Der Diener las rasch die Adresse. Aber sie lautete: An Herrn Staatsanwalt Dr. Müller. „Sie sind ja überhaupt falsch. Hier wohnt Herr Staatsanwalt von Wenk.“
„Ach der Herrgott! Da hat man mir eine falsche Nummer genannt. Ich sag’ ja immer: aufschreiben, Herrschaften. Jetzt heißt’s wieder, ich hab’s falsch behalten! Also, wo wohnt denn nun der Staatsanwalt?“
„Da ist nichts zu machen! Also wieder zurück! Adieu!“
Der falsche Dienstmann ging und wußte halb nur, was er wissen wollte.
Unterwegs aber wurde ihm Erleuchtung. Ja natürlich, sagte er sich, er ist im Flugzeug hingeflogen. Und ich weiß wohl, weshalb ...
Den Bruchteil eines Augenblicks wurde es ihm dunkel vor den Augen. So traf ihn diese Entdeckung. Er maß zum ersten Male seinen Gegner. Diese Mittel hatte noch niemand gegen ihn angewandt. Georg hatte die entlassenen Schmuggler noch nicht abgeschoben. Ob durch einen von ihnen die Reise nach Konstanz so hastig veranlaßt wurde? Hatte sein, Mabuses, Überwachungsdienst versagt? Es war jedenfalls gefährlicher als jemals zuvor. Denn es waren mehrere Agenten der Fremdenlegion entlarvt und verhaftet worden.
Wenn Wenk die ganze Gesellschaft einsperren läßt, kann einer so viel verraten, daß die Wellen bis an mich heranschlagen. Ich bin zum erstenmal nicht mehr sicher. Ich werde ihn beiseite schaffen ... Weshalb hat Georg ihn durchgehen lassen, sobald er nur im Zweifel war, es könnte der Staatsanwalt sein? Der Teufel hole die Menschlichkeit, mit der wir ihn in Schleißheim laufen ließen! Früher lebe ich nicht mehr, als bis er fort ist, bis er ausgetilgt ist!
Ich werde meine Flucht gleich vorbereiten. Ich werde über die Schweizer Grenze fliehen, wenn ich bis acht Uhr nicht weiß, ob Georg nicht verhaftet ist.
Wo hat ihn Georg gesehen? Wenn ich das wüßte! Darauf kommt alles an!