Aber wovon sollte er sich reinigen?

Und auf einmal überfiel ihn, lastend und kalt, was er getan hatte, wie eine einbrechende Eisdecke. Er hatte es getan! Ja, er hatte es getan! Er hatte Karten unten hingemischt und hatte Karten unten herausgezogen. Er hatte damit Geld gewonnen. Aber er hatte ja kein Geld gewinnen wollen! Was war geschehen? Kann keiner mir helfen? Ich habe etwas getan, was ich nicht tun wollte. Ich habe mich aus der Gesellschaft ausgestoßen! Ich werde bis ans Ende meines Lebens ein Falschspieler sein. Kann niemand mir helfen?

Ich weiß, daß ich es getan habe. Aber ich weiß nicht, wie ich es getan habe! Und nicht weshalb und nicht wozu. Ich werde verrückt. Ich verliere mein Vertrauen in mich. Ich kann keinen Augenblick in meinem Leben für das, was ich tue, sicher sein. Entsetzlich! Grauenhaft! Es graust mir vor mir selber. Wie kam ich dahin? Das da ist ein Bild von Kokoschka! Das ist eine Plastik von Archipenko! Das werde ich immer wissen. Aber was da allein aus diesem Kopf, aus diesem meinem Kopf herausschleicht, das kann ich nun nie mehr in meinem Leben sicher wissen. Ich behalte meine Augen, mein Gehör, mein Gefühl ... Aber mein Hirn verfault. Irrenanstalt! Mein Körper geht im Licht des Tages. Und mein Gehirn ist in Zwischendunkelheit eingehüllt. Kann denn keiner mir helfen?

Er kämpfte mit den Tränen. Aber er wagte nicht einmal, zu weinen. Er wußte nicht: Täuscht mich nicht vielleicht mein Bewußtsein über das, was ich tue? Und wenn ich weine, geschieht es dann vielleicht nicht in Wirklichkeit, daß ich ein Bild zerschneide, das ich bisher geliebt und angebetet habe, oder meinen Diener einen Mörder nenne oder der Kammerzofe Dusys Unzüchtigkeiten sage? ...

Und dann war es ihm, als bräche er zusammen über den einen Namen: Dusy! Kannst du mir nicht helfen, Dusy, du? Wirst du nicht kommen? Glaubst du mir nicht? Hilfst du mir nicht!

Er klingelte und lief dem Diener entgegen. „Die Frau Gräfin?“ rief er.

„Die Frau Gräfin ist noch nicht zurück!“

„Nicht telephoniert? Hat sie nicht ...“

„Nein, Herr Graf. Aber Herr Doktor von Wenk hat vor einer Stunde angerufen. Die Frau Gräfin läßt er um die Ehre bitten, ihn morgen vormittag zu empfangen. Seine Rufnummer ist am Fernsprecher aufgeschrieben.“

„Gehen Sie!“ sagte der Graf.