„Da guck, da guck! Dauphin, verfluchtes Sauvieh, guck dir den Jochem an!”

Er setzt Jochem auf Dauphins Rücken, und der ganze Zirkus ist im siebenten Himmel. Dauphin trabt einher, eine kleine Tänzerin hoppst herbei wie ein Flugzeug, das angekurbelt ist, schwingt sich auf Dauphins schmalen Rücken, nimmt das Kindchen auf den Schoß und reitet so dahin, wirft's in die Luft, fängt's wieder, küßt es, drückt es an sich und jauchzt wie die Menschen hinter den Bergen vor Freiluft und Freude. Wer jauchzt da mit? Wer schweigt da noch?

Dauphin, Dauphin, du hättest die Freude der Freiluft schon vergessen?

Ha, Dauphin streckt, indes er wacker weiterläuft, den Kopf weit nach vorn und stößt einen Schrei aus, der seltsam klingt wie eine Schalmei aus Weiden, wie ein Hirtenlied auf der „Zeil”.

Nur ein Viertelstündchen währt das fröhliche Zwischenspiel, die kleine Tänzerin seilt sich an, klappst Dauphin auf den Schenkel und sagt:

„Fort, Kleinzeug, mach' morgen deine Sache besser!”


XI

Dauphin machte am nächsten Tage seine Sache wieder besser, wie er überhaupt ein gelehriger Schüler war! Allein trotz aller Gelehrigkeit, trotz alles besten Willens geschah es sehr oft, daß Dauphin die große und die kleine Peitsche zu verspüren hatte, und wenn die Menschen, da er seine Errungenschaften ihnen darbot, Freude empfanden an ihm, wenn die Kinder ihn bejubelten mit ihren kleinen Händen, so dachten sie nur selten daran, daß hinter dieser Stellung vielleicht hundert Geißelhiebe staken, daß dieser so überaus lustige Sprung vielleicht tausend Geißelhiebe beansprucht hatte! „Mit Wunden ganz bedecket”, zerschlagen, zerschunden an Leib und Seele kam Dauphin oftmals in die fröhliche Arena, aus den Händen der Häscher, aus dem verruchten Lederriemengesicht des Direktors in die überzuckerte freundliche Miene des Abends angesichts der Menschen, die ergötzt sein wollten! Hundert Stunden höchste Qual für ein Viertelstündchen Menschenbelustigung! Hundert Stunden Erniedrigung für ein Viertelstündchen kleinfrohe Menschenlaune!