Seine Buben aber sahen zuerst das schwarze Gäulchen seitab stehen und rannten zu ihm hin und streichelten es.
Und auf einmal beginnt die kleine Gesellschaft zu rennen, und das Gäulchen schießt wie toll mitten in die Menge hinein, daß alles vor solcher Wut auseinanderstiebt und Platz macht. Der Erzähler dachte, seine Buben hätten das Tierchen etwa gefoppt, aber das war nicht so. Er hört, wie die bunte Dame einen Schrei ausstößt, herzzerreißend schier, wie Frauen ja schreien können, sieht sie vom Schimmel hüpfen, sieht sie auf das Räppchen losstürmen und sieht sie umarmen und küssen und immer wieder küssen.
„Dauphin, Dauphin!” ruft sie, breitet die Arme weit aus, spreizt die Finger und schreit:
„Da guck, mein Schatz, Granaten hab' ich gedreht, Granaten! Und du?”
Die Leute sind bestürzt und kommen näher hinzu zu diesem seltsamen Wiedersehen, das sie sich alle nicht erklären können. Die Dame aber verlor sich in ihrer Freude oder in ihrem Schmerz gänzlich und sagte, ohne sich um die Menschen zu kümmern:
„Mein Bräutigam, Dauphinettele, weißt du, mein König, dein König, er ist der einzige König, der gefallen ist!”
Man schwieg ringsum; man sah bestürzt zu der so fröhlich gekleideten Frau und schwieg irgendwie gerührt. Die Frau aber nahm das Gäulchen von seinem Wagen weg, band ihm ein Seil ans Halfter, und siehe da: sogleich beginnt dies, wie wenn's gar nicht anders sein könnte, im Kreise zu trippeln und nickt mit dem Kopf und niest vor Freude. Die Umstehenden, die das Räppchen kannten, jubelten ihm zu, und ein Bursche, dem es offenbar gehörte, kam aus dem Bahnhof gerannt mit einer schweren Rolle Stacheldraht auf den Schultern, ließ den Draht fallen und trat zur Dame in den Kreis, um auch dabei zu sein.
„Komm her, mein Schatz!” befahl die Dame, und sogleich kam das Tierchen zu ihr und scharrte auch schon mit dem linken Vorderhuf.
„À genoux!” schrie sie nun, aber sie schrie es nicht zum zweitenmal, denn sie küßte das Kerlchen schon wieder auf seine weiße Blesse und sagte dann zu ihm und zu dem Bauernburschen:
„Geh heim in deinen Sonnenschein, Sonnenschein du! Nimm mich mit, nimm mich mit!”