XIV
Nach einigen Tagen kam der Direktor wieder als Soldat und hatte einen Herrn bei sich, dem Dauphin auf den ersten Blick ansah, daß er ein gildiger Zirkusmann sei. Er gab Dauphin gleich vertraut ein Stück Zucker, was diesem durchaus nicht schmecken wollte. Und am Abend nahm der neue Direktor Dauphin mit sich in die Eisenbahn, und sie fuhren eine Nacht und einen Tag lang durch unbekannte Gegenden nach Berlin.
Wie sie da aus dem Bahnhof heraustreten, auf die Friedrichstraße, schieben sich viele Schwadronen kleiner, magerer Pferdchen, endlos wie die Friedrichstraße, zwischen gaffenden, jubelnden Menschenmassen hin. Sie ziehen schwere und leichte Kanonen und sind vollauf gerüstet, wie einst Wallenstein gerüstet war.
Keinem dieser Gäulchen stand Dauphin an Muskelkraft nach! Dauphin riß an seinem Zügel und wollte seinem schmeichlerischen neuen Herrn entlaufen, wollte zu einem der Soldaten hinlaufen und wollte seinen fleißigen Brüdern ziehen helfen.
Dauphin schien etwas von der arbeitsreichen, uniformierten Zeit zu ahnen und widersetzte sich auf dem Weg, solange er Russenpferdchen sah, seinem Zirkusdirektor, so sehr er konnte. Dauphin verlor die ungeheure Masse der Pferde nicht mehr aus dem Herzen, und noch in der Nacht zogen sie, sichtbar seinen Augen, von Soldaten geführt, an ihm vorüber.
Andern Tages begann wieder die Dressur; er sollte umlernen, Neues lernen wie in seiner Jugend und hatte keinen Sinn dafür, sehnte sich irgendwohin nach den Sielen und sah dauernd die Masse seiner gerüsteten Brüder.
Qualvoll waren die ersten Tage bis zur Generalprobe, morgens um zehn Uhr.
Dauphin steht, mit feldgrau überzogenem Helm auf dem Kopf und mit feldgrauem Soldatenrock, der am Hals zusammengeknöpft ist, umhangen, mit einem Tornister auf dem Rücken und einem langen Schleifsäbel zur Seite hinterm Vorhang und sieht mit dem linken Auge in die Arena hinüber, wo ein feldgrauer Soldat sitzt, der den Arm in einer weißen Binde trägt. Hinten am großen Spiegel steht eine Dame und zupft ihr steiffaltiges, weitgespreiztes Akrobatenröcklein zurecht. Dauphin schämt sich ordentlich seines Gewandes und sieht erhöht hinter dem Soldaten mit der Armbinde einen zweiten Feldgrauen sitzen, der vor dem einen Auge ein schwarzes Läppchen hat.
„Dauphin!” ruft der Direktor, und Dauphin stößt mit dem Maul den Vorhang auseinander und tritt hinaus in die Arena.
Herrjeh! Was sieht er da? Ringsum sind alle Plätze mit Soldaten besetzt, einer geht an einer Krücke hinter der Manege hin und sucht seinen Platz, einer sitzt im Fahrstuhl am Eingang, links und rechts vom Eingang sind alle Plätze besetzt mit Männern in langen, weiß und blau gestreiften Kitteln. Soldaten, Soldaten, ringsum Soldaten!