„Das ist schon ganz richtig; indes, ich weiß wohl, daß es dich freut, und sogar sehr freut, daß der Lehrer auf den Einfall gekommen ist, dir nachzulaufen.“

„Das sollte mich freuen? Hör’ mal, Onißko: wenn du das sagst, um dich über mich lustig zu machen, so wirst du wenig Nutzen davon haben. Du solltest dich schämen, ein armes Mädchen schlecht zu machen! Wenn du aber wirklich so denkst, so bist du wahrhaftig der dümmste Mensch im ganzen Dorfe. Gottlob, ich bin noch nicht blind, Gott sei Dank, bin ich noch bei Verstande ... Aber das hast du sicherlich nicht umsonst gesagt: ich weiß wohl, etwas anderes hat dich dazu veranlaßt. Du hast wohl geglaubt ... Nein, du bist ein schlechter Mensch.“

Bei diesen Worten wischte sie sich mit dem gestickten Hemdärmel eine Träne aus dem Gesicht, die plötzlich in ihrem Auge aufblitzte und ihr über die glühende Wange rollte, wie eine Sternschnuppe den warmen Abendhimmel hinunterschießt.

— Hol’ der Teufel alle Lehrer der Welt! dachte Onißko bei sich, indem er das glühende Gesicht Katerinas betrachtete, auf dem das Lächeln von vorhin lange Zeit mit dem Ärger kämpfte, um ihn schließlich gänzlich zu verscheuchen.

„Der Donner treffe mich hier auf der Stelle!“ rief er endlich aus, da er seine innere Erregung nicht mehr unterdrücken konnte, und umfaßte ihre rundliche Taille. „Der Donner treffe mich, wenn es mich nicht ebenso freut, daß du Iwan Ossipowitsch nicht liebst, wie den alten Browko, wenn ich ihm sein Spülwasser bringe.“

„Wirklich, auch ein Grund, sich zu freuen! Du wirst wohl noch mehr grinsen, wenn du erfährst, daß fast alle Mädchen im Dorf dasselbe sagen.“

„Nein, sag’ das nicht, Katerina. Die Mädchen haben ihn lieb. Neulich gingen wir beide zusammen durch das Dorf, da steckten sie fortwährend ihre Köpfe über den Zaun, wie Frösche aus dem Sumpfe. Wir guckten nach rechts — da waren sie schon wieder verschwunden, aber zur Linken, da streckte wieder eine andere ihr Köpfchen vor. Doch hol’ sie der Teufel alle mitsamt dem Lehrer! Ich gäbe ein Viertel vom besten Branntwein dritter Güte dafür, wenn ich von dir erfahren könnte, Katerina, ob du mich auch nur für einen Groschen liebhast?“

„Ich weiß nicht, ob ich dich liebe; ich weiß nur, daß ich um alles in der Welt keinen Trunkenbold heiraten möchte. Wer mag mit so einem zusammenleben? Wie traurig ist das Los einer Familie, aus der solch ein Mensch stammt; man mag gar nicht in die Hütte hineinschauen: da gibt’s nichts zu sehen als Armut und Elend, die Kinder hungern und weinen. Nein, nein, nein! Gott behüte! Mich schaudert’s schon beim bloßen Gedanken daran! ...“

Und Katerina warf ihm einen langen, tiefdringenden Blick zu. Gebeugten Hauptes und wie ein Verdammter saß der Küchenmeister in seine Vergangenheit versunken da. Schwere Gedanken, Ausgeburten geheimer Gewissensnöte, gruben tiefe Spuren in sein Gesicht und bewiesen deutlich, daß ihm nicht allzu heiter zumute war. Der durchbohrende Blick Katerinas schien sein ganzes Innere zu versengen und brachte alle ungestümen, wilden Streiche ans Licht, die in einer langen, nie endenden Reihe an ihm vorüberzogen.

„Wahrhaftig, was bin ich für ein Mensch? Wer mag mit mir leben? Ich liege bloß meinem Pan auf dem Halse. Habe ich bisher etwas getan, wofür mir ein guter Mensch gedankt hätte? Ich habe nur immer gebummelt und gebummelt! Und habe ich auch nur einmal so gebummelt, daß Herz und Seele sich dabei wohl fühlten? Man betrinkt sich wie ein Hund und wird wieder nüchtern wie ein Hund, wenn andere einem nicht in noch peinlicherer Weise den Rausch austreiben. Nein, hol’s der Teufel ... es ist ein Hundeleben, das ich führe!“