„Vetter Klaus, Vetter Klaus, ich weiß ganz gut, wohinaus er will, ich kenne meine Pfarrkinder nur zu gut; aber wisse er: wenn der liebe Gott den übrigen Geschöpfen keinen verbotenen Baum in den alltäglichen Weg gestellt hat, so wußte er genau, was er tat!”
„Sonst wär er nicht Gott!”
„Ganz recht, Vetter Klaus, sonst wär er nicht Gott! Aber die Erkenntnis, mit der er uns Menschen ausgestattet hat, — —”
„Die hat er den Tieren, die er mehr liebte und mehr liebt, erspart!” warf der Bauer ein.
„Oho! Vetter Klaus!” rief der Pfarrer, jedoch der Bauer fuhr fort:
„Sagten Sie nicht selbst schon auf der Sonntagskanzel, daß die Erkenntnis, die den Menschen gegeben sei, daß dieser Knochen, der den Menschen vorgeworfen wurde, eben nichts Halbes und nichts Ganzes ist, eben, daß er ein wirklicher Fluch ist?”
„Vetter Klaus: Erkenntnis sei ein Fluch?!”
„Ha, ich habe aus Euren Predigten, Herr Paschtohr, schon etwas gelernt: und man macht sich hinterm Pflug so seine eigenen Gedanken!”
Er nahm des Füllen Kopf an seine Brust, hob den überaus langen Schweif der Stute hoch und trocknete damit an dem Füllen herum. Der Pfarrer nahm eine Prise, hielt auch dem Bauern die Dose hin und sagte freundlich lächelnd:
„Lieber Vetter Klaus, ich habe stets das unverdorbene Urteil des gesunden, unverbildeten Bauernverstandes zu schätzen gewußt und bin gerade deshalb Bauernpfarrer geworden! Lassen Sie mich das so sagen, wie ich es sage: Einst ist in einem Stalle ein Kindlein auf die Welt gekommen, und das war Gott. Es lebte, auch da es schon Mann war, fröhlich wie Ihr in den Tag hinein, fröhlich wie Ihr und die Vögel des Himmels und die Lilien des Feldes und tat sonst nichts, als daß es seinen Mitmenschen vom himmlischen Vater erzählte. Nicht viel anders erzählte es, als wie die Vögel erzählen und die Blumen, das Wasser, das Gras, Dein Vieh und ganz unmittelbar das kleine Füllen, das eben erst seiner Schöpferhand entsprossen.”