Es geschah, daß der Erzähler und seine Familie, die Buben links und rechts beim kleinen Gaul, mit dem Bauernburschen und mit der bunten Dame gemeinschaftlich den Berg hinanschritten, und daß er mit seiner Familie in den Stall zum Bauern Klaus kam und daselbst ganz oben im Dachstübchen Wohnung nahm bis zum letzten Ferientag. Die Dame hatte es nicht so gut und mußte schon am nächsten Tag mit ihrer Seiltänzertruppe weiterziehn!
Riesele schloß rasch Freundschaft mit den beiden Buben und machte sie dem Fräulein Trudel, dem Herrn Gustav, dem Herrn August, sowie allen Dorfkindern ebenso rasch zu Freunden, aber auch allen Erwachsenen und allen Tieren und dem Wald, den Wiesen, dem rauhen Bergwind und der lieben Frau Sonne.
Als der Großbauer Michael seine riesigen Erbsenfelder einerntete, stand das ganze Dorf auf den Aeckern, Buben und Mädchen, Männer und Frauen kunterbunt durcheinander, weithin in langen Reihen aufgelöst, und auch der Erzähler befehligte eine Rotte und führte sein Büchlein zwischen den Knöpfen des Rockes gleich dem Herrn Lehrer und gleich dem Herrn Pastor und gleich Cornel, dem geliebten Sauhirten. Hättet sehen sollen, wie hochbeladen das Riesele die Maschensäcke auf seinem Wägelchen liegen hatte! Hättet sehen sollen, wie die Stadtbuben Friedemann und Klaus im Schweiß ihres Angesichtes mit diesem Fuhrwerk unausgesetzt an den Bahnhof eilten und wieder kamen und aufluden!
Ach Gott, als die Ferien zu Ende waren, wollte der kleine Klaus das Riesele mitnehmen in die graue Stadt!
Der Erzähler aber, der Vater, anstatt das Riesele zu kaufen, setzte sich, wenn er müd vom Dienst war, des Abends hin und schrieb für seine Buben die Geschichte ausführlich nieder, freilich auch für andere Buben und für andere Leute, und im nächsten Jahr, wenn die Ferien beginnen, wird er, wenn's möglich ist, wieder zum Bauern Klaus hinter die Berge gehen, dessen Brot zu genießen, dessen Arbeit zu teilen, dessen Sonne einzuheimsen und manch wackeres Wort.
Nikolaus Schwarzkopf
Maria vom Rheine
Erzählung