit undenklichen Zeiten koloriert und den man, seit Gott weiß wie langer Zeit, mit dem Namen „Falte“ zu bezeichnen pflegt, nicht verschont hatte, in ihrer dunkelkaffeefarbenen Kapotte, in der Haube (deren Form in dem Gewirr der Ereignisse, die das achtzehnte Jahrhundert charakterisieren, verloren gegangen ist), in ihrem braunen Wams und den Schuhen ohne Hackenleder, erkannten seine Augen jene Lebensperiode wieder, die eine matte schwächliche Wiederholung der vergangenen, eine kalte farblose Übersetzung der Werke eines feurigen, von ewigen Leidenschaften glühenden Poeten ist, — jener Periode, wenn den Menschen nichts als die Erinnerung, diese Repräsentantin der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft übrigbleibt, wenn das verhängnisvolle siebente Jahrzehnt einem Kälte durch die einstmals von Feuer durchströmten Adern treibt und das Lebensthermometer unter den Gefrierpunkt sinkt. Übrigens belebten die ewigen Sorgen und die Passion, sich zu beschäftigen und sich zu schaffen zu machen, einigermaßen das schon erloschene Leben in ihren Zügen, und ihre Frische und Gesundheit waren ein sicheres Unterpfand, daß ihr noch weitere dreißig Jahre des Lebens bevorstanden. Die ganze Zeit von fünf Uhr morgens bis sechs Uhr abends, das heißt bis zur Stunde, wo man sich Ruhe zu gönnen pflegt, bildete eine ununterbrochene Kette der Tätigkeit. Bis sieben Uhr morgens hatte sie bereits alle Räume besucht und den ganzen Haushalt durchmustert: Küche, Keller und Vorratskammern; sie hatte Zeit gefunden, sich mit dem Verwalter zu zanken und die Hühner und Gänse eigener Zucht, für die sie eine große Vorliebe hatte, zu füttern. Vor dem Mittagessen, das nie später als um zwölf Uhr stattfand, blickte sie in die Backstube hinein und half selbst beim Backen von Brot und einer besonderen Art von Brezeln aus Honig und Eierteig, deren bloßer Geruch den Pädagogen in eine unerklärliche Aufregung versetzte; besaß er doch eine leidenschaftliche Sympathie für alles, was der geistigen und physischen Natur der Menschen zur Nahrung dient. In der Zeit zwischen Mittagessen und Abend gibt’s für eine Hausfrau genug zu tun. — Da gibt’s Wolle zu färben, Leinwand abzumessen, Gurken einzusalzen, Früchte einzumachen, Liköre zu süßen. Wieviel Methoden, Geheimnisse und Hausrezepte kommen während dieser Zeit zur Anwendung! Dem aufmerksamen Auge unseres Pädagogen konnte es nicht entgehen, daß auch Anna Iwanowna die Eitelkeit nicht ganz fremd war, und daher machte er es sich zur Regel, sich, freilich nur soweit ihm dies seine angeborene Schüchternheit erlaubte, in Lobeserhebungen über ihre außergewöhnlichen wirtschaftlichen Künste und Fähigkeiten zu ergehen, und dies wurde ihm, wie er später erfuhr, von großem Nutzen. Die würdige alte Dame verschloß die süßen Liköre und die Gläser mit Eingemachtem nicht eher, als bis Iwan Ossipowitsch davon gekostet und die außerordentliche Güte des einen wie des anderen gerühmt hatte. Alle übrigen Personen standen im Schatten, verglichen mit diesem leuchtenden Gestirn, so wie alle Gebäude im Hofe vor dem herrlichen Bau mit dem prachtvollen Portal in den Staub zu sinken schienen. Nur dem Auge eines scharfsinnigen Beobachters enthüllten sich ihre gegenseitigen Beziehungen und das besondere Kolorit, das jedem eigentümlich war, und dann erblickte er, fast wie in einem Ameisenhaufen, eine ewige Unruhe und Bewegung und er vernahm ein fortwährendes Geräusch, das keinen Augenblick verstummte. Unser Pädagoge verstand es, wie wir bereits gesehen haben, es jedem recht zu machen und sich gleich einem mächtigen Zauberer dauernd die allgemeine Achtung zu erwerben.
Gänzlich unbegreiflich waren allein die Gründe, die ihn veranlaßt hatten, sich dem Küchenmeister anzuschließen. War es die hohe Achtung, die Iwan Ossipowitsch unwillkürlich vor seiner Kunst empfand, oder war es irgendein anderer Umstand — das wagen wir nicht zu entscheiden. Genug, es vergingen keine zwei Tage, da erstanden Mandrykow zwei Dioskuren, der Orest und Pylades der neuen Welt. Aber noch unbegreiflicher war die Macht, die der Küchenmeister über unseren Pädagogen besaß, so daß der von Natur so bescheidene und schüchterne Lehrer, der nichts in den Mund nahm außer einem medizinischen Dekokt von Betonica und Herba rhabarbarum, ihm unwillkürlich in die Schenken und überallhin zu folgen begann, wo der verbummelte Küchenmeister seine Nase hineinsteckte. Iwan Ossipowitsch gefiel die romantische Lage der Gegend, in der er sich aufhielt. Bald hatte er die Küche, die Speicher, die Scheunen, die Ställe und Vorratskammern, die einen unregelmäßigen Kreis um den geräumigen Herrenhof bildeten, besichtigt; mit besonderem Vergnügen verweilte er bei dem Garten, der üppig in die Breite geschossen war und dessen gigantische Bewohner, in ihre dunkelgrünen Mäntel gehüllt und von wundersamen Traumgestalten umschwebt, dastanden und schlummerten oder, sich plötzlich ihren Träumen entreißend, die unbotmäßige Luft wie Windmühlenflügel durchschnitten, und dann ging es wie ein unverständliches Geflüster durch das Blattwerk, und die gemessene majestätische Bewegung ihres ganzen Körpers gemahnte an die alten Mimen, die die großen Schatten der Verstorbenen auf den Gerüsten Melpomenes heraufbeschworen. Aber die Augen unseres Lehrers suchten ihr Objekt und hafteten mehr an den weniger majestätischen Gartenbewohnern, die dafür von unten bis oben mit Birnen und Äpfeln behangen waren, von denen die üppige Ukraine förmlich strotzt. Von hier aus kämpften sie sich bis zur Küche durch, hinter der zogen sich Plantagen von Erbsen, Kohl, Kartoffeln, sowie aller Kräuter hin, die in die Apotheke der Dorfküche gehören. Nicht ohne besonderes Vergnügen betrat er das reine, sauber geweißte und aufgeräumte Zimmer, in dem er nun wohnen sollte, mit dem Fenster, durch das man auf den Teich und die in violette Nebel gehüllte Landschaft hinaussah.
Wir hatten bereits Gelegenheit, etwas über den Eindruck, den unser Lehrer auf die Schönen von Mandrykow gemacht hatte, zu bemerken: die gesenkten Augen, das Geflüster und die tiefen Verbeugungen ließen erkennen, daß seine Eroberung einer jeden von ihnen als keine geringe Angelegenheit erschien. Übrigens ist es hier wohl am Platze, den freundlichen Leser daran zu erinnern, daß Iwan Ossipowitsch einen Rock aus blauem Fabrikstoff mit schwarzen Knochenknöpfen von der Größe eines mächtigen Groschens anhatte; und so war es sehr verzeihlich, wenn er sich das Augenblinzeln der schwarzbrauigen Schelminnen zu seinen Gunsten auslegte. Zum Glück oder Unglück jedoch suchte das Gefühl, das der armen Menschheit so gut bekannt ist und ihr seit undenklichen Zeiten ein wahres Meer von unerträglichen Qualen beschert hat, unseren Pädagogen nicht heim. In diesem Punkte war Iwan Ossipowitsch ein echter Stoiker, und obwohl er noch nicht bis zur Philosophie vorgedrungen war, wußte er doch genau, daß keiner der Philosophen von Seneca und Sokrates bis herab zum Lektor des ***er Gymnasiums die wunderliche Hälfte des Menschengeschlechts für nichts achtete: ergo gab es keine Liebe. An solchen Prinzipien, die bei ihm schließlich die Festigkeit von Grundsätzen angenommen hatten, hielt er sehr fest, ja allzu fest ... Homo proponit, Deus disponit pflegte der Lektor des ***er Gymnasiums häufig zu sagen, indem er die Schläge zählte, die er seinen faulen Schülern mit dem Lineal verabreichte; daher werden wir auch im folgenden Kapitel einen kleinen Umstand kennen lernen, der die Philosophie unseres Lehrers heftig erschütterte und seinen Verstand mit einer ganzen Wolke von Mißverständnissen bestürmte, ihn, der bisher unbeugsam in den Fußstapfen seiner großen Lehrmeister gewandelt war und sich mit regelmäßigem Pulsschlag in seiner flaschenförmigen Sphäre bewegt hatte.
II.
Der Erfolg der Gesandtschaft
(Der Küchenmeister entschließt sich trotz der eigenen Herzenswunde, die er sich ganz plötzlich durch den Anblick der sich am Teiche waschenden Katerina zugezogen hat, das Versprechen, das er dem Lehrer gegeben hat, einzulösen und den Gesandten und Fürsprecher seiner Leidenschaft zu spielen. In dieser Absicht begibt er sich in die Hütte des Kosaken Charjka Potyliza.)