Dauphin stand entzückt da, und der Geist, der aus den Soldaten aufbegehrte, riß den seinen mit sich fort. Er streckte den Kopf hochauf, er entblößte die Zähne, er scharrte mit dem linken Vorderfuß, und die Kiesel schwirrten den Soldaten, die um ihn standen, ins Gesicht. Sie wußten, daß das Gäulchen sich nicht gut anders freuen konnte und ertrugen die Kiesel, und einer reichte ihm ein Stück Zucker hin. Dauphin schüttelte plötzlich den Kopf und nickte mit dem Kopfe, und der Soldat, der ihn vom Zirkus her kannte, besänftigte seine Freude, indem er ihm sachte über die Blesse strich.
„Auf Vater und Mutter schießen!” schrie der Redner und wiederholte: „Auf Vater und Mutter schießen!”
„Auf Vater und Mutter schießen!” tobte die ganze Versammlung, und Dauphin, in dessen Herz unter allerlei Unrat noch mehr Natur lebte als in vielen Menschenherzen, stellte sich plötzlich, als sei dieses verruchte Wort der Weckruf seiner tiefsten Erlebnisse, all seiner Freuden, all seiner Schmerzen, auf die Hinterbeine und stieß einen klagenden Laut zum Himmel.
„Das unvernünftige Tier,” rief der Redner, „seht, seht, es bäumt sich auf angesichts solcher Schändlichkeiten! Die Natur, die Natur bricht über jene herein, weil wir selber jene Unnatur nicht gerichtet haben! Und nun werden wir, weil wir's nicht getan haben, mitgerichtet werden! Seht dem Junker, der uns peitschte, hier in Berlin, in Straßburg, in Köln, in Regensburg und in Stuttgart, seht ihm in die Augen! Was seht ihr da? ... Das Tier!!”
„Das Tier!!” krischen die Mannschaften, und das Echo wollte nicht enden.
„Nein!” begann der Redner wieder, „nicht das Tier! Nicht das Tier!”
„Den Teufel” schrie einer. „Den Teufel!” erwiderten etliche.
„Ja, den Teufel! Den Bösen! Das Böse! Den Feind des Guten! Den Feind der Menschheit, den Feind alles Menschlichen! Sie kommen mit dem Mordgewehr zur Taufe! Mit vierzehn Jahren stehen sie als Leutnant auf dem Kasernenhof, den sie zeitlebens nicht mehr verlassen! Menschen dressieren, Menschen schikanieren, drangsalieren, von Kasernengeneration zu Kasernengeneration! Die Peitsche, die Peitsche über das deutsche Volk! Sie wollen Frankreich vernichten, England an Zeppelinen verankern, lichten und im Ozean draußen niederlassen! Kaiser, Könige, Fürsten aller Schattierungen ließen sich von ihnen und von ihren Hohenzollern ihren Glanz und ihre Macht garantieren und verschrieben sich und ihre Landeskinder ihrem Blutwahn! Hohen Zoll zahlten wir ihnen und ihren Hohenzollern! Ihre Namen kann man nicht aussprechen, man zerbricht sich die Zunge! Die meisten endigen auf ow! O W! O weh!! rufe ich aus, o weh!! gutes deutsches Volk! Herrliches Volk des Gemüts, des Herzens, armes, zerschundenes Volk, gekreuzigtes Volk! Und doch wieder: Törichtes Volk! Dummes Volk! Was gingst du nur zu gern in ihre Schützengräben! Der dich so gleich hineinjagte, hat von jeher das Wort verachtet! Diese Diplomaten — das ist ein echtes Hohenzollernwort — verdarben uns den Braten! Uns, uns, Männern des Schwertes! Was ließest du dich so leicht betören!”
Der Einäugige hielt inne und fuhr dann fort:
„Aber Revolution ist Tat!: Auf! Auf, zur Revolution!”