(Der Eindruck dieser Scene ist unbeschreiblich.)
„Da hab’ ich einen Wohlthäter gefunden!“ sagt Nastassja „Übrigens spricht man vielleicht die Wahrheit über ihn, dass er .... so ist. Wovon wirst du denn leben, wenn du so verliebt bist, die Rogoschinskaia zu nehmen, für dich, als — Fürstin?“
„Ich nehme Euch als eine Ehrenhafte, Nastassja Philippowna, nicht als eine Rogoschinskaia“, sagte der Fürst.
„Ich, ehrenhaft?“
„Ja, Ihr,“ usw.
Nun wird die Frage des Unterhalts erörtert und es stellt sich aus einem Briefe, den Myschkin bei sich trägt, heraus, dass er der Erbe einer steinreichen Verwandten ist und es eben diese Angelegenheit war, um deren willen man ihn nach Russland gesandt hatte.
Er will nun ernstlich Nastassja heiraten, sie vor sich selbst retten. Sie entflieht ihm mit Rogoschin, da sie dieses Opfer des Erbarmens nicht annehmen will. Nach vielen höchst aufregenden und den Leser in quälende Spannung versetzenden Episoden setzt Myschkin, dessen Gesundheit allen diesen Erregungen nicht mehr stand hält, doch endlich die Vermählung durch. Schon im Brautgewande und vor dem Altar — entflieht die Braut. Spät in der Nacht, es ist eine helle Petersburger Nacht, erscheint Myschkin vor Rogoschins finsterem, versperrtem Hause. Man lässt ihn nicht ein. Er stellt sich gegenüber Rogoschins Fenster auf, dieser erblickt ihn und holt ihn in die dunkle, durch einen schweren Vorhang abgeteilte Stube. Der Fürst, den schon wiederholte Anfälle seiner Krankheit des klaren, folgerichtigen Denkens zu berauben anfangen, sammelt sich mit schwerer Mühe, um zu begreifen, was hier vorgegangen. Rogoschin führt ihn hinter den Vorhang. Hier liegt auf dem Bette, mit dem Leintuch bis über den Kopf zugedeckt, ein unbeweglicher Körper. Ein nackter Fuss, wie aus Marmor gemeisselt, ist beim unteren Bettende sichtbar und ringsum weisse Gewänder, Spitzen, Brillanten — — — Sie war mit Rogoschin leise in das unbewohnte Haus hinaufgeschlichen, „damit Myschkin sie nicht finde“. Hier hatte sie die Nacht auf seinem Bette zugebracht, hier hat er ihr sein Messer ins Herz gestossen. Darauf hat er sich zu Füssen des Bettes vor den Vorhang hingesetzt und gewartet. Nun erzählt er das alles, vom Fieber geschüttelt, dem Fürsten. „Du sollst aber keinen Anfall hier bekommen und schreien, sonst musst du fort.“ — — Allmählich verlässt beide das Bewusstsein. — Am andern Morgen findet man Rogoschin im Fieber schreiend und rasend, Myschkin neben ihm auf dem Boden sitzend, nun vollständig blödsinnig — und dem Kranken bei jedem Schrei zärtlich Haar und Antlitz streichelnd .....
Es ist wohl hier der Platz für einen Brief, welchen der Dichter neun Jahre später an einen jener Korrespondenten richtete, die ihn in seinen letzten Lebensjahren so oft um Rat in schweren Gewissensfragen angingen. Dieser Brief ist in mehr als einem Sinne und in mehr als einer Richtung bedeutsam und interessant.
Er lautet:
„Petersburg, 14. Februar 1877.