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Die Gräfin hatte das Haus des Geheimrats Wendel in einem Taumel verlassen. Der fremde Mann war auf einmal unsichtbar geworden. Aber die Berührung mit der Kraft seines Geistes hatte sich in sie eingebadet und verließ sie nicht mehr; diese Kraft, voll Geheimnis, drängte den Staatsanwalt von ihr zurück.

Es kam ihr vor, da sich die Zellentür vor ihr öffnete, als ginge sie nun in diese Kammer hinein, in diese fremde, kalte, weltabgeschiedene Kammer, wie in eine Zeit der Prüfung.

Sie sollte ihn am Montag wiedersehen. „Ich lade zu einem zweiten Abend meiner Somnambule am nächsten Montag auch Ihren Tischnachbar wieder ein,“ hatte der alte Geheimrat mit seinem gütig-skeptischen, anzüglichen Lächeln gesagt. „Er hat ja nachzuholen, da er unerwartet fort mußte. Die Somnambule hat er nicht gesehen, aber die wache Frau Gräfin Told!“

„Wohlan!“ hatte sie nur geantwortet, kameradschaftlich, sachlich, nicht verbergend, aber auch kein Eingeständnis.

Die Zellentür schloß sich hinter ihr. Vor ihr saß eine Gestalt auf einem Stuhl. Sie drehte sich nicht her. „Nun?“ knurrte sie wie ein Hund.

„Guten Tag!“ sagte die Gräfin.

Die Carozza wandte sich gemessen um. Erst als sie der Gräfin ihr Gesicht voll zukehrte, stieß diese einen kleinen Schrei aus, und mit einem gut gespielten Erstaunen rief sie die Carozza an, indem sie lebhaft zu ihr trat. „Fräulein, Sie! Wir kennen uns ja! Welch ein Zufall!“

Sie begann gleich zu plaudern, so als bemerkte sie die grimmige Laune der Carozza nicht. „Denken Sie sich, man hat uns ausgehoben, richtig ausgehoben! Bei Schramms! Das vornehmste Lokal. Ich sag’ Ihnen, Fräulein, ein Radau war das! Einer piepste, der andere wollte zum Fenster hinaus, die doch alle zugemauert sind! Sie wissen ja. Einer setzte sich hin und weinte: ‚Meine Frau, meine vier Kinder, ich bin entehrt!‘ Es war ein Durcheinander wie in einem Taubenhaus. Ich konnte mich nicht ausweisen, und da haben sie mich mitgenommen! Sagen Sie, was soll ich tun? Das ist doch nichts Böses, in ein Spiellokal zu gehen! Und gespielt hab’ ich ja auch noch nicht einmal!“

Aber die Carozza schaute sie nur böse an. „Sagen Sie etwas! Was haben Sie?“ bettelte die Gräfin.