Die schöne Katerina schien seine philosophischen Betrachtungen, die er bei sich selbst anstellte, zu erraten; sie legte ihm ihr braunes Händchen auf die Schulter und murmelte halblaut: „Nicht wahr, Onißko, du wirst nie mehr trinken.“
„Nie wieder, mein Herzchen, nie wieder! Mag kommen, was da will! Für dich könnte ich alles tun.“
Das Mädchen sah ihn gerührt an, und der Küchenmeister schloß sie begeistert in seine Arme und bedachte sie mit einem wahren Hagelschauer von Küssen, wie ihn der ruhige und gemütliche Gemüsegarten schon lange nicht erlebt hatte.
Kaum aber hatte der Laut der verliebten Küsse die Luft erschüttert, als eine helle, durchdringende Stimme furchtbarer als das Grollen des Donners das Ohr des sich zärtlich liebkosenden Paares traf. Der Küchenmeister sah auf und erblickte zu seinem Entsetzen die auf dem Zaune stehende Ssimonicha.
„Herrlich, vortrefflich! Feine junge Leute das! Bei uns im Dorfe weiß man noch nicht, wie Burschen und Mädel sich küssen, wenn der Vater nicht zu Hause ist! Herrlich! Das ist mir ein nettes Mandrykowsches Lämmchen! Man sage nun noch, das Sprichwort: ‚Stille Wasser sind tief‘ lüge. So also treibt man’s. Solche Streiche macht ihr! ...“
Mit Tränen im Auge mußte sich das schöne Mädchen in die Hütte zurückbegeben, wußte sie doch, daß sie den giftigen Reden der Schenkenbesitzerin nicht anders entgehen konnte.
„Wenn dir doch jemand ein Schloß vor den Mund hängte, alte Hexe!“ sagte der Küchenmeister. „Was geht denn dich das an?“
„Was mich das angeht?“ fuhr die unermüdliche Schankwirtin fort. „Das ist noch schöner! Die Burschen machen sich einen Spaß draus, über den Zaun und in fremde Gärten zu klettern, die Mädchen locken die Burschen zu sich herein — und das sollte mich nichts angehen! Sie liebäugeln und küssen sich — und das sollte mich nichts kümmern! Hast du’s gehört, Karno?“ schrie sie plötzlich auf, indem sie sich schnell umdrehte und an einen vorübergehenden Bauern wandte, der, ohne auf etwas zu achten, mit einer langen Rute fuchtelnd, daherkam, gefolgt von einer ebenso langsam einherschreitenden Kuh. „Hast du’s gehört? Steh doch einen Augenblick still. Was das für eine Geschichte ist! Charjkas Tochter ...“
„Pfui Teufel!“ schrie der Küchenmeister, indem er zur Seite spuckte und völlig die Geduld verlor. „Der Teufel selbst hat sich vermummt und die Gestalt dieses Weibes angenommen. Warte nur, Hexe! Ich werde schon Gelegenheit finden, dir’s heimzuzahlen!“
Und der Küchenmeister setzte seinen Fuß auf den Zaun und war einen Augenblick später im Garten des Herrn.