Ungeheure Schenkel hatte dieser Gaul! Ueber den Knien wulsteten die Muskeln hervor wie Halbkugeln, und dann begann eine Fülle von gestrafftem Fleisch sich hinaufzubiegen, die in ihrer Fuchsröte den dunklern Schweif, der sehr kurz und zerfranst war, fast völlig in sich einbettete. Beinahe etwas zu wenig dick zog der Bauch nach den Vorderbeinen hin, gleichmäßig rund wie eine Walze, und vom rechten Vorderbein her ästelte eine Ader, dick wie ein Bauerndaumen nach oben und unterm Bauche her. Unten erhöhte sich das Rot zu einem überschmutzten Weiß, das sich gegen die Brust ergoß und zwischen den Beinen auf den stets federnden Brustmuskeln sich wieder verlor. Gerade wie Don Quichotes Beinschienen strafften die Muskeln dieser Vorderbeine nach unten, mehr Sehne als Muskel, von keinerlei Fettansatz verhunzt, von keinem warzigen Auswuchs verunstaltet, und die Hufe breiteten sich unter dem schmalen Zehengelenk, das scheinbar schwach aussah wie ein Brückenbogenaufsatz, kurz, straff, gepackt und fast rechtwinkelig zur Erde. Ueberaus zierlich standen diese Hufe da, kaum größer als die des Riesele.
Riesele aber hatte seine Freude an des Fuchses Hals! Es konnte und durfte mit seinen Lippen über die blanke Glätte hintasten, es konnte und durfte längshin die Rinne beschnuppern, die sich von der Brust bis an die Backen des Kopfes erstreckte, es konnte und durfte an der kurzen Mähne, die bald nach links, bald nach rechts äußerst zerzauselt herabhing, mit den Lippen, mit den Zähnen, mit der Zunge gar herumschmecken.
Riesele merkte bald, wie der große Freund Freude hatte an den kindlichen Schmeicheleien! Es schmarotzte auch an seinem Kopf herum: es biß mit seinen Milchzähnchen an den festen Nüstern, es leckte gar an die Zähne hinein, es schabte mit der Nase seitlich an die sehnigen Backen, wo Aederchen zitterten aus Zorn über die harten Halfterriemen, die da angeschnürt waren. Ha, wenn der Große den Kopf herniederbog, wenn der Hals hinter den Kinnbacken sich einfältelte wie ein Kinderkleid, ha, da boten sich dem Kleinen zwei Lichter dar, links eins, rechts eins, zwei Börnchen lebendigen Wassers, zwei wogende Schalen, in denen Kraft und Uebermut und Liebe und Schönheit fluteten, daß es dem Kinde angst und bange ward und warm ums junge Herz und bockelig vor Freude. Von der Stirn her quirlte ein angeknäulter Haarschopf gegen die Augen, die er aber nicht verdecken konnte, und die aufgespitzten Ohren hatten Mühe, sich aus diesem Quirle zu erheben.
Was für eine seltsame Freude war das doch in Rieseles Herz!
Aneinandergekoppelt schritten die zwei ungleichen Gesellen quer durch eine große Stadt und beschlossen ihre Wanderung an einem grauen Zelt, das neben anderen größeren Zelten auf einer Wiese stand. Kinder liefen an gelbgestrichenen Wagen umher, lüfteten die Zelttücher und sahen hinein, und Hunde bellten an ihnen herum, bissen aber nicht!
Die beiden Freunde mußten ein Weilchen warten, bis sie hinein durften ins Zelt. Sie standen vor einer Reklametafel, die ganz bedeckt war mit buntigen Tieren, mit Pferden, Tigern, Löwen, Elefanten und mit drei ganz kleinen Gäulchen, die Ball miteinander spielten. Sie besahen beide diese Herrlichkeiten! Der Fuchs regte sich nicht; selbst die vielen Kinder, die sich um sie herstellten, ließen ihn nicht aufmerken!
Ein kleines Mädchen scheuchte mit seinem dicken Muff nach des Fuchses Kopf, aber der Fuchs verzog keine Miene. Starr hafteten seine Augen an den grellen Farben der Holztafel.
Riesele aber konnte die Ruhe nicht bewahren! Sei es, daß die Kinder das kleine Gäulchen verwirrten, da sie ohne jede Scheu seinen Hals streichelten und seinen Rücken, sei es, daß das Kerlchen von dem, was auf der Tafel dargestellt war, ein Ahnen hatte, eine Lust, mit den drei Kleinen zu spielen, eine Ungeduld, hier angekoppelt sich begaffen lassen zu müssen!
Eine Sacktür öffnete sich! Riesele ward hineingezogen, der Fuchs kam hinter ihm drein. Warm war's hier, es roch nach Pferden, aber auch nach anderen Tieren! Löwen lagen hinter starken Gittern, ließen die Pranken heraushängen und blinzelten mit den Augen. Ein alter Affe lauste sein Junges. Und weiter hinten erst standen die Pferde! Ein Junges soff an seiner Mutter, etliche ganz kleine Gäulchen lagen wie Geschwister auf einem Häufchen und pflegten der Ruhe. Das Allerkleinste, viel kleiner als Riesele, war weiß und hatte hellrote Flecken am ganzen Körper. Die drei auf dem Häufchen sahen, ohne die Köpfe zu erheben, den Ankömmling an. Dieser verspürte Lust, mit ihnen zu spielen, und strebte nach ihrem Verschlag, mußte aber etwas weiter zurück in dem Stall. Der Fuchs hatte schon seinen Platz bei vielen Gäulen gleicher Größe, doch schien er stärker als alle.
Es dauerte nicht lange, so gab's reges Treiben im Stall. Eine Dame brachte den Löwen Fleisch und streichelte sie und nannte den einen Mäuschen, den anderen Herzblatt, den dritten Rapunzel, den vierten Kasimir Edschmid. Burschen kamen, sattelten, äußerst bunt, etliche der großen und alle die kleinen Pferde, und eine Mannsstimme rief irgendwoher: