Die beiden Frauen saßen nebeneinander, die Gräfin auf dem Boden, beide wie von einer unsichtbaren Faust niedergeschlagen in diese Stellungen der Zerknirschung, Sehnsucht und Auflösung in dem fremden Blut. Ein Schweigen lag nach den heftigen, ihrem Innern entrissenen Worten über ihnen, das grauenvoll das Nichts aus dem Schoß der rinnenden stummen Zeit heraufflattern ließ. „Sagen Sie etwas!“ bat die Gräfin mit schüchternem Flehen.
„Still, oder ich erwürg’ dich ... erwürg’ dich!“ schrie die Carozza.
Da wich die Gräfin zurück. Sie fühlte sich, ungemessen und grenzenlos, wie sie bis dahin ihr inneres Leben nach außen zu wenden getrachtet hatte, der andern unterlegen wie ein Wiesel in den Krallen eines Steinadlers.
Es wurde Essen hereingeschoben. Keine der beiden sah es. Es wurde finster. Die Carozza legte sich in den Kleidern auf eine der Pritschen. Die Gräfin ahmte sie nach und streckte sich in das Stroh der zweiten Liegestatt. Die Nacht ging über sie. Die Vorstellungen versanken in einer wehen, ermattenden Schlaflosigkeit wie in einer Kloake.
Einmal mitten in der Finsternis fragte die Carozza streng: „Schläfst du?“
„Nein!“
„Weshalb bist du hier?“
Da war die Gräfin nicht mehr so kühn, ihre Lüge zu wiederholen. Sie schwieg kleinmütig.
Die Carozza blieb eine Weile stumm. Dann sagte sie mit Gleichmut: „Du solltest mich aushorchen! Hab’ ich dir etwas gesagt?“
„Ja!“