„Woher wissen Sie das?“ fragte Mabuse brutal.
„Das weiß ich ... von mir selber!“ antwortete sie.
„So freuen Sie sich über sich. Denn dann sind Sie nicht nur ein Genie an Erinnerungskraft, sondern auch ein Engel an Gemüt!“ entgegnete Mabuse höhnisch.
Gespräche lösten die Gesellschaft auseinander. Nur der Graf Told war schweigsam geworden. Immer dieser unnatürliche Hitzstrahl gegen seinen Hinterkopf! Er schaute hinter sich. Er faßte mit der Hand den Schädel ab. Nichts! Er ging zu einem Spiegel! Nichts! Er setzte sich hin, und ihm war, als solle er einschlafen. Aber er sah alle Menschen und hörte alles. Er wollte etwas sagen, doch fühlte er, wie die Worte von seinem Mund weggepflückt wurden gleich fallreifen Früchten.
Als eine Weile so vergangen war, erhob er sich, trat auf den Kreis zu, in dem Dr. Mabuse stand, und sagte: „Wir wollten Bakkarat spielen!“
„Wie Sie wollen! Wenn wir noch Spielliebhaber finden!“ antwortete Mabuse.
Da wurde Told lebhaft. „Großartig, mit Ihnen Bakkarat spielen! Geheimrat, was? Machen Sie auch mit?“
„Ich habe gesellschaftliche Pflichten gegen die Damen. Aber Sie werden Partner genug finden,“ antwortete der Geheimrat.
Bald saßen sechs Herren um den Spieltisch. Er stand in einem Raum, der an den Wintergarten stieß. Die Lampe mit einem tiefen Schirm neigte sich über den Tisch und ließ das Zimmer in einer schummerigen Dunkelheit. Im Wintergarten, in den man durch ein Fenster sah, leuchteten dunkel die gespenstischen Arme der fremden Palmen gegen das von Sternenschein angegeisterte Glas der Wände. Sie sahen aus wie Leitern, die, aus ihren starren, hölzernen Formen erlöst, dunkel und wie ekstatische Schatten sich gegen Himmel erstreckten.
Man schlug die Karten, wer zuerst die Bank halten sollte. Gäste umlagerten den Spieltisch. Die Gräfin Told stand im Dunkeln abseits und schaute herüber. Mabuse sah ihr Fleisch leuchten auf dem dunkelroten, weit ausgeschnittenen Kleid, das sie trug. Er war finster und kalt. Kaum sprach er ein Wort. Alles, was in ihm aufsteigen wollte, unterdrückte er, und nur um den Grafen Told häuften sich seine Gedanken und türmte sich sein Willen hoch. Wenn jemand ihn anredete, antwortete er kurz und abweisend. Er spielte scheinbar mit großer Aufmerksamkeit. Aber er spielte in Sprüngen.