XIII

An etwas Schwarzem, von roten Ringen und Blitzen Durchfurchtem erwachte die Gräfin Told. Es war dunkel und fremd um sie. Ein ganz zartes Licht leuchtete abgedämpft irgendwo hoch, wie auf einem Berg, in das Zimmer, in dem sie lag. Sie lag auf einem Ruhebett, angekleidet. Sie hatte das Zimmer nie gesehen. Auch erkannte sie kaum etwas in dem Raum. Sie lag da und versuchte, das, was sie erlebt hatte, in sich wieder hervorzurufen. Es widerstand. Nur hart, wie mit einem Schlag, stand ein Augenblick da, in dem die grauen Augen jenes Dr. Mabuse, der ihr von Tigern erzählt hatte, sich über sie senkten, grauenerregender als Krallen einer Bestie, die Blut roch ... geisterhaft ... ein Griff aus Luft, aber der Atem gerann ihr. Ihr ward, als ob ihr das Herz zurückfloh und wie ein Pferd, dem die Hufe nicht mehr am Stein hielten, hinterrücks verloren in eine Schlucht stürzte.

Eine Tür öffnete sich. Sie wußte nicht genau, wo. Sie fühlte es mehr, als daß sie es genau gehört hätte. Sie wartete auf etwas. Auch ihre Vorstellungen stauten sich zurück und warteten.

Nach einer Weile sprach aus der zarten Düsternis heraus eine Stimme: „Sie sind wach. Wünschen Sie, daß ich Licht mache?“

Es war eine Stimme, von der im ersten Klang der Gräfin dünkte, sie sei eine Glocke, das Fest der Seele einzuläuten. Aber im Nu zerging diese Empfindung. Ein Gefühl des Nichtglaubens durchzog sie. Wie kam diese Stimme in die Dunkelheit? Diese einzige von allen Stimmen, die sie nicht erwartet hatte. Sie erschrak so ins Unerkennbare der Seele tief hinein, daß ihr war, als fröre ihre Haut über den ganzen Körper zu Eisblumen zusammen.

Ein Laut knirschte aus ihrer Kehle. Sie hörte ihn nicht. Sie streckte nur abwehrend die Hände aus. Da wurde es hell im Zimmer.

Dr. Mabuse schloß die Tür und kam an das Lager heran. Er sagte: „Die Lage ist so: ich habe Sie gewünscht! Ich habe Sie mir genommen!“

Die Gräfin gewann an den menschlichen Lauten die Beherrschung wieder. Sie erhob sich vom Ruhebett, aber sie fühlte sich von der Ohnmacht wie ausgesogen. Was wollte dieser Mann? Ja, sie wußte doch genau, was er wollte. Er war ein Tiger.

Trotzdem fragte sie: „Was wollen Sie?“

„Ich sagte es Ihnen eben!“ antwortete die große Stimme kurz.