„Das sind ja gerade unsere modernsten Dichter. Denn sie geben der Kunde des Unbewußten, oder des Unterbewußten vielmehr, die sichtbare Form. Das Unterbewußte aber, das steht doch heute fest, trägt unser Seelenleben. Wir spielen nachher Bakkarat, nicht wahr?“

„Gut!“

Die Somnambule sollte ihre Tätigkeit beginnen. Ein Arzt führte sie vor und setzte sie in den hypnotischen Zustand, in dem sie ihre Wunder der Erinnerung vollbringen sollte. Sie hatte am ersten Abend, das erzählte der Graf mit ehrfürchtig flüsternder Stimme Mabuse, Erlebnisse erzählt, die sich in ihrem Innern während ihrer ersten Gehversuche abgespielt hatten.

Der Graf fühlte eine Wärme, die unnatürlich seinen Hinterkopf bestrahlte, während er das sagte. Er drehte sich um. Aber es war nichts hinter ihm als die Tapetenwand, an der Gemälde hingen, die älterer Schule waren und ihn gleichgültig ließen.

Die Somnambule gehorchte dem Willen des Suggestors nicht. Sie entglitt wohl dem Wachsein; aber jeder Zuschauer konnte erkennen, wie allmählich der Ausdruck ihrer Augen wie aus der Ferne wieder hervorkam, bis er ganz vorn stand und plötzlich wieder wach aufstrahlte, wach und unwillig. „Einer quält mich,“ sagte sie.

„Niemand quält Sie,“ sagte die Stimme des Arztes eintönig und skandierend. „Man will Sie in die frühen Länder Ihrer Jugend geleiten ... eins ... zwei ... drei ... schlafen Sie ... ein ... eins ... zwei ... Sie schlafen! ...“

Er rieb langsam, kaum berührend mit der Hand über ihre Stirn, immer wieder ... zählend ... „Drei ... eins ... zwei ... Wie alt sind Sie jetzt?“

„Ich bin jetzt zehn Monate alt und drei Tage.“

„Was hat morgens die Mutter gemacht, wenn sie Sie aus der Wiege hob?“

„Hat mich losgewickelt und geschmerzt und ... und ...“