Er erzählte. Er erzählte auch, wie er den Abend über diese unnatürliche Bestrahlung seines Hinterkopfes empfunden hätte. Das sei wohl ein Vorbote des kommenden Unglücks gewesen.
„Seien Sie mir nicht böse, Herr Doktor Wenk. Ich bin ein Fremder. Ich überfalle Sie. Aber ich hätte mich aufhängen müssen, wenn ich es nicht gleich in der Nacht einem Menschen gesagt hätte. Darf ich fortfahren? Und diese starren Strahlen, wie eine glühende Eisenstange am Hinterkopf, flossen dann so weich und so wohlig lau in meinem Innern aus. Es war, als sei es auf einmal ein warmes Bad. Ich hatte die Empfindung, ich sei vor irgend etwas, was vor mir gelegen, gerettet, und in diesem Augenblick, der mir so wohl tat — da geschah es! In der ersten halben Stunde habe ich es geleugnet vor mir selber. Als ich nach Hause ging. Aber es ist geschehen. Es ist wahr! Es ist nicht rückgängig zu machen, nicht vor Menschen, nicht vor mir selber.“
Wenk war sofort sein Erlebnis mit dem alten Professor gegenwärtig. Um Gottes willen, schrak er auf, sollte der auch hier ...? Die Gräfin und die Carozza! Er fragte Told:
„Haben Sie einen Verdacht?“
Der Graf verstand die Frage nicht. „Einen Verdacht? Wie meinen ... daß ich früher schon so gewesen bin? Krank? Nein, niemals!“
„Nein, einen Verdacht gegen eine bestimmte Person, die zugegen war?“
„Der Gedanke ist mir nicht gekommen. Ich verstehe nicht, wie ein anderer ... Nein ... Gegen niemanden!“
„Ist niemand in der Gesellschaft gewesen, der nicht hinzupassen schien ... der Ihnen verdächtig vorkam? Der sich anders benahm als die andern Geladenen?“
„Es war ein kleiner Kreis persönlicher Bekannter des Geheimrats. Nein, niemand!“
Wenk ließ den Verdacht fallen. Wie hätte er auch selbst die Anwesenheit des gesuchten Verbrechers mit dem Falschspiel des Grafen zusammenbringen können! Es lag so scheinbar ein seelisches Entgleiten der Macht über den Willen vor. Ein Vorgang, der sich im Unterbewußtsein einer ans Krankhafte streifenden, subtilen Persönlichkeit abspielte, den das Hirn nur über seine Wirkung auf die Mitspielenden registriert hatte. Der Graf mußte zu einem Psychiater gehen. Es war auffallend, daß er zu ihm, dem Kriminalisten, kam. Aber er wollte nicht fragen.