„David wurde auch erhöht, David wurde auch König!” rief ein Großer dazwischen.

„Wurde auch König,” wiederholte der Geistliche, „David wurde auch König, freilich, und was für einer! Aber: welcher von den beiden gefällt dir nun am besten, der aus Aegypten, der zuerst leiden mußte, oder der von den Fluren Bethlehems, der niemals litt und immer siegte und sang und Flöten blies und Harfen schlug?”

Die Kinder zischelten; aus den neun Bänken schossen die Finger wie Pfeile gegen des Pfarrers Antlitz, und mitten in dem Gezisch schlug plötzlich ein kleiner Mädchenkopf knallend auf die Bank: das Trudelchen heulte laut auf und schnippste und holte den Schürzzipfel an die nassen Augen. Der Pfarrer trat zu ihm hin, ergriff sein Händchen und sagte:

„Was ist los, Trudel? Komm, los! Sag mir's rasch?”

Das Kind erhob sich nicht, sondern rief mitten in seine Tränen hinein:

„Das Riesele soll David heißen, nein, Joseph, Joseph soll es heißen!”

„Na, wie soll's nun eigentlich heißen, Trudel?”

Das Kind begann, aus seinen Tränen zu lachen, erhob sich, sah dem Pfarrer über die Maßen vertraut ins Gesicht und sagte:

„David!!”

„David?” antwortete der Pfarrer, „es soll König werden, ohne daß es zuvor von seinen Brüdern wäre verkauft worden; es soll sich immer nur freuen, ohne daß es gelitten hätte! Ihr Großen dahinten: wie ist's mit König David gewesen: hat er schließlich nicht auch sein Bündelchen zu tragen gehabt?”