„Guck, das hat mir mein Lehrer gemacht!”

Sie trug aber ein Stückchen Kreide in der Hand und machte nun dem Mutterpferd auch eine Blesse, dann Sapperlott, dem Hasenvater, der in der Reife seiner Jahre geduldig standhielt, dann den jungen Geislein, die noch keine Hörner hatten, dann der Stalltür und den zwölf Steinstufen der hohen Treppe, der Haustür, dem Küchentisch und schließlich gar den eisernen Kochhäfen, die in Reih und Glied hochangefüllt mit Kartoffeln auf dem kalten Herde standen. Und über jeden Fleck malte Trudel ein großes R.

Als die Mutter aus dem Garten, der hinterm Hause lag, hervorkam, um den Herd zu heizen, sah sie, was ihr Mädchen gemacht hatte, und da sie eine rechte Kindsmutter war, lachte sie über den sinnigen Unsinn und ließ sich selber eine Blesse auf die Stirn malen. Bald qualmten die Kartoffelhäfen, und der Schwarm des Dampfes stieg überm Herde auf, an der dunklen Decke hin, vorüber an der Mückenleimampel, die da pendelte, und hinaus durchs offene Fenster.

Es geschah, daß die Buben und alle Buben des Dörfchens mit dem Namen Räppchen nicht mehr zufrieden waren und sich auf einen anderen Namen besannen. Während der Pausen auf dem Schulhof, während man im Badloch zu schwimmen versuchte, plätscherte man eifrig die schönsten Namen übers Wasser hin, und Trudel, das Kind, hatte seine liebe Not! Es wollte sein Gäulchen „Richard” nennen, „Richardele”, aber die Buben spotteten und hörten sie nicht einmal an!

Da standen sie wieder beisammen, die Herrn Buben, standen mit ihren Reifen im Stall und waren keine Minute mehr zurückzuhalten, die Gassenbuben!

„Na Trudelein,” sagte der eine, „solls Räppchen immer noch Richardele heißen?” und er lachte, und alle Buben lachten mit ihm.

„Weißt,” sprach August, „ein schwarzer Gaul kann nicht Richard heißen!”

„Warum denn nicht?” fragte sie dagegen, „warum denn nicht?” Und sie nahm ihr Däumchen in den Mund und schmollte.

„Und dann, Trudel, das mußt du verstehen, das verstehst du aber noch nicht,” so sagte ein anderer, der an einer gelben Rübe kaute, „Richard ist doch ein Bubenname!”

Alle lachten sie frech, und Trudel weinte laut heraus.